An der Kapazitätsgrenze

Hanauer Tafel versorgt 2000 Bedürftige mit Lebensmitteln

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hanauer Tafel bereiten alles vor, bevor die ersten Tafel-Kunden an der Reihe sind. Neben frischem Obst und Gemüse gibt’s hier unter anderem auch Backwaren und Milchprodukte.
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Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hanauer Tafel bereiten alles vor, bevor die ersten Tafel-Kunden an der Reihe sind. Neben frischem Obst und Gemüse gibt’s hier unter anderem auch Backwaren und Milchprodukte.

Die Tafel Hanau versorgt Menschen mit geringem Einkommen. Vor allem der Anteil der Renter hat zugenommen. Die Tafel ist aber an der Kapazitätsgrenze.

Hanau – Gut 20 Menschen warten an diesem Tag schon vor dem Eingang der Hanauer Tafel am Johanniskirchplatz 7. Obwohl die Tafel selbst erst in einer viertel Stunde ihre Türen öffnet, hoffen sie, so an die besten verfügbaren Lebensmittel zu kommen, wie ein Kunde berichtet. Auch an diesem Tag werden wieder 150 Menschen bei der Tafel Lebensmittel abholen, die sonst im Müll gelandet wären.

Auch jetzt kurz vor Weihnachten reißt der Andrang bei der Hanauer Tafel nicht ab. Dabei ist Deutschland ein Land des Überflusses, was gerade jetzt vor Weihnachten besonders deutlich wird. Neben dem festlichen Essen gibts bei den meisten jede Menge Geschenke. 282 Euro wollen die Deutschen durchschnittlich laut aktuellen Umfragen dieses Jahr für Weihnachtspräsente ausgeben. Von diesen Summen können die Menschen, die bei der Tafel anstehen, aber nur träumen.

Über Geschenke bis unter die Decke freut sich Jutta Knisatschek.

Insgesamt 650 Personen haben dort einen Ausweis und sind berechtigt, sich Lebensmittel gegen einen Obolus von zwei Euro zu holen. Einen solchen Ausweis bekommt nur, wer zuvor sein gesamtes Einkommen offenbart hat und unter oder an der Pfändungsgrenze (knapp 1200 Euro monatlich) liegt. „Wenn jemand dreimal nicht erscheint, dann wird der Ausweis eingezogen. Schließlich stehen immer noch rund 20 Personen auf der Warteliste“, erklärt Jutta Knisatschek, Geschäftsführerin der Lichtblick-Stiftung der evangelischen Marienkirchengemeinde, die Träger der Hanauer Tafel ist. „2015, als viele Menschen nach Deutschland geflüchtet sind, standen schon mal über 100 auf der Warteliste.“

Dennoch: Die Hanauer Tafel ist immer noch an ihrer Kapazitätsgrenze. Insgesamt 2 000 Menschen werden mit den 650 Ausweisen versorgt. Im Schnitt drei Personen pro Ausweis, auf dem jeweils die Anzahl der Personen im Haushalt vermerkt ist. Die Zahl der Menschen im Rentenalter schätzt Knisatschek auf gut ein Drittel der Ausweisinhaber: „Das hat in den letzten Jahren durchaus zugenommen.“

Damit alle diese Menschen auch mit Lebensmittel versorgt werden können, bedarf es eines großen Teams an Ehrenamtlichen, die an jedem Ausgabetag die Tafel am Laufen halten. „Wir können uns auf unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter verlassen, die sind immer mit vollem Einsatz bei der Sache um den Menschen zu helfen“, so Knisatschek. 40 Ehrenamtliche packen derzeit bei der Hanauer Tafel an, dazu kommen 20 bis 30 Menschen, die hier einen Zusatzjob vom Kommunalen Center für Arbeit bekommen haben.

Auch bei der Versorgung mit Lebensmittel sei derweil sichergestellt: „Wir haben rund 60 Geschäfte, die uns mit ihren nicht verkauften Lebensmittel versorgen“, berichtet die Geschäftsführerin der Lichtblick-Stiftung, „da steckt auch ein großer logistischer Aufwand dahinter, damit wir die gekühlten Lebensmittel mit unseren Fahrzeugen pünktlich abholen können.“ Deshalb hat die Hanauer Tafel auch zwei hauptamtlich Beschäftigte, die sich um die Tourenplanung kümmern und die an den Ausgabetagen anwesend sind und die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit unterstützen.

Kosten von 300 000 Euro fallen so jährlich bei der Hanauer Tafel an. Rund 72 000 Euro bezuschusst die Stadt. „Wir sind auf private Spenden angewiesen“, sagt Knisatschek. „Durch den Umzug in die neuen Räumlichkeiten in diesem Jahr und die laufenden Kosten sind wir über jeden Beitrag von privaten Spendern dankbar.“

Trotz der großen finanziellen Hürden strahlt Knisatschek, als sie durch die Räumlichkeiten der Tafel führt. Denn bei der Päckchenaktion, bei der Schulen, Firmen und Privatleute Weihnachtsgeschenke für die Tafel-Kunden eingepackt haben, herrschte wieder rege Beteiligung. 1 200 Päckchen kamen zusammen, in manchen Räumen der Hanauer Tafel stapeln sich die Geschenke bis unter die Decke. „Das freut mich, dass so viele sich beteiligen. Denn für manche ist es das einzige Geschenk, das sie zu Weihnachten erhalten.“

Wer die Hanauer Tafel finanziell unterstützen will, kann dies tun unter dem Verwendungszweck „Hanauer Tafel“ über die IBAN DE1352 0604 1000 0000 918.

VON LUKAS REUS

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