Von einem Verein getragen

Hanauer Szenekneipe „Brücki“ wird 35 Jahre alt

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Seit 35 Jahren ist der „Brückenkopf“ in der Wilhelmstraße Treffpunkt der Hanauer Szene. Getragen vom „Verein Bürgertreff für Kommunikation, Information und Kultur“ hat das „Brücki“ schon manche Höhen und Tiefen erlebt.

Hanau - Die Hanauer Szenekneipe „Brückenkopf“ in der Wilhelmstraße, direkt an der Kinzig gelegen, wird am 1. Mai 35 Jahre alt. Das wird groß gefeiert. Von Dieter Kögel 

Wenn die Companions spielen, dann wird es eng im „Brücki“. Das dürfte auch beim Geburtstagsauftritt der Gruppe am Montag, 30. Mai, der Fall sein.

Mit Konzerten, Poetry- und Song-Slam, und natürlich mit Leckerem aus Küche, vom Grill und aus Flaschen und Zapfhahn, wie es sich für den kultigen Treff, den viele nur „Brücki“ nennen, eben gehört. Zur Kneipe der etwas anderen Art gehörte der „Brückenkopf“ schon bei seiner Gründung im Jahr 1983. Treffpunkte und Veranstaltungskneipen für die „Szene“ waren in Hanau rar geworden. Das Kultur- und Kommunikationszentrum im ehemaligen „Haus der Bäcker“, das später abgerissen wurde, hatte aufgegeben, die beliebte und zuletzt besetzte Mittelbuchener „Krone“ war schon damals abgerissen worden. Was blieb, war eine Schar Heimatloser aus den Bereichen Politik, Kultur, Musik, deren Aktivitäten sich (noch) im außerparlamentarischen Bereich abspielten, und deren innere Haltung noch stark geprägt war von Autonomie und Selbstbestimmung, von Opposition und der Zuversicht, dass es auch alternative Wege der Lebensgestaltung geben müsse.

Und es war ein breites Spektrum an unterschiedlichen Menschen, das sich zunächst im Arbeitskreis Kulturzentrum Pumpstation, dem späteren „KUZ Hanau,“ zusammengefunden und schließlich auch über inhaltliche Differenzen hinweg den „Verein Bürgertreff für Kommunikation, Information und Kultur“ gegründet hatte. Der neue Verein wurde Träger des „Brückenkopf,“ der schließlich nach wochenlangen Arbeitseinsätzen der Vereinsmitglieder und Sympathisanten am 1. Mai 1983 seine erste öffentliche Bewährungsprobe zu bestehen hatte. Mit der damaligen afrikanischen Kultband „Susu Bilibi,“ wie sich Brückenkopffreunde der ersten Stunde heute noch erinnern. Die Kapitalbeschaffung erfolgte über eine Art „Crowdfunding.“ Unterstützer Hartmut Barth-Engelbart kann heute noch seine Quittung über die Einlage von 3000 Mark vorweisen.

Gradlinig war die Entwicklung der heute weit über die Hanauer Stadtgrenzen beliebten Kneipe beileibe nicht. Bittere Erfahrung: Wo wirtschaftliche Zwänge auftreten, ist Basisdemokratie zuweilen schwierig durchzuhalten. Doch die dadurch immer wieder hervorgerufenen Turbulenzen haben nie zur Bruchlandung mit Totalschaden geführt. Immer wieder gelang es, personelle oder auch finanzielle Schräglagen zu korrigieren und die Kneipe, die sich mit ihrem „Spielzimmer“ mit Billard und Dartscheiben, dem „Wohnzimmer“ für kleine Feiern und dem Gastraum mit Bühne schnell auch zum Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Versammlungsraum für verschiedenste Gruppen entwickelt hat, auf Kurs zu halten. Vor allem auch deshalb, weil sich Arbeit und Aufgaben gleichmäßig auf den fünfköpfigen, gleichberechtigten Vorstand des Trägervereins verteilen, sagt Andreas Mitterer vom gerade wieder gewählten Vorstandsteam. „Das klappt gut und sehr erfolgreich.“

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Rund 50 Mitglieder zählt der Verein heute. Viele von ihnen sind da, wenn es Arbeit gibt. Und die steht häufig an in dem in die Jahre gekommenen Gebäude. „Da gibt es immer Baustellen,“ weiß auch Chris Sprenger vom Vorstand. Er ist fast von Anfang an dabei, kennt die wechselvolle Geschichte der Kneipe und hält die derzeitige Situation im „Brücki“ für eine sehr gute. Denn in den letzten Jahren sei es zunehmend gelungen, aus der Szenekneipe einen Treffpunkt für alle zu machen. Gemäß des Vereinsziels, einen „Bürgertreff“ zu schaffen. Mit einem inhaltlich breit gefächerten Veranstaltungsangebot sei dies ebenso gelungen wie mit einem neuen Zuschnitt der Speisekarte, die verstärkt auch die Bedürfnisse der Gäste berücksichtigt. „Pommes“ sind längst nicht mehr geächtet, die „Burger“ und Schnitzel äußerst beliebt und aus regionaler Herkunft. Ein Trend, der bei der anstehenden Überarbeitung der bestehenden Speiskarte noch stärker berücksichtigt werden soll, wie Mitterer sagt. Auf dass dem „Brückenkopf“ noch weitere solide Jahre des Bestehens gewährt sein mögen. Und das täglich ab 18 Uhr.

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