Ausstellung „Der Wald des Leopoldo Richter“ bringt im Museum Licht ins Dunkel um Großauheimer Künstler

Hier fast unbekannt, in Südamerika berühmt

Der Künstler in seinem Auto.
+
Der Künstler in seinem Auto.

Großauheim – Unter dem Titel „Der Wald des Leopoldo Richter“ werden im Museum Großauheim ab 19. September erstmals Werke des Abenteurers, Wissenschaftlers und Künstlers in seinem Geburtsort gezeigt. Leopoldo Richter (1896 in Großauheim geboren, 1984 in Bogotá gestorben) wanderte zwischen den Weltkriegen nach Südamerika aus und wurde dort als Entomologe Experte für bestimmte Dschungelinsekten und -gebiete.

Während seiner teils monatelangen Expeditionen in den Amazonas beobachtete, bestimmte und zeichnete er erstmals eine Reihe Insekten und verdiente sich bald das Vertrauen der indigenen Bevölkerung. Schließlich wandte sich Richter mehr und mehr der Keramik und Malerei zu und schuf ein facettenreiches künstlerisches Werk, über das spannende Verhältnis zwischen Mensch und (Ur-)Wald, von dem die Ausstellung einen Eindruck gibt. In Kolumbien gilt Richter als bekannter Wissenschaftler und berühmter Künstler, während man ihn bis vor Kurzem in seiner Geburtsstadt und Umgebung nicht kannte. Das soll sich mit der Exposition ändern.

„Gleichzeitig handelt es sich um eine sehr persönliche Ausstellung, da sie zu großen Teilen auf den Werken aus einer Schenkung aus dem Erbe von Adelheid Stocker, einer Schweizer Freundin und Geliebten des Künstlers basiert“, erklärt Kurator und Kulturwissenschaftler Peter Szillat, Mitglied des Großauheimer Geschichtsvereins, der inzwischen seit einigen Jahren in Berlin lebt beim persönlichen Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn man so will, verdanken wir diese Sammlung der Liebesbeziehung zwischen Leopoldo Richter und Heidi – wie er sie nannte – sowie natürlich dem Schenker Tony Schneider, Patensohn Stockers, und Heribert Offermanns, der die Entdeckung Richters für Großauheim ins Rollen brachte“, ergänzt Museumsleiterin Beate Hofmann (siehe Beitrag auf nebenstehender Seite).

Die Ausstellung will zum einen den Künstler und Maler bekanntmachen, zum anderen den Keramiker – diese Werke stellt sein Enkel Hans Richter zur Verfügung – zeigen und auch den Abenteurer und Entomologen vorstellen. „Über 150 Bilder – von Zeichnungen, über Aquarelle, Ölkreide-Werken und Lithografien sowie drei dicke Skizzenbücher gehören zur Schenkung“, berichtet Kurator Szillat. Wobei das Besondere dieser Sammlung auch das große Konvolut weiblicher Aktzeichnungen sei, die zum Teil erotischen Darstellungen von Richters Geliebter Heidi Stocker, die er ihr widmete und schenkte. „Diese Bilder hat er wohl nur für sie gemalt. Sie waren sicherlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht“, meint der Kulturwissenschaftler. Wenn er ansonsten Nacktheit darstelle, wie bei den Indigenen im Amazonas, wirke die Nacktheit einfach nur natürlich, ohne einen Hauch von Erotik. Richter habe diese Völker immer mit Distanz und Respekt gemalt, auf Augenhöhe.

Infos

Die Ausstellung ist vom

19. September bis 6. Juni im Museum Großauheim, Pfortenwingert 4, zu sehen. Öffnungszeiten sind samstags und sonntags von 11 bis

17 Uhr. Von Dienstag bis Freitag können Termine für Gruppen und Führungen unter z 06181 2951799 gebucht werden.

Von Andrea Pauly

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare