Kinderbetreuung

Höhere Gehälter für Erzieher: Im Konkurrenzkampf um Fachkräfte startet Hanau Einstellungsoffensive

Zur guten Ausstattung von Kitas gehören nicht nur volle Spielkisten, sondern vor allem genügend qualifizierte Personal. Hanau plant eine Erzieheroffensive.
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Zur guten Ausstattung von Kitas gehören nicht nur volle Spielkisten, sondern vor allem genügend qualifizierte Personal. Hanau plant eine Erzieheroffensive.

Hanau möchte einen neuen Weg gehen, um dem Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung entgegenzuwirken. Oberbürgermeister Claus Kaminksy nennt dies „Erzieher*innen-Einstellungsoffensive“.

Hanau – „Kitas zu bauen, ist nicht das Problem. Sie mit Leben zu füllen schon“, sagt Hanaus Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Dabei mangele es in der Brüder-Grimm-Stadt nicht an zu betreuenden Kindern, sehr wohl aber am entsprechend qualifizierten Personal. Dem will die Stadt Hanau nun mit einer breit angelegten „Erzieher*innen-Einstellungsoffensive“ begegnen. Ein Kernpunkt: Auch in Hanau sollen Erzieherinnen und Erzieher ab dem kommenden Monat mehr Gehalt bekommen.

Städte wie Frankfurt und Offenbach haben es bereits vorgemacht, zum 1. September zieht Hanau nach: Erzieherinnen und Erzieher, die bislang nach der Entgeltgruppe 8a bezahlt wurden, rücken in die Entgeltgruppe 8b TVöD auf. „Es handelt sich dabei um eine übertarifliche Zahlung, jedoch mit fester Eingruppierung in diese Gehaltsstufe“, erläutert Astrid Weiermann, Leiterin des Eigenbetriebs Hanau Kindergartenbetreuung die neue Gehaltsstruktur. Für Berufsanfänger bedeute das 62,89 Euro brutto mehr im Monat. Für erfahrene Kräfte fällt die Gehaltserhöhung deutlich größer aus – bis hin zu 452,73 brutto für Erzieherinnen und Erzieher mit 16 Jahren Berufserfahrung. Profitieren sollen aber nicht nur die Fachkräfte in den 28 städtischen Kindergärten, sondern auch die in den Einrichtungen der freien Träger, deren Betriebskosten die Stadt Hanau zu 80 Prozent übernimmt.

Hanau: Längerer Diskussionsprozess war der Einstellungsoffensive für die Kinderbetreuung vorausgegangen

Weiss-Thiel machte am Montag (24. August 2020) keinen Hehl daraus, dass diese Entscheidung, der ein längerer Diskussionsprozess vorausgegangen sei, dem wachsenden Konkurrenzkampf vieler Kommunen und freier Träger um qualifiziertes Personal geschuldet ist. Der Bürgermeister verwies unter anderem auf eine aktuelle Prognos-Studie, wonach bis 2025 bundesweit 191 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen werden. Der deutsche Kita-Verband spricht sogar bereits in diesem Jahr von 100 000 fehlenden Fachkräften. Und laut aktuellen Zahlen der Agentur für Hanau sind allein in der Region derzeit rund 160 Stellen für Erzieherinnen und Erzieher unbesetzt.

Die anstehende Höhergruppierung koste den Eigenbetrieb 1,2 Millionen Euro allein für die städtischen Kitas, so Weiss-Thiel. Hinzu kommen die höheren Betriebskosten für die Einrichtungen der freien Träger. Ab dem 1. Januar 2021 bekämen zudem alle städtischen Beschäftigten ein Jobticket angeboten.

Stadt Hanau reagiert mit der Einstellungsoffensive für die Kinderbetreuung auf einen wachsenden Bedarf

Mit ihrer Einstellungsoffensive reagiert die Stadt Hanau auch auf den wachsenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen. Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums plant die Stadt Hanau bis 2025 die Schaffung von rund 600 weiteren Kitaplätzen und will gut 100 zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher einstellen. Für Neubau und Erweiterung von Kitas sind 34,7 Millionen Euro in der Hanauer Finanzplanung bereits vorgesehen.

Mit der Höhergruppierung einhergehen soll eine breit angelegte Kampagne, mit der die Stadt Hanau für den Erzieherinnenberuf allgemein, aber natürlich auch für sich selbst als Arbeitgeber werben möchte. Unter dem Motto „Hanau steht ein für Familien und Kinder / Hanau stellt ein für Kita und Betreuung“ werde sich die Brüder-Grimm-Stadt als zukunftsorientierter Ort für Kinder und Familien sowie für Erziehungspersonal profilieren, kündigte Weiss-Thiel an.

„Mit der Kampagne, der übertariflichen Bezahlung und weiteren Zusatzleistungen, dem geplanten Jobticket und der praxisintegrierten Ausbildung am Sozialpädagogischen Ausbildungszentrum der Eugen-Kaiser-Schule, das ständig neue Erzieherinnen und Erzieher ausbildet, fühlen wir uns im Konkurrenzkampf um qualifiziertes Personal gut gerüstet“, so Hanaus Sozialdezernent.

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