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Hat Hanau eine Wespenplage? - Naturschutzbund gibt Tipps gegen stechende Plagegeister

Derzeit sind im Hanauer Stadtgebiet zahlreiche Wespen unterwegs. Im August ist das Populationsmaximum erfahrungsgemäß erreicht. Danach sterben die Wespen.
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Derzeit sind im Hanauer Stadtgebiet zahlreiche Wespen unterwegs. Im August ist das Populationsmaximum erfahrungsgemäß erreicht. Danach sterben die Wespen.

Viele fühlen sich von Wespen gestört oder haben Angst vor ihnen. Insektenexperte Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund (NaBu) Hessen hat erklärt, wieso es zurzeit so viele der fliegenden Plagegeister gibt und was man tun kann.

Hanau – In vielen Teilen der Stadt sind derzeit schwarz-gelbe Plagegeister unterwegs: Wespen haben in diesem Jahr Hochkonjunktur. Essen im Freien ist anstrengend, eine Kaffeetafel unter freiem Himmel nicht unbedingt ein Vergnügen, denn es gibt reichlich fliegende Mitesser. Weshalb es gerade in diesem Jahr so viele Wespen gibt, hat dem HANAUER ANZEIGER der Insektenexperte Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund (NaBu) Hessen erklärt.

Der Lebenszyklus eines Wespenvolks wie der Gemeinen oder Deutschen Wespe, der in hiesigen Breiten am weitesten verbreiteten Wespenart, beginnt im April oder Mai, je nach Witterung. Die Königin erwacht aus ihrer Winterstarre und gründet ein neues Volk. Jede aufgewachte Königin beginnt ein kunstvolles Nest zu bauen, indem sie erste Waben aus zerkautem Holz fertigt, in die sie ersten Eier legt, erläuterte Langenhorst.

Larven der Wespen werden mit der Beute gefüttert

Larven werden mit der Beute – vor allem Fliegen, Spinnen, andere Hautflüglerarten, Raupen, Läusen, Heuschrecken und Baumschädlingen zur Proteinversorgung – gefüttert. Die Larven verpuppen sich, aus dem Kokon schlüpfen später die sterilen Weibchen, die Arbeiterinnen, die dann den Nestbau vorantreiben. Weil immer mehr Waben gebaut werden, aus denen dann Arbeiterinnen schlüpfen, muss sich die Königin immer weniger um den Nestbau kümmern.

Sie überlässt dann den Nestbau komplett den Arbeiterinnen und beschäftigt sich ausschließlich mit Eierlegen. „Je nach Wespenart wird zwischen Juni und August mit der Anzucht von Männchen und Königinnen begonnen, während die Produktion der Arbeiterinnen zum Erliegen kommt. So erreicht das Wespenvolk im August sein Populationsmaximum mit bis zu 10 000 Exemplaren“, stellt der Experte fest.

Danach beginnen die Wespen durch Nahrungsmangel und sinkende Temperaturen langsam zu sterben, bis Anfang September bis Mitte Oktober, je nach Art, alle Wespen gestorben sind. Auch die alte Königin und Gründungsmutter des Wespenvolkes stirbt in diesem Zeitraum.

Neue Jungköniginnen der Wespen gründen im Frühjahr ein neues Volk

Nach der Paarung suchen die neuen Jungköniginnen einen Unterschlupf in einer Ritze für den Winter, um im Frühjahr ein neues Volk zu gründen. „Ist das Wetter im Frühjahr allerdings feucht und kühl, dann können die Nester verpilzen, ergo werden nicht so viele Eier abgelegt und Larven großgezogen“, so der Experte.

In diesem Jahr seien allerdings die Voraussetzungen für eine rasante Vermehrung der Insekten sehr gut gewesen.

Gegen Mitte August sind Arbeiterinnen und Drohnen, die bis dahin als Nahrung für den Nachwuchs angeschleppt haben, von dieser Aufgabe entbunden. „Diese Wespen mögen Süßigkeiten in allen Formen und haben einen guten Geruchssinn“, weiß der Experte.

Da Wespen mit ihren Facettenaugen zwar bewegte Objekte sehr gut wahrnehmen können, bei stillstehenden Objekten – also auch sitzenden oder stehende Menschen – große Orientierungsschwierigkeiten haben, werden diese Objekte erst einmal umkreist und aus großer Nähe inspiziert, ob sie eine Gefahr darstellen. „Deshalb kommen Wespen zum Beispiel dem Kopf so nahe, sie prüfen, ob hier eine Gefahr droht“, berichtete Langenhorst.

Empfehlung im Umgang mit Wespen: Keine schnellen Bewegungen

Der Experte empfiehlt deshalb, keine schnellen Bewegungen zu machen, nach den Tieren schlagen oder anpusten, denn dieses empfinden die Wespen als Bedrohung und reagieren mit Abwehrmaßnahmen, sodass es zu Stichen kommen kann. Weiter empfiehlt Langenhorst immer einen Abstand vom Nest von zwei bis drei Metern zu halten, süße und fleischhaltige Nahrungsmittel abdecken, keine offenen Lebensmittel und Abfälle liegen lassen, süße Getränke mit dem Strohhalm trinken (besonders bei Dosen), Finger und Mundwinkel von Kindern sauber halten sowie Obst früh ernten und sammeln, damit die Wespen nicht durch Fallobst angezogen werden.

„Um die Wespen vom Tisch wegzuhalten, gibt es noch zwei einfache Methoden. Ich habe immer einen Wasserzerstäuber in Griffweite und sprühe das Wasser in Richtung der Wespen. Sie mögen keine Feuchtigkeit auf den Flügeln und verschwinden, allerdings muss man bei hartnäckigen Exemplaren das Prozedere möglicherweise wiederholen“, stellt Langenhorst im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER fest.

Ablenkung ist eine weitere Möglichkeit zum Umgang mit Wespen

Eine zweite Möglichkeit sei eine Ablenkungsfütterung, indem man mit genügend Abstand zum Tisch, zum Beispiel eine Schale mit zerdrückten Weintrauben oder süßem Fruchtsaft, aufstellt.

Langenhorst erinnert aber auch daran, dass durch das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich alle Tiere vor Zerstörung der Nester, Belästigung und Tötung der Tiere geschützt sind. Bestimmte Arten stehen unter besonderem Schutz, was durch die Bundesartenschutzverordnung geregelt wird. Der NaBu betont allerdings auch, ein Alarmzeichen sei die steigende Tendenz von Wespenarten, die in der Roten Liste erfasst sind.

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