HSB will Busfahrer entlasten, 475 000 Euro soll das kosten

Auslaufmodell als Zukunft in Hanau? Bustickets am Automaten

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Ein RMV-Fahrscheinautomat neuester Generation

Schon in einigen Jahren, so bekundete der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt 2017, soll der Papierkram im Nahverkehr Vergangenheit sein. Fahrscheinkauf per Smartphone-App lautet das Zauberwort.

Hanau – Auch die Deutsche Bahn hat angekündigt, bis 2023 den Automatenverkauf von Tickets drastisch zu reduzieren, um Kosten zu sparen. Dafür will man die digitalen Fahrkartenangebote ausbauen. Auf Sicht will auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ohne Automaten auskommen. Doch das mit der Digitalisierung wird noch dauern.

Die Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB), die bisher stets ohne Fahrkartenautomaten ausgekommen ist, setzt nach Informationen unserer Zeitung bei ihrem Stadtbus-Betrieb auf das, was andernorts als Auslaufmodell gilt: Auf Automaten. Und sie will dafür viel Geld ausgeben: annähernd eine halbe Million Euro.

Auf Anfrage bestätigt ein HSB-Sprecher, dass das städtische Verkehrsunternehmen am Busbahnhof auf dem Freiheitsplatz sowie am Marktplatz je zwei Automaten auf stellen will – an den mit Abstand am stärksten frequentierten Haltestellen.

Bisher werden Fahrscheine in der RMV-Mobilitätszentrale am Freiheitsplatz sowie in einem Dutzend Vorverkaufsstellen in Geschäften oder Kiosken verkauft, das Gros indes direkt bei den Busfahrern. Just die will man mit dem Automaten-Projekt entlasten. Rund 800 000 Einzel-, Kurzstrecken, Anschluss- und Tagesfahrscheine verkauft die HSB jährlich, davon 75 Prozent über die Busfahrer, macht 600 000 Verkaufsvorgänge in den Stadtbussen.

Mit den Automaten will man das Fahrpersonal entlasten und dafür sorgen, dass die Fahrpläne zeitlich eingehalten werden, „da der Ticketverkauf im Bus unweigerlich zu Verzögerungen führt“, sagt ein HSB-Sprecher. Er verweist darauf, dass Fahrgäste an den Automaten rund um die Uhr Fahrscheine bekommen, und dass die Mitarbeiter der RMV-Mobilitätszentrale im Forum Hanau sich dann „mehr auf komplexe Beratungs- und Verkaufsgespräche konzentrieren“ könnten, wenn wenige Schritte weiter die Kunden Fahrscheine an den Automaten ziehen.

Demgegenüber stehen freilich die enormen Kosten für das Automaten-Projekt, das unlängst dem HSB-Aufsichtsrat vorgestellt wurde, und das intern durchaus Kritiker haben soll. Sie argumentieren mit den hohen Ausgaben und damit, dass andernorts auf Digitalisierung gesetzt wird.

Die vier Automaten am Freiheits- und Marktplatz sollen laut HSB im ersten Halbjahr 2020 in Betrieb gehen. Der Vertrag mit einem Dienstleiter soll sechseinhalb Jahre laufen. Die HSB kalkuliert mit Gesamtkosten von 475 000 Euro, heißt es. Die Laufzeit des HSB-Automaten-Vertrags korrespondiere mit Überlegungen beim RMV, der so lange noch Automaten in Betrieb haben will.

Schon seit Jahren gibt es auch einen digitalen Fahrkartenverkauf. Der Anteil der online oder per App verkauften Tages- oder Gruppenkarten lag 2018 im RMV-Gebiet bei zehn Prozent. Tendenz steigend. 2017 waren es laut RMV-Pressestelle noch 6,5 Prozent. Eine weitere deutliche Erhöhung verspricht man sich, wenn ab Herbst dieses Jahres auch Wochen- und Monatskarten digital zu haben sein werden.

Der Verkehrsverbund hat im vorigen Jahr aber auch die Fahrscheinautomaten erneuern lassen. Die neuen Geräte sorgten wegen Pannen prompt für Schlagzeilen: Es kam kein Wechselgeld heraus, die Fahrscheinausgabe versagte, die Software stürzte ab. „Es gibt weiterhin Störungen“, beklagte kürzlich Thomas Kraft vom Fahrgastverband Pro Bahn in Hessen.

Auf die Frage, ob angesichts von zunehmenden Dauertickets von Schülern und der Entwicklung des digitalen Ticketverkaufs einerseits und der hohen Kosten von 475 000 Euro andererseits die Kosten-Nutzen-Relation beim Automatenprojekt stimmt, antwortet die HSB: „Das wird sich zeigen“, es sei vor dem Hintergrund der genannten Zahlen aber „wahrscheinlich“.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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