Geschichte des Kampfs für Demokratie

Ilse Werder erzählt die Geschichte Hanaus

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Ilse Werder bei der Vorstellung ihres neuen Buches beim Hanauer Kulturverein.

Hanau - Die Autorin und Journalistin Ilse Werder hat ein Buch über die Geschichte Hanaus geschrieben. Es ist auch ein Buch über die Arbeiterbewegung geworden, die in Hanau traditionell stark war. Von Sebastian Schilling

In einer Zeit, in der antidemokratische Stimmen wieder Gehör finden, hofft Werder, einen Beitrag zur politischen Bildung zu leisten.
Ein von Arbeitern im Jahr 1893 errichteter Saalbau, ein stattliches Gebäude, ziert das Cover von Ilse Werders neuem Buch. Auf knapp 190 Seiten zeichnet die ehemalige Redakteurin der Frankfurter Rundschau Hanaus Geschichte der letzten 200 Jahre nach, mit besonderem Augenmerk auf die Geschichte der Hanauer Sozialdemokraten. „Neues von gestern – Frisches für morgen“ heißt das Werk, das Werder selbst als „Erzählbuch“ bezeichnet, mit dem sie über die Hanauer Geschichte aufklären möchte. Bewusst habe sie sich in Sprache und Stil von den geschichtswissenschaftlichen Werken über Hanaus Vergangenheit abgrenzen wollen. „Strenge wissenschaftliche Kriterien erhöhen nicht die Lust zu lesen bei Leuten, die sich einfach mal informieren wollen“, sagte die 93 Jahre alte Autorin bei der Vorstellung ihres neuen Buches.

Die Lust zu wecken, sich mit Hanaus Geschichte auseinanderzusetzen, ist Werder ein Anliegen, denn „wer die Geschichte nicht kennt, muss aus der Gegenwart die falschen Schlüsse ziehen“, so die Autorin, die seit 1951 SPD-Mitglied ist. Kein, Wunder, dass Werder besonders die Arbeiterbewegung am Herzen liegt, deren Entwicklung sie in ihrem Buch nachzeichnet. Hanau habe sich von einer Stadt des Handwerks und des Kleingewerbes zu einem bedeutenden Industriestandort entwickelt. Das habe auch zu abschreckenden Formen der Ausbeutung geführt – inklusive Kinderarbeit.

Dagegen regte sich Widerstand. Im 19. Jahrhundert entstand die Arbeiterbewegung, die für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Teilhabe an den Gewinnen eintrat – häufig unter Einsatz des eigenen Lebens. Dabei habe sich Hanau einen Ruf erarbeitet, der bis nach Berlin schallte. Sogar Bismarck habe sich abfällig über die Hanauer geäußert, weil die so kämpferisch gewesen seien, so Werder.

„Ich habe selbst Lust bekommen, ein Buch über die Hanauer Geschichte zu schreiben“, sagte der Politikwissenschaftler Professor Hans See, anlässlich der Buchvorstellung. Mit der Zeitzeugen-Haltung einer Journalistin habe Werder keine „Konflikte totgeschwiegen, aber auch keine alten Wunden aufgerissen“. Das sei bewundernswert, denn in der politischen Auseinandersetzung habe es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg viele, teils heftige Auseinandersetzungen gegeben. Weil sie die Geschichte Hanaus aber auch als Geschichte der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie erzählt, könne man das Buch auch als eine „politische Biografie von Ilse Werder“ verstehen.

Bilder: Unionsfeier in Hanau

Werder hat das Buch aus eigener Tasche finanziert, um unabhängig zu sein. Ein Risiko, wie sie selbst sagt. Sie hofft auf ein lebhaftes Echo auf ihre „Erzählchronik aus linksliberaler Perspektive“, wie es auf dem Umschlagtext heißt.

Denn die ehemalige Rundschau-Redakteurin sieht „eine große Gefahr für die Demokratie, angesichts dessen, was sich in Europa, Deutschland und Hanau entwickelt.“ Auch der derzeitige Zustand der Sozialdemokratie besorgt die Autorin. „Am meisten ärgert mich, dass in den Ortsvereinen keine politischen Diskussionen stattfinden.“ Auch wünscht sie sich einen stärkeren Einsatz ihrer Partei für Friedenspolitik und die politische Bildung. „Die Leute interessieren sich nicht mehr für das, was ihr Leben betrifft.“

Werder hofft, mit ihrem Buch dazu beitragen zu können, dass wieder mehr Menschen ein politisches Bewusstsein entwickeln, anstatt sich nur für „Krimis und Konsum“ zu interessieren. Erhältlich ist „Neues von Gestern, Frisches für morgen – Hanau, der weite Weg zu Recht und Freiheit“ in der Buchhandlung am Freiheitsplatz und in der Buchhandlung Dausien. Das Buch kostet 18 Euro.

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