Mit dem ADFC unterwegs: Radexperten benennen Schwachstellen

Holperstrecke zum Hanauer Hauptbahnhof

Auf der Ruckelpiste Richtung Hauptbahnhof unterwegs: Ulrich Klee, Vorsitzender des ADFC Main-Kinzig, und dessen Pressesprecher Jörg Brauns (rechts).
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Auf der Ruckelpiste Richtung Hauptbahnhof unterwegs: Ulrich Klee, Vorsitzender des ADFC Main-Kinzig, und dessen Pressesprecher Jörg Brauns (rechts).

Es passt irgendwie, als beim Termin mit Ulrich Klee, Vorsitzender des ADFC Main-Kinzig, und dessen Pressesprecher Jörg Brauns just zwei Radler vorbeifahren, die zwei große Werbebanner für Firmen hinterherziehen. Auch so etwas gehört zum Fahrradboom, der seit Beginn der Corona-Pandemie zu verzeichnen ist. Die Branche wächst im Raketentempo. Laut Managermagazin stiegen die Verkaufszahlen neuer Fahrräder 2020 um 61 Prozent.

Hanau - Einschließlich Zubehör schätzt der Branchenverband der Zweirad-Industrie den Umsatz der Radbranche in Deutschland auf zehn Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie vor zwei Jahren. „Gefühlt“, das sagt Ulrich Klee, „sind mehr Leute aufs Fahrrad umgestiegen.“ Auch im Alltag. Umso mehr richtet sich der Blick auf den Zustand von Radwegen und Verbindungen. Hier haben die hiesigen ADFC-Experten Defizite ausgemacht. Auf Einladung unserer Zeitung haben sie einige neuralgische Punkte zusammengestellt und mit uns angefahren. Unter anderem im Fokus: Die Verbindungen vom und zum Hauptbahnhof. „Da brauchen wir jetzt Lösungen“, so Klee.

Beispiel Verbindung City–Hauptbahnhof: „An sich ist das eine tolle Verbindung“, meint Klee. Schwachstelle der Strecke von Marktplatz über Ludwig-Geißler-Schule Richtung Bahnhof: Sie endet in der Güterbahnhofstraße auf holprigem Kopfsteinpflaster. Die 170 Meter lange Rüttelstrecke gehört endlich mit einem neuen Belag entschärft, fordert der ADFC.

Die Hanauer Fahrrad-Lobbyisten begrüßen im Übrigen, dass am Hauptbahnhof endlich Bahnsteige und Zugänge erneuert werden. Ihr Kritikpunkt: Sie hätten sich Rampen gewünscht, über die man Räder zu und von den Bahnsteigen rauf- beziehungsweise runterschieben kann. Die jetzt eingebauten Aufzüge seien „erfahrungsgemäß zu oft defekt“, sagt Jörg Brauns.

Wie breit die Rampe zur Steinheimer Brücke werden soll, hat der ADFC mit Stangen markiert.

Beispiel Radstrecke Steinheim–Hanau: Die von Radlern und Fußgängern gemeinsam genutzte Rampe von der Uferstraße zur Steinheimer Brücke ist ein seit Langem kritisierter Schwachpunkt auf der Verbindung vom Stadtteil zur Innenstadt. Der steile Weg ist zu schmal und deswegen gefährlich, sagen die ADFC-Vertreter Klee und Brauns. Ihre Forderung: dringend verbreitern. Und auch auf der Hanauer Seite der Brücke „muss an der Auf- beziehungsweise Abfahrt die Haarnadelkurve entschärft werden“, sagt Klee. Eine Verbreiterung sei dort möglich.

Beispiel Verbindung Mittelbuchen–Hanau: Es habe Jahre gedauert, bis ein guter Radweg zwischen Mittelbuchen und Wilhelmsbad geschaffen worden sei. Den gibt es  zwar mittlerweile, loben auch die ADFC-Vertreter. Sie fordern allerdings: Im weiteren Verlauf müsse die „schwierige Querung“ der Bruchköbeler Landstraße hinter der Ameliastraße entschärft werden.

Auch die Radwegeführung am Kreisel Ehrensäule (hier die Dettinger Straße) wird vom ADFC kritisiert.

Beispiel Ehrensäule: Aus Richtung Innenstadt endet der Radweg vor der Ehrensäule, kritisieren die ADFC-Vertreter. Und: An der Einfahrt von der Dettinger Straße sollte das Kopfsteinpflaster beseitigt werden.

Beispiel Philippsruher Allee: Dort hatte der ADFC vor eineinhalb Jahren einen geschützten Fahrradstreifen zwischen Kinzigbrücke und Konrad-Adenauer-Straße angelegt – damals ein Provisorium zu Testzwecken. Der Schutzstreifen sollte dauerhaft kommen, meint der ADFC-Vorsitzende. Und im weiteren Verlauf Richtung Westbahnhof sei es geboten, die zum Teil nur 1,30 Meter schmalen Radstreifen zu verbreitern. Klee: „Das ist dort gut machbar“.

Beispiel Verbindung Rochusplatz über Benzstraße zum Hauptbahnhof: „Grundsätzlich sollte man alle Bereiche, in denen Autos schnell fahren, ins Auge fassen, um Verbesserungen für Radler herbeizuführen“, so Klee. Das betreffe auch den Bereich an der Benzstraße, wo es schnellen Autoverkehr, aber nur einen schmalen Schutzstreifen für Radler gebe.

Eine vergleichsweise aufwendige Maßnahme wären außerdem breite Radwege beiderseits der L3309 in Großauheim, die der ADFC als wünschenswert erachtet.

Fahrradparkplatz? Fortsetzung wäre wünschenswert

Bislang hat Hanau im ADFC-Fahrradklimatest von den Radlern alles andere als berauschende Noten bekommen. Nach 4,1 im Jahr 2018 lag die Bewertung für die Brüder-Grimm-Stadt im vorigen Jahr bei 4,0. Damit rangiert Hanau im Mittelfeld vergleichbarer Städte. Auffällig: Während unter anderem die hiesigen Diebstahlzahlen die Bewertung gedrückt haben, so Jörg Brauns, gibt es für die Werbemaßnahmen, die die Stadt fürs Radeln ergriffen hat, mit 2,9 überdurchschnittlich gute Noten. Und auch der bewachte Fahrradparkplatz, den es zeitweise an der Langstraße gegeben hat, wird vom ADFC gelobt. Eine Fortsetzung sei wünschenswert.

Dass der große Wurf mit einem Fahrradparkhaus am Frankfurter Tor nicht realisiert wird (wir berichteten), darüber ist man beim Fahrradclub gar nicht so traurig. Der Standort sei nicht zentral genug. Stattdessen wird bekanntlich an der Langstraße (ehemals „Woll Rödel“-Parkplatz) ein Fahrradabstellplatz angelegt (siehe Kasten). Auch das soll dazu beitragen, Radeln attraktiver zu machen. Denn immerhin 38 Prozent der Hanauer sind laut Klee ausschließlich mit dem Auto unterwegs. Damit gebe es in der Brüder-Grimm-Stadt „relativ viel Autoverkehr“. In den nächsten 15 Jahren sind in Hanau laut Stadt für Radverkehrsmaßnahmen 15 Millionen Euro vorgesehen, ein guter Teil davon finanziert über Fördergelder. (Von Christian Spindler)

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