Mordprozess

„Ich habe ihm die Kehle aufgeschnitten“

Mit Messern aus der Küche auf das Opfer eingestochen. (Symbolbild)
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Mit Messern aus der Küche auf das Opfer eingestochen. (Symbolbild)

Auftakt im Großauheimer Mordprozess: 37-Jähriger hat Adoptivvater grausam getötet.

Hanau/Großauheim – Es ist eine riesige Blutlache, in der eine Streife der Polizei Großauheim Hubert M. (71) in der Wohnung am Harzweg entdeckt. Andreas M. , der mutmaßliche Täter, lässt sich widerstandslos festnehmen. Kurz vor der Zelle, in die der 37-Jährige gebracht werden soll, soll er einem Oberkommissar gesagt haben: „Das war schon richtig gruselig. Ich habe ihn gewürgt – und plötzlich stand er wieder hinter mir . . . Dann musste ich nachhelfen. “ Der Polizist fragt, ob M. dann mit den Messern zugestochen habe. „Er hat nur mit den Schultern gezuckt und ist meinen Blicken ausgewichen“, berichtet der Oberkommissar am Dienstag als Zeuge vor dem Hanauer Schwurgericht. Dort muss sich Andreas M. wegen Mordes verantworten.

Die grauenvollen Details nennt Staatsanwältin Lisa Pohlmann in der Anklageschrift. Am 13. Januar soll der 37-Jährige den Entschluss gefasst haben, seinen Adoptivvater zu töten. „Er schlug auf das wehrlose Opfer sofort mit der Faust ein und würgte den am Boden liegenden Mann.“ Als das Opfer wieder aufgestanden sei, habe der Angeklagte zwei Messer und einen Wetzstahl aus der Küche geholt und dem 71-Jährigen dreimal in den Rücken, dann in den Hals gestochen, so die Staatsanwältin, die darin Mord aus Hass und Heimtücke sieht. Ein Mord an einem Mann, der Andreas M. immer wieder unterstützt habe. Der Adoptivvater habe ihm finanziell geholfen und ihn wieder in seiner Wohnung aufgenommen.

Zum Tatgeschehen schweigt der Angeklagte. „Es ist zutreffend, dass er seinen Adoptivvater getötet hat. Er hat sich hilflos gefühlt – wie eine in die Ecke getriebene Ratte“, erklärt seine Verteidigerin. Die Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Susanne Wetzel wird prüfen müssen, was das Motiv war – und ob es Mord oder Totschlag gewesen ist.

Andreas M. hat sich offenbar noch am Tatort selbst schwer belastet. Das berichtet der 50-jährige Polizeioberkommissar A., der mit einem Kollegen als Erster vor Ort war. Eine Nachbarin hatte seltsame Geräusche aus der Wohnung über ihr bemerkt und die Wache angerufen. „Als wir geklingelt haben, hat uns der Angeklagte die Tür geöffnet, uns die Hände entgegengestreckt und gesagt, dass wir ihn gleich mitnehmen können. Dann haben wir den Toten im Wohnzimmer entdeckt.“

M. habe sogar ein vermeintliches Motiv geliefert: „Er hat mich heute enterbt, deshalb habe ich ihm die Kehle aufgeschnitten.“ Doch der Oberkommissar berichtet auch, dass Andreas M. völlig teilnahmslos gewirkt habe.

Nur durch den Anruf der Nachbarin ist es wohl der Polizei möglich gewesen, den mutmaßlichen Täter an Ort und Stelle zu verhaften. Da ist sich die Vorsitzende Richterin Susanne Wetzel sicher.

Dann berichtet der Angeklagte über seinen Lebensweg: Verkorkster Schulabschluss, abgebrochene Lehren, Drogen, Gelegenheitsjobs, gescheiterte Beziehungen, Pläne, bei der Fremdenlegion einzusteigen, schließlich die Obdachlosigkeit. Er habe in der Untersuchungshaft „keine Sorgen, ein Dach über dem Kopf und jeden Tag etwas zu essen“, sagt er. Dann nennt er seine persönliche, düstere Perspektive: „Ich habe jemanden ermordet ... das ist für mich das Ende der Fahnenstange.“

Der Prozess wird am 24. Juni fortgesetzt.

VON THORSTEN BECKER

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