Zweitniedrigste Gebühren in Hessen

Hanaus Bürger sparen beim Abwasser

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In die Hanauer Gruppenkläranlage muss wohl investiert werden, damit der Phosphoreintrag in den Main weiter gesenkt wird. Ob deshalb auch die Abwassergebühren erhöht werden müssen, ist aber noch unklar.

Hanau - Hanaus Bürgerinnen und Bürger zahlen mit die geringsten Abwassergebühren in ganz Hessen. Das geht aus einer Studie hervor, die der Wohneigentümerverband Haus und Grund vom Institut der Deutschen Wirtschaft erstellen ließ.

Allerdings: Möglicherweise müssen die Abwassergebühren in Hanau in absehbarer Zeit wieder angehoben werden, denn die Gruppenkläranlage muss wohl ausgebaut werden.
„Darauf können wir stolz sein“, meint Stadtrat Thomas Morlock (parteilos): Im Ranking der 100 einwohnerstärksten deutschen Städte rangiert Hanau auf Rang sieben. Damit liege die Brüder-Grimm-Stadt nur einen Rang hinter Frankfurt und hessenweit auf Platz zwei. In der Liste landen Offenbach auf Platz 30, Gießen auf Platz 46, Kassel auf Platz 56, Wiesbaden auf Platz 62 und Darmstadt auf Platz 68.

Im Vergleich zu Frankfurt sei die Platzierung umso bemerkenswerter, so Morlock, da es in Hanau „deutlich weniger Gebührenzahler pro Kanalkilometer gibt“. So hat Frankfurt bei rund 750 000 Einwohnern ein rund 1600 Kilometer langes Kanalnetz; das ergibt knapp 469 Einwohner pro Kanalkilometer. Hanau weist bei fast 100 000 Einwohnern ein etwa 350 Kilometer langes Kanalnetz auf, das ergibt nur knapp 274 Einwohner pro Kanalkilometer.

Aus Sicht von Markus Henrich, Leiter des für die Abwasserentsorgung zuständigen städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS), ist bei dem Ranking allerdings zu beachten, dass es sich um eine „Modellrechnung“ handele. Dafür sei eine kleine Familie zu Grund gelegt, die in einem Einfamilienhaus auf einem relativ kleinen Grundstück wohne. Sicherlich müsse hier die Frage gestellt werden, wie repräsentativ dies sei. Aus Vergleichsgründen spreche aber nichts gegen das Verfahren.

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Andere Modellrechnungen hätten nach Henrichs Meinung noch deutlicher gezeigt, dass das Hanauer Gebührensystem mit separaten Gebühren für Schmutz- und Niederschlagswasser „auch sozial gerechter ist als die Kostenumlage ausschließlich nach dem Frischwasserbezug, wie sie derzeit noch in Frankfurt praktiziert wird“. Durch das in Hanau 2004 eingeführte Gebührensplitting bezahlten Menschen, die in einem Wohnblock oder Hochhaus wohnen, pro Einwohner geringere Gebühren als Einwohner in einem großen Haus auf einem entsprechend bemessenen Grundstück. In Frankfurt würden beide Einwohner, bei gleichem Frischwasserbezug, das gleiche bezahlen.

„Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber auch in Hanau“, schränkt Stadtrat Morlock ein. Aufgrund schärferer Anforderungen des Landes Hessen für alle Kläranlagen von Kommunen am Main muss das „bislang bereits sehr gut gereinigte Hanauer Abwasser“ künftig noch weiter behandelt werden, um die Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zu erfüllen. Gefordert wird eine Senkung der in den Main eingeleiteten Phosphormenge. Der bundesweite Überwachungswert beträgt 1 Milligramm pro Liter. Hanau hat sich schon 2015 bereit erklärt, im Ablauf des Klärwerks höchstens 0,8 Milligramm pro Liter einzuleiten. Dieser Überwachungswert soll nun durch die Anforderung des Landes noch einmal um die Hälfte sinken.

„Das wird nicht ohne größere Investitionen in das städtische Klärwerk zu leisten sein“, befürchtet Stadtrat Thomas Morlock. Inwieweit sich dies auf die Gebühren niederschlage, bleibe abzuwarten. Derzeit werde ausgelotet, wie sich das Land Hessen finanziell an der Aufrüstung der Klärwerkstechnik beteiligt. (did)

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