Bebauung des Westkarrees

Initialzündung fürs Quartier

+
Wo bisher die Blocks des Westkarrees standen, sollen in wenigen Monaten provisorische Parkplätze angelegt werden. 2014 wird das Gelände dann neu bebaut.

Hanau - Eine „geschichtsbewusste Stadtreparatur“ nennt OB Claus Kaminsky das, was in der südlichen Innenstadt begonnen wird. Ziel ist eine Aufwertung des Quartiers. Die Initialzündung soll die Neubebauung des Westkarrees liefern. Derzeit regieren dort die Abrissbagger. Von Christian Spindler

An der Hahnenstraße ist der erste Block des Karrees bereits gefallen. Die weiteren werden folgen, wenn auch mit einer gewissen zeitlichen Unwägbarkeit. Gegen drei Mieter, die nicht ausziehen wollen, laufen Räumungsklagen. Anfang Dezember wird vor Gericht weiter verhandelt (wir berichteten).

Während der Abbruch anläuft, wurde das Neubau-Projekt nun in einer Sitzung von vier Parlamentsausschüssen nochmals ausführlich vorgestellt. Nach dem Magistrat sollen die Stadtverordneten in zwei Wochen dem Kaufvertrag mit Investor Bouwfonds zustimmen. Eine breite Mehrheit gilt nach der Ausschusssitzung als sicher.

Falsch kalkuliert

1,8 Millionen Euro soll Bouwfonds der Stadt für das Grundstück zahlen. Den Abriss müssen die Stadt bzw. die Baugesellschaft erledigen lassen. 700.000 Euro soll er kosten. Das sind, wie unsere Zeitung vorab berichtete, 300.000 mehr als zunächst genannt, was Linken-Stadtverordnete Ulrike Hanstein zur kritischen Nachfrage veranlasste. Die erste Summe sei „nur eine Schnellschätzung gewesen“, so Martin Gutberlet, Leiter des Fachbereichs Grundstücke und Logistik. Stadtentwickler Martin Bieberle räumt ein: „Wir haben da falsch gelegen.“

Lesen Sie auch:

Teurer Abriss des Karrees

Ali K. will nicht weichen

Letzter Akt fürs Westkarree

„Auf Kosten aller Bürger“

Umbau ab dem Frühjahr in zwei Schritten

Entscheidung zum Westkarree

Ist das Westkarree-Projekt überhaupt ein akzeptables Geschäft für die Stadt? Darum drehte sich ein Gutteil der Ausführungen im Ausschuss, wo die Verwaltung ein halbes Dutzend Referenten aufgeboten hatte, um die Bedeutung zu untermauern.

Die Bodenrichtwertkarte nennt für das Quartier einen Quadratmeterpreis von 350 Euro. Bouwfonds zahlt freilich nur gut 240 Euro. Der „Richtwert ist eben nicht der Marktwert“, untermauerten der städtische Vertragsanwalt Dr. Olaf Otting, Grundstücksexperte Thomas Müller (Terramag), der Fachbereichsleiter Grundstücke und Stadtentwickler Bieberle.

Rund 150 Wohnungen sollen entstehen

Das Problem: Seit Jahrzehnten hat es keine Grundstücksgeschäfte in dem Quartier gegeben. Und das „Umfeld ist städtebaulich für den Verkauf von Eigentumswohnungen zunächst problematisch, sehr problematisch“, so OB Claus Kaminsky (SPD). Ohne „Wettbewerblichen Dialog“, bei dem vom Investor zugesagt werden musste, am Westkarree aktiv zu werden, hätte sich überhaupt niemand gefunden, der sich dort engagiert, so Bieberle. Insofern sei die Westkarree-Bebauung nichts, um für die Stadt groß Geld zu verdiene, sondern um eine Entwicklung im gesamten Quartier anzustoßen.

Rund 150 Wohnungen will Bouwfonds ab 2014 in drei Bauabschnitten errichten. Laut Vertrag müssen die weiteren Abschnitte spätestens 2017 bzw. 2020 erfolgen. Boufonds will aber alles früher realisieren - eine gute Nachfrage nach den Wohnungen vorausgesetzt.

Bebaut wird das Westkarree, dessen Bäume gefällt werden, mit Blocks entlang der Hahnen-, der Steinheimer, der Altstraße und der Französischen Allee. Die viergeschossigen Häuser werden höher als die bisherigen. Zudem ist im Karree-Innenbereich ein dreigeschossiger Flachdach-Bau vorgesehen.

Im Anschluss an des Westkarree-Projekt will, wie gemeldet, die städtische Baugesellschaft das Ostkarree abreißen und neu bebauen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare