Realistische Bedingungen

Im Brandhaus der Feuerwehr Hanau werden Einsätze in realistischen Szenarien geübt

Feuerwalze im Treppenhaus: Hier üben Wehrleute den Einsatz mit Atemschutzgeräten und schwerer Ausrüstung unter realistischen Bedingungen.
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Feuerwalze im Treppenhaus: Hier üben Wehrleute den Einsatz mit Atemschutzgeräten und schwerer Ausrüstung unter realistischen Bedingungen.

Wenn Christian Feik auf den Knopf drückt, dann schießt eine zwei Meter hohe Feuerfontäne in die Höhe. Oder eine Flammen- und Hitzewalze rollt im Treppenhaus hinab. Feik ist gewissermaßen der Herr über Feuer und Flamme. Zumindest im Brandhaus der Hanauer Feuerwehr, für das er zuständig ist.

Die Simulationsanlage ist so etwas wie das heiße Herz des Gefahrenabwehrzentrums im Stadtteil Lamboy. Brandschützer aus der ganzen Region üben dort – unter Bedingungen, wie sie realistischer kaum sein könnten.

Löscheinsätze unter schwerem Atemschutzgeräten und kompletter Schutzkleidung sind ein Knochenjob, das wird auch bei der Demonstration für unsere Zeitung vor Ort deutlich, bei der zwei Wehrmänner mehrere Schläuche ausrollen und im brennenden, hitzigen Treppenaufgang des Brandhauses im Wortsinne durchs Feuer müssen. Und das im Stockfinsteren.

Zusätzlich zu den Flammen kann künstlicher Rauch erzeugt werden, sodass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Denn auch das gehört zum Übungsszenario: „Sich allein auf hören, tasten und fühlen zu verlassen“, sagt Markus Doose, stellvertretender Leiter der Hanauer Feuerwehr, auch wenn beim Echteinsatz Lampen und Sichtgeräte verwendet werden. Geübt wird somit unter erschwerten Bedingungen.

Hanau: Übungen verlangen den Feuerwehrleuten alles ab

So unspektakulär das rote Brandhaus am Nordrand des Areals der Hauptfeuerwache ist – das Innere hat es in sich. Auf drei Etagen kann geübt werden. Unten ist eine stilisierte Küche aufgebaut mit Tisch, Stühlen und einem Herd. Im ersten Stock wird vor allem die Bergung einer hilflosen Person aus einer brennenden und verqualmten Wohnung geübt. „75 Kilo wiegt die eingesetzte Puppe“, erläutert Markus Doose.

Eine Küche, in der die Flammen hoch schießen – auch das gibt es in dem Übungsgebäude.

Sie bei Hitze, Qualm und Dunkelheit über eine Treppe ins Freie zu bringen, ist für die Zweier-Teams nicht nur Schweiß treibend. Die Situation ist auch psychisch für die Wehrleute eine Herausforderung. Denn immerhin an die 20 Minuten dauern die realistischen Atemschutzeinsätze im Brandhaus pro Durchgang. Bis zu vier folgen an Tag zwei der jeweils zweitägigen Kurse in dichter Folge. Die Ausbilder, die mit im Raum sind, müssen darauf achten, dass niemand überfordert wird“, sagt Doose.

Feuerwehren aus dem ganzen Kreisgebiet trainieren in Hanau

Neben Seminaren für eigene hauptamtliche Kräfte bietet die Hanauer Berufsfeuerwehr fünf der aufwenigen Übungen mit jeweils zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Jahr im Brandhaus an. Gebucht werden sie von den Freiwilligen Feuerwehren aus dem Main-Kinzig-Kreis. Die Simulationsanlage wird aber auch von externen Wehren genutzt; vor allem mit Darmstadt unterhält Hanau eine enge Kooperation bei der Ausbildung.

So unspektakulär das Brandhaus von außen ist – die Technik hat es in sich.

In Hessen gibt es neben einer Reihe von mobilen Übungsanlagen nur ganz wenige Brandhäuser, das es in Ausstattung und Technik mit dem in Hanau aufnehmen können, darunter eines in Kassel, ein anderes in Frankfurt. Mittlerweile sei die Anlage in Hanau „eine Erfolgsgeschichte“, sagt Doose. Der Anfang indes war durchaus holprig. 2012 ging das Brandhaus in Betrieb. Die Technik hatte aber reichlich Macken. Über Gasleitungen, die von einem externen Tank gespeist werden, können ferngesteuert an fünf verschiedene Stellen Flammen gezündet werden – von der Küche übers Treppenhaus bis zu einem Fenster und einer Zimmerdecke. Die Steuerung funktionierte aber lange nicht, wie sie sollte. „Es war kein verlässliches Arbeiten möglich“, erinnert sich Doose.

Brandhaus in Hanau wurde 2015 komplett erneuert

Die städtische Baugesellschaft, die das Gefahrenwehrzentrum errichtet hatte und der es auch gehört, musste eine jahrelange juristische Auseinandersetzung führen. Am Ende wurde die Anlage von einer anderen Firma komplett überarbeitet und erneuert. Folge: Das Brandhaus, das anfänglich 485 000 Euro gekostet hat, wurde um 242 000 Euro teurer.

Das ist Vergangenheit. Seit 2015 läuft alles reibungslos und das Brandhaus wird nicht nur zu den spektakulären Übungen mit Feuer, Rauch und sogar eingespieltem realistischem Ton genutzt. Freiwillige Wehren proben dort auch hin und wieder das Schlauch ausrollen und Wasserleitungen legen unter Realbedingungen. „Hier ist es nicht so schlimm, wenn mal was nass wird“, sagt Doose.

Das Gefahrenabwehrzentrum mit Hauptfeuerwache und Brandhaus besteht seit nunmehr zehn Jahren. Wann und wie der Geburtstag gefeiert wird, steht pandemiebedingt noch nicht fest.

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