„Innenstädte erleben eine Renaissance“

Hanau - Architekt und Stadtplaner Professor Kunibert Wachten hielt Vortrag beim Neujahrsempfang der IG Hanauer Altstadt

(dk) „Die Innenstädte bieten sehr viel.“ Aus diesem Grund ist es für Professor Kunibert Wachten, der den Wettbewerblichen Dialog zur Entwicklung der Hanauer Innenstadt als Beobachter begleitet, nur logisch, dass die Stadt Hanau im Rahmen des Verfahrens einen tiefgreifenden Interessenausgleich zwischen den Wünschen der Stadt und der möglichen Investoren anstrebt. Ein bislang „europaweit einmaliges Verfahren,“ das „beispielhaft für andere Städte“ sein könne, und schon jetzt auf „großes, bundesweites Interesse stößt,“ wie Wachten am Sonntag anlässlich des Neujahrsempfangs der Interessengemeinschaft Hanauer Altstadtbewohner (IGHA) vor über 100 Gästen ausführte.

Einzig die sinnvolle Verzahnung von Wohnen, Handel und Gewerbe und ein breit gefächertes Freizeit-, Unterhaltungs- und Kulturangebot halte die Innenstädte am Leben. Dabei, so Wachten, gebe es allerdings nie einen Schlusspunkt. Das Leben in Innenstädten sei ein fortwährender Prozess, dem ständig neu Rechnung getragen werden müsse. „In diesen Prozess muss man laufend investieren.“ Geschehe dies, so werde es in derart sich entwickelnden Innenstadtbereichen niemals längere Leerstände geben. Die prophezeite Professor Wachter den Neubausiedlungen an den Stadträndern, die mangels Versorgung und Infrastruktur vorwiegend in sozialer Hinsicht keine Zukunft hätten.

Innenstädte gerade wie die von Hanau hingegen hätten ihre ganz eigene Identität, ihr ganz eigenes Gesicht. Der Grundriss der Innenstadt sei gleichsam so etwas wie ein Fingerabdruck. Der werde bei der in Hanau zur Rede stehenden Entwicklungsachse vom Schlossplatz bis zur Wallonisch-Niederländischen Kirche besonders geprägt von Zeugnissen historischer Baukunst. Diese architektonischen Überlieferungen behutsam mit Neuem zu ergänzen - wobei sich das Neue am Alten zu orientieren habe - erscheint dem Architekten als aussichtsreicher Weg für die Gestaltung einer zukunftsfähigen, belebten und bewohnten Innenstadt. Und „die Renaissance der Innenstädte hat längst begonnen.“

Nicht zuletzt auch durch die Initiative der IGHA als Gastgeber des Neujahrsempfanges, die seit 2003 die Probleme der Hanauer Altstadt immer wieder in den Blickpunkt rückt, in der Diskussion hält und mit Veranstaltungen verschiedenster Art belebt - die IGHA als „Aktivposten in dieser Stadt,“ wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky in seiner Begrüßung betonte. Dort, wo sich die Verantwortlichen mit großer Entwicklungspolitik befassten, gehe zuweilen der Blick für „die kleineren Sorgen“ vergessen. Der „heimliche Bürgermeister der Hanauer Altstadt“ und IGHA-Vorsitzende, Werner Beyer, trage zusammen mit seinen Mitstreitern Sorge dafür, dass die Belange der Menschen in der Altstadt auch während des großen politischen Tagesgeschäftes Gehör fänden. „Der Verein ist Ausdruck einer aktiven Bürgergemeinschaft“, lobte auch Main-Kinzig-Landrat Erich Pipa.

Eine Mitstreiterin dieser Gemeinschaft wurde am Sonntag für ihren besonderen Einsatz im Dienst der Interessengemeinschaft vom Vorsitzenden Werner Beyer mit dem „Maitre de Secours“ geehrt. Die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck nahm Urkunde und Blumen für ihre Initiativen im Sinne der Altstadtbelebung entgegen. Unter anderem gehen die wechselnden Ausstellungen im Foyer des Congress Parks auf ihre Initiative zurück, mit denen das Quartier künstlerisch deutlich aufgewertet worden ist. „Ich nehme diese Auszeichnung stellvertretend für alle Bürger entgegen, die sich für den Erhalt der Altstadt engagieren,“ sagte Beate Funck in ihren Dankesworten. Denn nur durch die Mithilfe vieler sei es möglich geworden, die Altstadt wieder zu einem Ort zu machen, „an den man gerne geht, an dem man sich wohl fühlt.“

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