Industriestandort im Wandel

Hanau - Die Globalisierung mit ihrer weltweiten Verflechtung von Lieferketten ist „Segen und Fluch zugleich“ für die heimische Industrie, sagt Hartwig Rohde, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. Von Christian Spindler

Sie beschert ihr neue Absatzmärkte, zugleich haben aber Ereignisse in weit entfernten Teilen der Welt direkte Auswirkungen auf hiesige Unternehmen. Beispiel: Die jüngste Hochwasserkatastrophe in Thailand. Die dortigen Chip-Fabriken bezogen plötzlich weniger Silicium. Betroffen auch: Lieferanten aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis.

Hier ist der industrielle Sektor seit geraumer Zeit im Wandel. Immer mehr verzahnen sich Industrie- und Diensleistungsbetriebe. Im verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe sind kreisweit 39.000 Menschen in 1000 Betrieben beschäftigt; vor zehn Jahren waren es noch 46.000. „Das ist wesentlich auf statistische Umbuchungseffekte zurückzuführen“, sagt Rohde. Jobs, die zuvor dem produzierenden Sektor zugeordnet waren, rangieren nun im Dienstleistungsbereich. Viele produzierende Unternehmen entdecken unternehmensnahe Dienstleistungen als lukrativen Markt, andererseits wurden viele vormals zur Industrie zählende Bereiche wie Logistik, Marketing und Kundenservice ausgelagert. Die Industrie, die 2009 zu 28 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Kreises beitrug, ist nun nur noch der zweitwichtigste Arbeitgeber im Main-Kinzig-Kreis, hinter dem Dienstleistungssektor mit 44.000 Beschäftigten. Aber: „Unsere Industrie ist stark“, lautet das Fazit der aktuellen „Industriestudie“, die die örtliche IHK gestern vorgestellt hat.

Industrieller Sektor „grundsolide aufgestellt“

Dass die IHK den industriellen Sektor im Kreis als „grundsolide aufgestellt“ sieht, hänge auch damit zusammen, dass die Unternehmen innovative Produkte anbieten, so Rohde.

Der Wandel stellt freilich auch an die Beschäftigten höhere Anforderungen. Das produzierende Gewerbe benötigt immer mehr Fachkräfte mit hohem Wissen und guter beruflicher Bildung, hingegen werden Angelernte und Hilfskräfte immer weniger gebraucht. „Sie auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren“, so Rohde, „war früher einfacher.“

Um im verschärften weltweiten Wettbewerb zu bestehen, müsse ein Innovationsvorsprung gehalten werden, sagt Dr. Achim Knips, bei der IHK für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Wir müssen soviel besser sein, wie wie teurer sind.“

Von 1000 Industriebetrieben: 24 Prozent in Hanau angesiedelt

Von den 1000 Industriebetrieben im Kreis sind 24 Prozent in Hanau angesiedelt. Wichtigster Pluspunkt für den Standort Main-Kinzig auch in der Beurteilung der Unternehmen ist die exzellente Verkehrsanbindung. Um diesen Standortvorteil zu halten, sind nach Meinung der IHK freilich Investitionen notwendig. Zu den Forderungen der IHK gehören unter anderem der dreispurige Ausbau der A66 zwischen Langenselbolder Dreieck und Gründau, die Beseitigung des Engpasses auf der B 43a zur A 66 und der Bau der Bau der Nordmainischen S-Bahn.

Bei der jüngsten Trendstudie der IHK bescheinigen die Betriebe Hanau und dem Kreis übrigens auch, dass die Kommunalpolitik wirtschaftsfreundlicher geworden ist.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Karl-Heinz Laube

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