Energie eines Live-Publikums nicht zu ersetzen

Interview Comedian „Maddin“ Schneider über seinen Auftritt bei „Hanau Daheim“

Hat sein Grinsen trotz Krise nicht verloren – „Maddin“ Schneider freut sich auf seinen Livestream-Auftritt im Amphitheater.
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Hat sein Grinsen trotz Krise nicht verloren – „Maddin“ Schneider freut sich auf seinen Livestream-Auftritt im Amphitheater.

Er ist Hesse durch und durch und hat sich mit seinem übertriebenen Dialekt und seinem breiten Lachen in die Herzen der Comedy-Fans gegrinst. Gedehnt ausgesprochene, eingenwillig betonte Hessenlaute sind Martin Schneiders Markenzeichen. Die Karikierung des Hessischen ist „Maddins“ Leidenschaft. Und dem „Aschebeschär“ (mit stimmhaftem „sch“) hat er zum geflügelten Wort verholfen. Am Sonntag steht der gebürtige Friedrichsdorfer auf der Amphitheaterbühne im Rahmen von „Hanau Daheim“. Wir haben mit dem 56-Jährigen über die besondere Situation von Künstlern in der Coronakrise gesprochen.

Hanau – Herr Schneider, es sind besondere Zeiten, und das seit beinahe einem Jahr. Künstler sind von der Coronakrise besonders hart getroffen. Auftrittsmöglichkeiten gibt es nur beschränkt. Am Wochenende werden sie bei „Hanau daheim“ auf der Bühne stehen. Live – aber ohne direktes Publikum. Wie fühlt sich so ein Online-Auftritt für Sie an?

Glücklicherweise stehe ich in Hanau nicht alleine auf der Bühne, sondern singe mit Nashi Young Cho eine Kuschel-Ballade, die in diese besondere Zeit passt. Auf Wunsch lese ich dann noch eine kurze Geschichte vor.

Was ist die besondere Herausforderung bei einem Online-Auftritt?

Die besondere Herausforderung liegt darin, ohne direktes Publikum agieren zu müssen. Die Energie und der Austausch mit einem Live- Publikum ist durch nichts zu ersetzen. Spreche oder spiele ich nur in eine Kamera, ändert sich die Art der Performance. Dieses Jahr hatte ich meinen ersten Gastauftritt bei einer Online-Weihnachtsfeier. das heißt, ich wurde der Firma aus meiner Küche hinzugeschaltet. Es fühlte sich schon etwas merkwürdig an, obwohl ich ein sehr positives Feedback bekam.

Wie läuft ihr Leben denn derzeit generell ab – so ganz ohne Arbeit oder gibt es Alternativ-Projekte?

Als Comedian besteht ein Teil meiner Arbeit immer auch aus dem Schreiben und Entwickeln neuer Programme oder Formate. Außerdem hat sich ein Verlag gemeldet, der gerne ein Buch von mir nächstes Jahr herausbringen möchte. Zusätzlich habe ich einen großen Garten mit vielen Obstbäumen. Langeweile hatte ich dieses Jahr also nicht.

Gehören Sie zu denjenigen, die in der Coronakrise besonders kreativ sind, weil viel Zeit da ist – oder sind Sie eher der Typ, dessen Kreativität im Stress zu Höchstform aufläuft?

Ich verbringe gerne sehr viel Zeit in der Natur und aufgrund der Krise hatte ich vom Frühjahr an ausreichend Gelegenheit zum Wandern. Im Sommer bot mir die Teilnahme an der RTL Show Big Performance die Gelegenheit, einmal etwas Neues auszuprobieren. Jetzt weiß ich zumindest ansatzweise, wie es sich anfühlt, Mick Jagger zu sein!

Wie denken Sie wird sich die Comedy-Szene durch die Coronakrise ändern?

Meine große Hoffnung ist, dass die allermeisten Kleinkunstbühnen und Theaterbetriebe überleben werden. Allerdings ist in der gesamten Kulturbranche ein komplettes Jahr der Spielbetrieb weggebrochen, was für viele Beschäftigte zum Teil katastrophale Folgen haben könnte.

Denken Sie, dass auch nach der Krise Online-Auftritte beibehalten werden?

Bestimmt wird dies als eine mögliche Form bestehen bleiben. Aber ich sehne mich nach der direkten Begegnung mit dem Publikum; dafür kann es keinen wirklichen Ersatz geben.

Wie stehen Sie zu den Neuen Medien und Möglichkeiten, mögen Sie „online“?

Über Facebook, Insta und Tiktok lässt sich natürlich auch Kontakt aufbauen mit den Menschen und diese Plattformen sind auch kreative Experimentierflächen für mich.

Am Sonntag können Sie im Amphitheater experimentieren. Man sagt der Spielstätte ja eine ganz besondere Atmosphäre nach. Sind Sie zum ersten Mal dort?

Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich vor Jahren einen Open Air Auftritt dort, mal sehen, ob mich der Platz wiedererkennt!

Wie ist der Kontakt nach Hanau zustande gekommen?

Der Kontakt entstand über die wunderbare Sängerin Nashi Young Cho, die einen Song für uns beide geschrieben hat. Da ich den Song so schön und ihren Text dazu so witzig fand, habe ich für Facebook ein Musikvideo mit Nashi gedreht. Darauf wurde das Kulturdezernat aufmerksam und fragte, ob wir den Song gemeinsam bei „Hanau daheim“ singen können. Da ich ja kein Sänger bin, werde ich bestimmt ganz schön Lampenfieber haben!

Mögen Sie vielleicht verraten, was das Publikum am Wochenende außerdem erwartet?

Neben dem Lied wurde ich gebeten, eine kurze Geschichte zum Thema Weihnachten vorzulesen.

Wann können die Fans Sie das nächste Mal sehen?

Alle Tourtermine für nächstes Jahr sind auf Facebook oder maddin.de nachzulesen.

Am 27. November 2021 soll die Jubiläumsshow anlässlich meines 30-jährigen Bühnenjubiläums nachgeholt werden. Einer meiner Gäste ist dann mit Sicherheit auch Nashi Young Cho!

Die Fragen stellte Kerstin Biehl

Weitere Infos

Die Adventsgala mit „Maddin“ Schneider wird am Sonntag, 13. Dezember, ab 18 Uhr live aus dem Hanauer Amphitheater an der Landstraße in Kesselstadt über die städtischen Social-Media-Kanäle ins Internet übertragen.

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