Puppen- und Spielzeugmuseum besucht mit seinen Exponaten ein Pflegeheim

Autos zwischen Kuchentellern

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Vor allem das bewegliche Blechspielzeug stieß beim Ortstermin des Puppen- und Spielzeugmuseums auf besonderes Interesse bei den Senioren. Das Projekt soll fortgesetzt werden.

Hanau - Wie und womit spielte man früher? Darum ging es im Wohnstift Hanau an der Lortzingstraße. Das Puppen- und Spielzeugmuseum Wilhelmsbad war dort mit einigen Exponaten zu Gast - und lieferte Anregungen für Gespräche. Ein Projekt, das ausgedehnt werden soll. Von Dieter Kögel 

Nahezu alle Tische im großen Saal des Wohnstifts waren besetzt, als Joachim Wiebel vom Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum Koffer und Kisten öffnete, zum Teil über 80 Jahre altes Spielzeug auspackte und demonstrierte. Sehr zur Freude von Bewohnern, Betreuern und Gästen, die auf die Veranstaltung neugierig geworden waren. Gesine Krotz, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Museum und im Vorstand des Vereins „vereint helfen,“ der sich der Förderung von Menschen in Pflegeheimen verschrieben hat, war auf die Idee gekommen, Teile der neuen Dauerausstellung aus dem Museum in Pflegeeinrichtungen zu bringen - sozusagen als Zündfunke für neuen Gesprächsstoff. Denn viele der Bewohner konnten in jungen Jahren sicher das eine oder andere Spielzeugmodell, das nun über die Tische rollte, rasselte oder hüpfte, zu ihrem Spielzeugschatz zählen. Wie die „Penny-Toys“ aus den 30-er Jahren. Einfach-Spielsachen zu einem Preis, der Spielzeug auch für weniger gut Betuchte erschwinglich gemacht hat. Die Hingucker waren indes die Blechspielsachen mit Aufziehmotoren. Autos flitzten über die Tische, das Kettenkarussell drehte sich, bunte Blechvögel hüpften auf ihren Metallfüßen zwischen Kuchentellern und Wassergläsern umher. Nur die Dampfwalze, die musste auf dem Fußboden fahren. Und der alte Brummkreisel war auf ebener Erde besser aufgehoben als auf dem Tisch. Denn nicht jedes Spielzeug hatte eine Technik wie der „Luna,“ bei dem ein Kunststoffteil vor dem Bug die Tischkante erspürte und das Gefährt zum Umlenken brachte. Kleine Raritäten, die aber nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben.

Es war „eine Art Probelauf“, so Joachim Wiebel. Denn dass Teile des Spielzeugmuseums immer mal auf Reisen gehen, besonders in Senioreneinrichtungen, das erscheint wünschenswert. Vielleicht auch, um die eine oder andere persönliche Geschichte rund um ein Spielzeug zu sammeln. Dazu war der Kreis bei der Premiere etwas zu groß. Eine erste Erfahrung für die Organisatoren. Eine Teilnehmerzahl von um die 10 sei wünschenswert, sagte Joachim Wiebel, der sich vorstellen kann, solche Spiele-nachmittage außerhalb des Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseums als festen Bestandteil in den Service des Museums aufzunehmen. Neben der Eigenwerbung könne das ja auch positive Auswirkungen auf die Museumsfinanzen haben...

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