Aus dem Gericht: Hohe Strafen gegen „Bunkerhalter“

Immens große Menge Crystal Meth in einer Garage in Hanau versteckt

Bunker in Garage 17: Hinter dieser Tür waren 27,5 Kilogramm Crystal Meth versteckt.
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Bunker in Garage 17: Hinter dieser Tür waren 27,5 Kilogramm Crystal Meth versteckt.

Zwei Drogendealer, die im Besitz der bisher größten und wohl gefährlichsten Menge an Rauschgift waren, die je in der Stadt sichergestellt wurde, müssen für lange Zeit hinter Gitter. Das Landgericht Hanau hat beide am Donnerstag zu jeweils sieben Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Es war das erste Gerichtsverfahren im EncroChat-Komplex, bei dem internationale Behörden den Drogenbanden durch abgehörte Gespräche über Crypto-Handys auf die Schliche gekommen sind (wir berichteten).

Hanau - Rückblende. Es ist der 5. März 2021, 14.43 Uhr: Zwei Männer verschwinden an der Elbestraße in einer Lagerhalle, in der normalerweise Lebensmittel aus dem Mittelmeeraum aufbewahrt werden. Wenig später schieben sie mit einem Hubwagen eine Palette zu einem Tiefkühllaster. Der Inhalt ist nicht sichtbar, die „Ware“ ist mit einer schwarzen Folie umwickelt. „Hier sind die beiden Männer gut zu erkennen“, sagt Dr. Sascha Rüppel, der Vorsitzende der 7. Großen Strafkammer am Hanauer Landgericht. Er meint Salvatore C. (50) und Bora Z. (25), die bei ihm im Gerichtssaal 216 auf der Anklagebank sitzen.

Drogen aus Garage in Hanau hatten Schwarzmarktwert von 2,5 Millionen Euro

Ihnen wirft Dr. Alexander Voigt von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt vor, 27,5 Kilogramm der Horror-Droge Chrystal Meth verpackt und dann von der Elbestraße in die Garage Nummer 17 am Kiefernweg transportiert zu haben. Schwarzmarktwert: und 2,5 Millionen Euro. Doch dieser kriminelle Profit wird niemals kassiert.

Denn die Bilder, die an diesem Tag im Gerichtssaal gezeigt werden, stammen aus einer Überwachungskamera der Drogenfahnder. Landeskriminalamt und Zollfahndung haben die beiden Hanauer schon länger im Verdacht, illegale Geschäfte zu treiben. Und so sehen sie wenig später auf der Aufzeichnung, dass sich der Kühllaster um 18.41 Uhr in Bewegung setzt – Ziel unbekannt.

Da es sich um eine hochgefährliche Fracht handeln könnte, setzen die Beamten alles daran, die Ladung aufzuspüren. Die Spur führt in den Tümpelgarten. „Wir hatten den Verdacht, dass es sich um einen sehr großen Deal handeln könnte“, sagt einer der Ermittler. Deshalb seien umgehend Durchsuchungs- und Haftbefehle beantragt worden. Die Zeit drängt, denn Chrystal Meth ist die wohl gefährlichste Droge auf dem illegalen Markt.

Fahnder waren in Windeseile zur Stelle

Doch in Windeseile schaffen es die Fahnder, die Garage zu finden. Darin liegt die Palette mit der schwarzen Folie. Darunter liegen mehrere Pakete. Im ersten sind Kennzeichenhalterungen einer namhaften Automarke verpackt. Die falsche Spur? Nur ein Bluff. Denn im zweiten Paket werden die Polizisten fündig – uns sie trauen ihren Augen nicht.„Ich mache den Job schon lange, aber eine solch große Menge habe ich noch nicht gesehen“, sagt der Fahnder.

Nicht nur die Polizei ist schnell. Auch das Hanauer Landgericht. So schafft es die 7. Strafkammer, innerhalb von nur zwei Verhandlungstagen diesen außergewöhnlichen Drogenfall zu klären.

„Es ist nicht nur eine außergewöhnlich große Menge an Drogen, es ist auch außergewöhnlich schnell, dass wir hier zu einem Urteil kommen“, sagt Rüppel. Und die beiden Angeklagten seien „außergewöhnlich gut“ durch ihre beiden Verteidiger beraten gewesen.

Ohne Geständnisse wären die Strafen deutlich höher ausgefallen

Denn beide haben nur kurz zuvor „reinen Tisch gemacht“ und alle Vorwürfe von Staatsanwalt Voigt eingeräumt. Sie hätten von Hintermännern den Auftrag erhalten, die Drogen zu bunkern und sich jeweils rund 10 000 Euro als „Lohn“ erhofft. „Herr Z. hatte die Kontakte, Herr C. die Logistik“, fasst der Vorsitzende die Vorgehensweise des Duos zusammen. Konspirativ hätten sie mit hoher krimineller Energie unter dem Deckmäntelchen eines Lebensmittelhandels gehandelt.

Und der Richter redet Klartext: Ohne Geständnisse wären es möglicherweise Haftstrafen im „zweistelligen Bereich“ geworden. Die Höhe der Strafe sein nur durch die „immens große Menge“ von Crystal Meth bedingt, „eine der schlimmsten Drogen, die es gibt“. Doch zum Glück sei verhindert worden, dass dieses Rauschgift in den Straßenverkauf gelangen konnte.

(Von Thorsten Becker)

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