Hildegard Knef

Von vielen geachtet, aber nicht geliebt

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Hildegard Knef

Hanau - Sie war ganz oben und ganz unten, kämpfte mit Zweifeln, Krankheit, Geldsorgen, war zerrissen und getrieben: Hildegard Knef. Von Christian Spindler

Der Schauspielerin, Autorin und Sängerin, die als deutscher Weltstar geachtet, aber auch angefeindet war, ist ein „musikalisch-seelisches Porträt“ gewidmet, das Benjamin Baumann („Non(n)sense“, „Evita“) inszeniert hat und das nun im Wilhelmsbader Comoedienhaus eine viel beklatschte Premiere feierte.

Der Kunstgriff von Autor James Edward Lyons, dessen Zwei-Personen-Stück vor zehn Jahren in Bielefeld uraufgeführt wurde: Er lässt die alternde, wieder erfolgreiche, aber durch Krankheit und private Probleme zermürbte Knef (Petra Mathein) in ihre Vergangenheit blicken und der jungen, strahlenden Hilde (Simone Kerchner) begegnen. In Einzelauftritten, in Dialogen und Duetten leuchten Facetten eines schillernden Lebens auf: Die Kindheit im Krieg, die erste Engagements in den 40-er Jahren, die ersten frustrierenden Erfahrungen in Hollywood, der Skandal um eine Nacktszene im Film „Die Sünderin“, die zweite Karriere als Sängerin, die dritte als Autorin („Der geschenkte Gaul“), Krankheit, Ehe- und Geldprobleme. Dabei wechseln Personen und Ebenen, dass es im ersten Teil bisweilen verwirrend ist und arg bruchstückhaft bleibt. In der zweiten Hälfte indes entsteht ein dichte Atmosphäre, zieht einen eine große schauspielerische Intensität in den Bann. Dann bekommt man Einblicke ins Seelenleben der Knef, die 2002 gestorben ist. In ihre Ängste und Zweifel, in ihr oft unerfülltes Suchen nach Liebe, in die Erfolge, die ihr Schutz waren, in ihre Rastlosigkeit und in ihr Suchen.

Regisseur Benjamin Baumann lässt in dieser Eigenproduktion des städtischen Fachbereichs Kultur die beiden Darstellerinnen auf fast leerer Bühne agieren, lediglich mit und auf einigen Würfeln, bisweilen vor einer Lichtleiste. Das ist ein Wagnis und verlangt Mathein und Kerchner viel ab. Doch die beiden, die eine nicht leichte Textfülle zu bewältigen haben, meistern das mit Bravour. Es entsteht zunehmend eine Nähe und Intensität, die einiges vom Mythos Knef erklärt, ohne an ihm zu kratzen. Mit viel Einfühlungsvermögen nähern sich Mathein und Kerchner einer großen Künstlerin, die vom Publikum aber allenfalls geachtet, aber nie geliebt wurde.

Besonders bleibt bei der Collage aus rund 30 Chansons und vielen Texten der Knef die beklemmende Szene haften, in der die Knef mit ihrer Krankheit konfrontiert wird und außerdem ein wirklich berührendes Lied der kleinen Hilde.

Weitere Aufführungen folgen heute und am Sonntag um 19.30 Uhr, am 23. und 24. Februar sowie am 4. und 5. April.

Mathein und Kerchner zeigen viel vom Wesen dieser Diva, die sie verkörpern, ohne sie zu imitieren. Es sind vielmehr hier ein Gesichtsausdruck, da eine Geste, dort die Diktion, die für Hildegard-Knef-Deja-vus sorgen - und beeindrucken. Die Hanauer Inszenierung von „Knef - Für mich soll´s rote Rosen regnen“ - das geschieht übrigens tatsächlich und das ganz ohne Kitsch - ist das sehenswerte Porträt einer außergewöhnlichen Künstlerin, die nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrem Inneren viel mehr zu tragen hatte als in ein normales Leben passt.

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