Eisige Kälte hält Beschicker und Kunden fern

Hanauer Wochenmarkt im Zeichen der eisigen Temperaturen

Mit Plastikfolien, Abdeckungen und dicker Kleidung trotzten die Wochenmarkt-Beschicker der Kälte. Die Besucherzahlen waren gering.
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Mit Plastikfolien, Abdeckungen und dicker Kleidung trotzten die Wochenmarkt-Beschicker der Kälte. Die Besucherzahlen waren gering.

Minus zwölf Grad, ein eiskalter Wind, strahlend blauer Himmel: Vielen Hanauer Marktbeschickern war es zu kalt. Und so blieben zahlreiche Anbieter gestern zu Hause.

Hanau – Klar, zum einen erfriert die Ware bei solchen Temperaturen schnell. Zum anderen dachten sich etliche Beschicker, dass die Menschen wohl auch nicht allzu große Lust haben, sich der Kälte während des Einkaufs auszusetzen. Einige Betreiber sagten schon über soziale Medien wie Facebook oder Instagram ab, sodass sich die Menschen halbwegs darauf einstellen konnten. Auch für „Kartoffelkönig Vuppi“, das Roßdorfer Urgestein Heinrich Vulpius, war es zu kalt. „Net für mich, aber mei Kartoffele friern mir ein“, sagte er.

Trotzdem waren einige Unentwegte auf dem Hanauer Marktplatz, der dem Betrachter ein sehr ungewohntes Bild bot. Der HANAUER ANZEIGER wollte beim Besuch vor Ort wissen, wie sich die, die ihre Stände aufbauten, vor der eisigen Kälte und dem grimmigen Wind schützen.

Caglar Bozkurt hatte seinen Feinkostladen nachts um zwei Uhr aufgebaut und alles mit Plastikfolien und Plastikscheiben abgedichtet. „Ja, es war eisig kalt, minus zwölf Grad, aber wir haben uns dick angezogen. Hier drinnen haben wir einige Heizlüfter, die mit Gas oder elektrisch betrieben werden, dann geht das einigermaßen.“ Viele Kunden kamen heute indes nicht. Auch als wir vor Ort waren, stand keine Menschenseele da, wo die Menschen normalerweise in Reih und Glied anstehen.

Zum Glück kann Bozkurt den Großteil seiner Waren wie Oliven oder eingelegte Peperoni und eingelegte Tomaten wieder mitnehmen und am Samstag verkaufen. Das Öl schützt auch vor der Kälte. Nicht ganz so gut ist es um die Aufstriche bestellt. Hier hat er auch weniger in den Auslagen liegen, damit er nicht zu viel wegwerfen muss. „Im Großen und Ganzen hätten wir heute eigentlich auch zu Hause bleiben können. Aber unsere Stammkunden wollen wir natürlich nicht enttäuschen.“

Susanne Yashmi hat ihre Nüsse und Naschwaren nun auch schon seit eineinhalb Jahren in Hanau auf dem Markt. Für sie war es auch der kälteste Tag bisher. Kein Ofen, dafür eine Decke, Handschuhe, dicke Mütze und eine warme Jacke schützen sie vor der grimmigen Kälte. Angst, dass ihre Waren verderben, muss sie zum Glück nicht haben, aber ihr Gesicht hat schon eine gesunde Gesichtsfarbe: „Naja, es ist schon ziemlich kalt heute, aber wie können wir uns über das Wetter beschweren? Wir können doch froh sein, dass die Sonne scheint.“ Dem kalten Wetter etwas Positives abgewinnen kann ja bekanntlich auch von innen heraus erwärmen. „Ansonsten mache ich mir warme Gedanken und hoffe auf gute Geschäfte“, lacht die sympathische Dame. Heute sei es für sie auch schwer, der Kälte zu trotzen. Kein Wunder, denn ihr Stand hat lediglich eine Überdachung und Seitenteile. Von vorne allerdings bläst ihr der raue Wind gnadenlos ins Gesicht. „Ich bin ja eigentlich nicht ganz so empfindlich, aber heute – das ist schon sportlich“, lacht sie.

Thomas Burkhart verkauft frische Eier und Geflügel. Er hat auch schon kältere Tage erlebt: „Wir hatten vor rund zehn Jahren mal 18 Grad Kälte, da ist das Wetter heute noch angenehm, und es scheint dazu ja auch die Sonne.“ Seine Eier hat er in Kartons gelassen, damit sie nicht einfrieren. „Die meisten Kunden wissen ja, was sie wollen und müssen nicht allzu lange aussuchen, und bei meinem Geflügel ist es ja gar kein Problem. Das liegt jetzt halt schön kühl“, lacht er.

An seinem Stand herrscht Hochbetrieb, und die Geschäfte liefen außerordentlich gut laut eigener Aussage: „Kein Grund zum klagen – im Gegenteil.“ Gegen die Kälte hilft anziehen nach der Zwiebelmethode: „Immer Schicht für Schicht – ausziehen kann man sich ja immer“, lacht er. Zudem hat er in seinem Wagen eine Heizung eingebaut. „Das hilft dann schon immens.“ „Und wenn man viel zu tun hat, kommt man auch eher ins Schwitzen.“

Marktmeister Victor Crichton gibt auch an, dass über 60 Prozent aller Marktbeschicker gestern zu Hause geblieben sind. „Die haben sich natürlich vorher alle ordnungsgemäß abgemeldet. Das ist zwar schade für den Markt, aber böse kann man ihnen bei diesen Temperaturen natürlich nicht sein“.

Nicht abgemeldet haben sich indes die Kunden. Die blieben einfach so fern. „Die Besucherzahl heute war sehr gering, selbst in der Mittagspause, wo sich viele aus den Büros in Richtung Markt bewegen, um eine Kleinigkeit einzukaufen oder aber einen Imbiss zu sich nehmen, war der Besuch nicht wirklich prickelnd. Aber es soll ja bald wieder wärmer werden.“

In der Nacht von Freitag auf Samstag soll auch wieder zehn bis zwölf Grad Minus werden, aber tagsüber nur um null Grad kalt. Dann wird es sicher auch wieder voll auf dem Hanauer Marktplatz.

Von Reinhard Paul

Bei den eisigen Temperaturen waren gestern nur wenige Anbieter auf dem Hanauer Wochenmarkt zugegen.
Auf dem Hanauer Wochenmarkt ist es derzeit frostig.
Wenig los am Markttag.

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