Ärger mit Elterntaxis

Polizei in Hanau verteilt jetzt Knöllchen an Elterntaxis

Zeigen Elterntaxis die Rote Karte: Die erste Klasse von Jana Becke (rechts) sowie Klassensprecher und Eltern der Theodor-Heuss-Schule machen mit der Aktion auf die Hol-und-Bring-Zone aufmerksam.
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Zeigen Elterntaxis die Rote Karte: Die erste Klasse von Jana Becke (rechts) sowie Klassensprecher und Eltern der Theodor-Heuss-Schule machen mit der Aktion auf die Hol-und-Bring-Zone aufmerksam.

Täglich sorgen Elterntaxis für Verkehrschaos vor einer Hanauer Schule und gefährden die Kinder. Manche Eltern zeigen kaum Verständnis.

Hanau – Morgens, kurz vor 8 Uhr in Steinheim: Mit gelben Warnwesten stehen Vater und Tochter an der Einfahrt zum Jürgen-Sticher-Platz. Sie halten Rote Karten, Flyer und ein Schild in den Händen. Auf dem Schild steht: „Falsch geparkt! Lassen Sie Ihr Kind an der Hol- und Bringzone raus!“

Die Autofahrer zögern, auf den Platz vor der Theodor-Heuss-Schule (THS) einzubiegen. Fahren lieber weiter, einmal um die Schule herum. Aber auch am Hintereingang stehen Mütter. Also fahren sie noch weiter. Vielleicht finden sie den Weg in die Uferstraße. Dort können sie ihr Kind in der dafür eingerichteten Zone sicher aus- und einsteigen lassen. Denn Elterntaxis, die ihre Kinder bis vor das Schultor fahren, sorgen regelmäßig für gefährliche Situationen rund um die Grundschule.

Timo Röder ist Schulsozialarbeiter an der THS. Zwei Mal im Jahr organisiert er zusammen mit dem Elternbeirat und der Schulleitung Aktionstage zur Verkehrssicherheit. Doch das Problem mit den Elterntaxis hört nicht auf. Vor zwei Jahren wurde ein Junge vor der Schule angefahren, als er die Ampel überquert hat. Er musste ins Krankenhaus. Vor Kurzem wurde eine Lehrerin der Schule auf dem Zebrastreifen am Hintereingang von einem Auto erfasst. Sie musste das Auto mit der Hand von sich wegdrücken, um auf sich aufmerksam zu machen. „Wir wollen gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn es ein Kind und kein Erwachsener gewesen wäre“, sagt Jana Becke, stellvertretende Schulleiterin.

Elterntaxis in Hanau: Hol-und-Bring-Zonen an mehreren Schulen

Elterntaxis sind nicht nur in Steinheim ein bekanntes Problem. In Großauheim gibt es seit 2018 eine „Elternhaltestelle“, damit die Eltern ihre Kinder nicht mehr direkt bis zur August-Gaul-Schule vorfahren. Die Hol-und-Bring-Zonen sollen verhindern, dass es durch erhöhtes Verkehrsaufkommen zu gefährlichen Situationen vor und nach dem Unterricht kommt. Sie wurden bisher auch an der Lindenauschule in Großauheim, der Anne-Frank-Schule in der Freigerichtstraße und der Gebeschusschule im Lamboyviertel eingerichtet. Bei der Standortsuche für diese Zonen wird darauf geachtet, dass die Kinder nicht mehr als 400 Meter zur Schule zurücklegen und keine Straße überqueren müssen.

Bei der THS ist die Hol- und Bring-Zone in der Uferstraße. Trotzdem fahren weiterhin viele Eltern auf den Jürgen-Sticher-Platz, um ihre Kinder abzusetzen, oder halten teilweise quer auf dem Zebrastreifen hinter der Schule. Der Platz vor der Schule sei oft so voll, dass beim unübersichtlichen Vor- und Zurücksetzen der Autos ein Kind zwischen den Fahrzeugen schnell übersehen werden kann.

Deshalb steht am Montagmorgen ein Team aus Lehrern, Eltern und Kindern bereit, um den Eltern zu sagen, dass sie dort nicht halten dürfen. Auch nach Schulschluss sind sie wieder da. Besonders Eltern der neuen Erstklässler würden die Hol- und Bring-Zone noch nicht kennen, sagt Sule Durzut. Sie ist eine der Mütter und Väter, die sich für die Verkehrssicherheit an der Schule einsetzen.

Elterntaxis werden in Hanau von Kindern und Eltern in Westen abgeschreckt

An diesem Morgen fällt das Fazit gemischt aus: Es sei vergleichsweise ruhig gewesen, weil die meisten abgeschreckt durch die Warnwesten gar nicht erst auf den Platz abgebogen seien. Diejenigen, die es doch gemacht haben, hätten sich nur zu zwei Dritteln einsichtig gezeigt. Von der Hol-und-Bring-Zone wollen manche immer noch nichts gehört haben – trotz Elternbrief und regelmäßigen Aktionen. Schulsozialarbeiter Röder erzählt: „Ein Elternteil hat gesagt, dass es ja die Bringzone nutzen würde, wenn es denn mehr Zeit hätte.“ Sule Durzut hat dafür kein Verständnis: „Dann muss man eben fünf Minuten früher zu Hause losfahren.“ Oder das Kind geht zu Fuß zur Schule. Das hat viele Vorteile, wie die Deutsche Verkehrswacht aufzählt: Bewegung hält die Kinder fit, sie können sich besser konzentrieren und es ist umweltfreundlicher.

Wer in Zukunft auf dem Jürgen-Sticher-Platz hält, muss mit einem Knöllchen rechnen. Ab dem heutigen Dienstag verhängt die Polizei Strafzettel, wenn sie ein Elterntaxi erwischt. Drei Mal in dieser Woche haben sich die Beamten angekündigt, vor der Schule Präsenz zu zeigen. „Wir werden sehen, wie sich die Situation entwickelt“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Becke. Sie hofft, dass die Elterntaxis endlich weniger werden. (Theresa Ricke)

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