Familientag rund um die Wildpferde auf Campo Pond

Im Herbst kommt Verstärkung

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Wild, aber doch auch zutraulich sind die Przewalski-Pferde auf Campo Pond. Revierförster Harald Fuhrländer vom Bundesforstbetrieb Schwarzenborn ist verantwortlich für das Artenschutzprojekt. 

Seit zehn Jahren sind Przewalski-Wildpferde auf Campo Pond am Ortsrand von Großauheim Zuhause. Das wird am Sonntag, 25. August gefeiert. 

Großauheim - Von 15 bis 18 Uhr werden dort Aktionen, Infos und Mitmach-Stationen rund um das Thema Wildpferde geboten.

Im September 2009 und Oktober 2010 kamen aus dem Zoo Nürnberg und dem Tierpark Hellabrunn München die ersten zehn Wildpferd-Stuten in das Naturschutzgebiet in Großauheim. Aktuell beweiden dort jedoch nur noch vier Wildpferde – drei Stuten und ein Hengst – die nährstoffarmen Sandböden mit der schützenswerten Vegetation.

„Die Herde muss dringend verstärkt werden, sonst nehmen Gras und Pappelaufwuchs hier überhand. Die Przewalskis sind sozusagen unsere Landschaftspfleger“, deutet Förster Harald Fuhrländer, der für Südhessen zuständige Revierleiter vom Bundesforstbetrieb Schwarzenborn, auf eine Fläche junger Pappelschösslinge. Die seien so schnell herangewachsen, dass in diesem Jahr ausnahmsweise nachgepflegt werden müsse.

Um der Verbuschung des Geländes zukünftig wieder auf natürliche Weise Herr zu werden, sollen schon bald weitere Przewalskis zur kleinen Hanauer Herde stoßen. Voraussichtlich im Herbst werden aus der Przewalski-Herde vom ehemaligen US-Übungsplatz „Hohe Warte“ bei Gießen der Hengst „Fury“ sowie drei weitere Stuten nach Campo Pond kommen.

Mit „Fury“ kehrt ein alter Bekannter nach Großauheim zurück. Der Hengst sorgte von Juli 2013 bis 2015 mit vier Fohlen für reichlich Nachwuchs auf Campo Pond. Doch die Zeiten sind vorbei. „Fury“ wurde inzwischen kastriert. Er kann also nicht nur keine Nachfahren mehr bekommen, er soll es auch nicht mehr, denn schließlich sind einige der auf Campo Pond lebenden Stuten seine Töchter.

Vor über zehn Jahren hatte sich Martin Schroth von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hanau gefragt, wie man das Campo-Pond-Areal mit seiner seltenen Vegetation aus Silbergrasfluren und vielen weiteren unter Naturschutz stehenden Pflanzen pflegen und erhalten könne. Eine Schafbeweidung, wie an anderer Stelle praktiziert, kam nicht in Frage. „Für das 60 Hektar große Areal, auf dem unsere Herde lebt, hätten wir zur dauerhaften Beweidung rund 750 Schafe benötigt,“ hat Fuhrländer überschlagen. Die Lösung war schließlich eine dauerhafte Beweidung durch die vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferde, die Teil des europäischen Zuchtprogramms EEP sind (siehe Kasten).

Das ehemalige US-Army-Trainingsgelände umfasst insgesamt 108 Hektar. Das Campo-Pond-Areal hat sich zu einem einzigartigen Biotop entwickelt – erst vor kurzem wurde dort die extrem seltene Italienische Schönschrecke entdeckt (wir berichteten).

Przewalski-Pferde sind unglaublich genügsam und extrem anpassungsfähig. Hitze macht ihnen ebenso wenig aus wie klirrende Kälte. Das sind sie aus ihrer Heimat, den Steppen der Inneren Mongolei gewohnt, wo ebenfalls extreme Temperaturunterschiede herrschen. Bis zu 42,5 Grad Celsius habe man an den drei Hitzetagen Ende Juli auf dem Campo-Pond-Areal gemessen, berichtet Förster Fuhrländer. Direkt über den Sandböden könne es leicht 60 Grad heiß werden, für die Wildpferde seien diese Temperaturen – im Gegensatz zu anderen Tieren – aber kein Problem.

Priska und Pepper, zwei ehemalige Mitglieder der Großauheimer Przewalski-Herde, werden derzeit auf ihre Auswilderung in der Mongolei vorbereitet. „Die Tiere sind aktuell im tschechischen Prag in Quarantäne. Sie werden demnächst in die Mongolei geflogen“, weiß Förster Fuhrländer.

Der auf Campo Pond lebende Junghengst Pawel soll – wegen seiner genetischen Nähe zu seinen ebenfalls auf Campo Pond lebenden Schwestern – demnächst kastriert werden. Dann aber müsse ein neuer Hengst her, denn auf Campo Pond soll es wieder Przewalski-Nachwuchs geben, sagt Fuhrländer. Insgesamt könnten auf Campo Pond „zehn, elf Pferde locker leben“.

Um die medizinische Versorgung der Großauheimer Pferde kümmern sich Tierärzte des Zoos Frankfurt. Förster Fuhrländer selbst ist neben Campo Pond unter anderem auch für die Przewalski-Reservate in Münster bei Dieburg, auf dem Flugplatz Babenhausen und in Schweinheim bei Aschaffenburg zuständig.

Von Holger Hackendahl

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