Husarenkorps gibt den Startschuss

Hanau - 950 Jahre Kesselstadt: Jubiläumsnacht und Handwerkermarkt sind Höhepunkte im Festjahr

Mit einem Knaller geht es los. Und das im Wortsinne. Am 13. Februar wird das 1. Hanauer Husarenkorps vor Schloss Philippsruhe mit Böllern zu mitternächtlicher Stunde quasi die Startschüsse zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in Kesselstadt geben. Vor 950 Jahren, am 14. Februar 1059, wurde der kleine Ort erstmals urkundlich erwähnt. Von diesem Tag datieren Urkunden von König Heinrich IV., damals neun Jahre alt und später als historische Figur mit seinem Gang nach Canossa verbunden, und von Erzbischof Luitpold. Zusammen mit etliche anderen Dörfern wurde Kesselstadt vor 950 Jahren der Mainzer Kirche übertragen. Die Historie des heute 11 500 Einwohner zählenden Stadtteils reicht freilich viel weiter zurück: bis in die Römerzeit, wo an dieser Stelle ein bedeutendes Kastell stand; ein Umstand, dem Kesselstadt als Kastellstadt vermutlich seinen Namen verdankt.

Von einer Jubiläumsnacht über einen großen Handwerker- und Fischermarkt, Sonderpublikationen, einer Ausstellung bis zu einer Vortragsreihe reichen die Veranstaltungen, mit denen das Jubiläum begangen wird - in einem „Mix aus historischem Tiefgang und leichter Feierlichkeit“, wie OB Claus Kaminsky bei der Vorstellung des Programms formulierte.

Bei der Jubiläumsnacht am Freitag, 13. Februar, vor und in Schloss Philippsruhe gibt es ab 21.15 Uhr Livemusik, eine Schloss-Illumination, Führungen, Bilderpräsentationen sowie kulinarische Angebote. Schauspieler Rüdiger Schade („Evita“, Märchenfestspiele) wird in die Rolle des Pfarrers Jakob Rullmann (1807-1884) schlüpfen, eine der herausragenden geschichtlichen Persönlichkeiten Kesselstadts, und kurzweilige Einblicke in die Historie geben, ehe gegen Mitternacht feierlich die Ersterwähnungsurkunde verlesen wird.

In mehrfacher Hinsicht knüpft man mit den Veranstaltungen an Erfolgsmodelle an. Eine Jubiläumsnacht gab es vor sechs Jahren auch vor dem Goldschmiedehaus zur 700-Jahr-Feier der Hanauer Altstadt. Und mit dem zweiten Höhepunkt des Kesselstadt-Jubiläums, einem großen Handwerker- und Fischermarkt am 16. und 17. Mai, gibt es die zweite Auflage des Spektakels, das vor zwei Jahren an die Eingemeindung Kesselstadt nach Hanau vor 100 Jahren erinnerte.

Mit 200 Ständen bzw. Organisationen wird man bei dem Markt „fast so viele Aussteller aufbieten wie das Bürgerfest hat“, so Organisator Kurt Ortner. Und man rechnet mit einer mindestens ebenso großen Resonanz wie bei der Premiere 2007, als sich schätzungsweise 35 000 Besucher an den Ständen in der Kesselstädter Altstadt, am Schloss und am Mainufer tummelten.

Seit einigen Jahren bereitet eine 16-köpfige Lenkungsgruppe um den amtierenden Sprecher Peter Jüngling die Festivitäten vor. Für die Veranstaltungen in 2007 und nun zur 950-Jahr-Feier hat die Stadt insgesamt 100 000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Jubiläum im geschichtsträchtigen Stadtteil biete „die Chance für Hanau“, so OB Kaminsky, „ein Stück Erinnerungskultur deutlich werden zu lassen.“

Das soll auch durch eine Veranstaltungsreihe der Volkshochschule geschehen. Vorträge befassen sich ab Februar im Monatsrhythmus etwa mit der Römerzeit, mit Pfarrer Jakob Rullmann, der auch eine Kesselstadt-Chronik verfasst hat, mit der Mainfischerei und der Landwirtschaft im Kesselstadt des 16. bis 18. Jahrhunderts, aber auch mit der Industrialisierung und der Neuzeit.

Die reiche Geschichte des Ortes wird ferner in einer neuen Ausgabe der „Stadtzeit“ dokumentiert. Sechs Bände der Reihe zu Hanauer Geschichtsthemen sind bis dato erschienen. Die Ausgabe zum Kesselstadt-Jubiläum soll im Mai vorliegen. Sie wird laut Museenchef Richard Schaffer-Hartmann zugleich Ausstellungskatalog sein für eine Sonderschau in Schloss Philippsruhe, die am 30. August eröffnet wird. Zu den Exponaten wird die aufwendig gearbeitete Jugendstil-Schreibschatulle von Wilhelm Geibel gehören. Nachfahren stellen sie zur Verfügung. Geibel war der letzte Bürgermeister Kesselstadts vor der Eingemeindung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare