Kesselstädter „1-2-3 Markt“

Integrativer Supermarkt als Erfolgsmodell

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Juri Weiss arbeitet seit fünf Jahren im „1-2-3 Markt“ an der Burgallee. Das Auffüllen der Kühltheke mit Molkereiprodukten ist eine seiner Aufgaben.

Kesselstadt - Der „1-2-3 Markt“ in der Kesselstädter Burgallee 35 hat sich seit seiner Eröffnung vor knapp vier Jahren sowohl als geschätzter Nahversorger, als auch als Integrationsbetrieb bestens bewährt. Von Dieter Kögel 

Insgesamt 18 Mitarbeiter, darunter acht Menschen mit Beeinträchtigungen, kümmern sich freundlich um das Wohl der Kunden, helfen gerne weiter, packen an der Kasse auf Wunsch die Waren in Einkaufstaschen und bringen diese bei Bedarf sogar zum Auto. Ein „Markt mit Service“ also, dessen Geschichte eigentlich sogar bereits im Jahr 2000 mit der Eröffnung eines ähnlichen Geschäfts in Schlüchtern begann. Unter der Leitung der „Markt- und Servicegesellschaft mbH,“ einem Tochterunternehmen des Behindertenwerks Main-Kinzig, entstanden damals die ersten Arbeitsplätze in dieser Branche für Menschen mit Einschränkungen. Und das Projekt wuchs mit dem „Mobilen Supermarkt“, der im Ostkreis regelmäßig unterwegs ist und die Nahversorgung auch dort garantiert, wo entsprechende Geschäfte längst geschlossen worden sind. „Mittlerweile sind drei mobile Supermärkte im Einsatz“, sagt Dorothee Müller vom Behindertenwerk Main-Kinzig, so groß sei die Nachfrage gewesen. Bis nach Nidderau kommen die rollenden Supermärkte inzwischen. Und sie sind auch von gesellschaftlicher Bedeutung. Denn wenn die Versorger kommen, ist am Markt auch immer Zeit für einen Plausch, der früher in den Geschäften stattgefunden hat - in Geschäften wie eben dem „1-2-3 Markt“ in Kesselstadt.

Jasmin Ahmet ist an der Kasse den Kunden gerne behilflich beim Einpacken ihrer Waren.

Dort beginnt für Juri Weiss der Tag um 6.30 Uhr, erzählt er. Molkereiprodukte in Empfang nehmen und einsortieren, das gehört zu seinen Aufgaben. Frische Ware nach hinten, die mit kürzerer Ablaufzeit nach vorne, und dabei darauf achten, dass das Etikett nach vorne zeigt. Und, ganz wichtig: Die Kühlkette nicht unterbrechen. Juri Weiss, der in Kesselstadt ziemlich von Anfang an dabei ist, nachdem er zuvor in einer Behinderten-Werkstatt gearbeitet hatte, weiß, was er wie zu tun hat. Auch an der neuen Fischtheke, die er seit einigen Tagen zu betreuen hat.

Bernd Vondermaßen ist als Integrationsbegleiter regelmäßig vor Ort, gibt Hilfestellung wo nötig, schaut darauf, dass die Arbeitsabläufe so organisiert oder gestaltet werden, dass sie den Fähigkeiten der Mitarbeiter entsprechen. Es wird auf die Stärken geschaut, und die werden gefördert. Mit Aushängen an den schwarzen Brettern in den Werkstätten wird bekannt gemacht, wo welche Stellen frei sind. Auf die können sich interessierte Mitarbeiter bewerben, sie werden qualifiziert, absolvieren einen Schnuppertag und gehen dann in die Probezeit. Wer dabei merkt, dass die neue Tätigkeit doch nicht den eigenen Erwartungen entspricht, der kann jederzeit wieder zurück in den geschützten Werkstattbetrieb, sagt Dorothee Müller. Ein Weg, der allerdings nur selten gewählt wird. Denn auch durch die fachkundige Begleitung finden die Mitarbeiter in der Regel ihren Platz im neuen Betrieb. Gehandicapte und nicht-gehandicapte Mitarbeiter „sind hier längst zu einem Team geworden,“ freut sich Bernd Vondermaßen.

Tschüss Tüte und To-go-Becher: Umweltfreundliche Verpackung

„Darf ich Ihnen beim Einpacken helfen“, fragt Jasmin Ahmet freundlich lächelnd an der Kasse die Kunden. Die meisten nehmen den besonderen Service gerne in Anspruch, während Juri Weiss am langen Regal mit den Molkereiprodukten arbeitet. Nach rund fünf Jahren „1-2-3 Markt“ in Kesselstadt würde er gerne noch mal etwas anderes lernen, sagt er. Die Gastronomie, da ist er sich sicher, soll es aber nicht sein.

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