„Louise de Marillac“

Jeanette Marquardt ist die neue Leiterin des Hanauer Hospizes

Jeannette Marquardt, die neue Leiterin des Hanauer Hospizes„Louise de Marillac“, präsentiert einen Stahlengel. Die Skulpturen werden ab Montag verkauft, um dringend nötige Spenden für die Einrichtung zu sammeln.
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Jeannette Marquardt, die neue Leiterin des Hanauer Hospizes„Louise de Marillac“, präsentiert einen Stahlengel. Die Skulpturen werden ab Montag verkauft, um dringend nötige Spenden für die Einrichtung zu sammeln.

Jeannette Marquardt wollte im Hospiz „Louise de Marillac“ nicht plötzlich nur noch am Schreibtisch sitzen und koordinieren. „Mir war es ganz wichtig, weiter an der Basis in der Pflege zu arbeiten“, betont sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Hanau - Darauf habe sie sich mit der Geschäftsführung verständigen können. Und so wird Marquardt, die seit Anfang dieses Monats das Hospiz leitet, auch künftig als Pflegedienstleiterin in der Einrichtung tätig sein. „Da schließt sich der Kreis. Ich bin dem Haus sehr verbunden, habe viel mit erlebt“, sagt sie.

Hospiz betreut Todkranke in den letzten Monaten ihres Lebens

Seit 2008 arbeitet die 43-Jährige im Hospiz. Nachdem die langjährige Leiterin Christa Kuhn sich beruflich neu orientierte und die Einrichtung verließ, hätten sich das Team und der Träger für sie als neue Chefin ausgesprochen. „Das hat mich geehrt“, sagt Marquardt. Die neue Position sei für sie anfangs „ein bisschen ungewohnt“ gewesen. „Ich habe gerne in der zweiten Reihe gearbeitet“, bekennt sie. „Aber ich stelle mich gerne der Herausforderung.“

Ihr sei es sehr wichtig, dass das Team als Ganzes zusammenfinde und gut funktioniere. „Die oberste Prämisse ist, dass es unseren Gästen gut geht.“ Gäste, das sind die todkranken Bewohner des Hospizes. Acht Menschen können in der Einrichtung ihre letzten Monate, Wochen oder Tage verbringen, liebevoll umsorgt von einem einfühlsamen Team. Derzeit sind alle Zimmer belegt.

Hospiz in Hanau hat neue Mitarbeiter eingestellt

In den vergangenen Monaten seien sechs neue Mitarbeiter eingestellt worden, um einen entstandenen Engpass auszugleichen, sagt Marquardt. 14 Menschen arbeiten jetzt im Hospiz in der Pflege, hinzu kommen ein FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr) und zwei Hauswirtschaftskräfte. Seit Mitte September bekomme man das Essen nicht mehr geliefert. Stattdessen steht im Hospiz eine gelernte Köchin an Bord.

„Das ist toll, wenn man ins Haus kommt und es nach gutem Essen riecht“, sagt Marquardt. Außerdem gebe es zweimal die Woche frischgebackenen Kuchen. Auch die Gäste wüssten dies sehr zu schätzen. „Da schmecken die Königsberger Klopse wirklich, wie man sie kennt“, freut sich Marquardt.

Marquardt entscheidet sich in der Ausbildung für die Pflege

Die gebürtige Berlinerin, die heute mit ihrem Mann und ihrer 15-jährigen Tochter in Maintal-Hochstadt lebt, kam nach dem Abi durch ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Frankfurt. Während ihrer folgenden Ausbildung im Krankenhaus kam sie das erste Mal mit Palliativmedizin in Kontakt. „Das war für mich die Bestätigung, dass es richtig war, nicht Medizin zu studieren, sondern in die Pflege zu gehen.“

Das Hanauer Hospiz „Louise de Marillac“ in der Nussallee 30 bietet Platz für acht Gäste. Es ist in Trägerschaft der St. Vinzenz Sozialen Werke gGmbH aus Fulda.

Ins Hospiz „Louis de Marillac“ kam Marquardt 2008. Die Arbeit dort schätze sie sehr, weil sie nicht nur eine Fachrichtung betreffe. Man treffe auf viele Krankheitsbilder, wo man fachlich gefordert sei. Sie sei dankbar, dass man Dinge, wie man sie gelernt habe, umsetzen könne. Dies gelinge, weil es Hospizen vom Stellenschlüssel her gut gehe. Das stimme sie demütig. „Mir ist sehr bewusst, wie angespannt die Situation in Pflegeheimen ist.“

Tod ist in der Hospizarbeit allgegenwärtig

Die Arbeit im Hospiz bringe eine große Verantwortung mit sich. Denn meist treffe man Entscheidungen, ohne noch einmal Rücksprache mit einem Arzt zu halten. „Wenn jemand neu einzieht, gibt es zu Beginn ein Gespräch mit dem Arzt. Er legt fest, welche Medikamente ihr Patient regelmäßig braucht und welche bei Bedarf gegeben werden können.“ Anschließend entscheide man selbst, wann ein Gast ein Medikament benötige – beispielsweise gegen Übelkeit oder Schlaflosigkeit.

Im Hospiz sei man ständig mit dem Tod konfrontiert. Acht bis 16 Gäste sterben laut Marquardt pro Monat. „Das sind mehr als früher. Die Krankheitsverläufe sind schneller und aggressiver geworden“, hat sie beobachtet. Umso dankbarer seien Familien, dass man gemeinsam Abschied nehmen könne. „Wir erfahren eine große Dankbarkeit. Das gleicht die psychische Mehrbelastung aus“, ist sie überzeugt.

Corona-Krise: „Kommen bisher gut durch“

Was den Umgang mit Corona betreffe, so sei das Hospiz dem „gut gewappnet“, betont die Leiterin. Man habe als Haus schon viele Krisen durchgestanden und sei geerdet. Angst, dass niemand zu Besuch kommen darf, muss im Hospiz niemand haben: „Es dürfen pro Gast und Zimmer zwei Besucher am Tag kommen“, erklärt Marquardt, „auch gleichzeitig.“ Die Besucher verhielten sich vorbildlich. „Bisher kommen wir gut durch“, bilanziert sie.

Stahlengel kaufen, Hospizarbeit unterstützen

Künstler Hannes Metz, Ehemann einer Hospiz-Mitarbeiterin, hat für das „Louise de Marillac“ Engel aus Bandstahl gefertigt. Sie werden für 30 Euro verkauft, das Geld wolle Metz der Einrichtung spenden, freut sich Leiterin Jeannette Marquardt und erläutert den Hintergrund: Die Beschäftigten im Hospiz würden oft von den Gästen und deren Angehörigen als Engel bezeichnet. Die Mitarbeiter freuen sich darüber, ist es doch Zeichen von Dankbarkeit. Die Engel des Künstlers aus Roßdorf bei Darmstadt gibt es zum Stellen oder als Gartenstecker. Sie können ab Montag im Hospiz unter z 06181 507050 bestellt werden. Anschließend erfolgt ein Rückruf, bei dem der Termin zur Abholung mitgeteilt wird. Dieser wird werktags von 10 bis 17 Uhr sein. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt. Die Abholung wird kontaktlos und unter Berücksichtigung aller Corona-Hygienemaßnahmen möglich sein. „Durch den Kauf unterstützen sie die Arbeit im Hospiz und erhalten ihren persönlichen Schutzengel“, wirbt Marquardt. cd

Die aktuelle Corona-Krise berge für das Hospiz allerdings ein anderes großes Problem, berichtet Marquardt. 95 Prozent der Kosten für einen Platz würden von den Kranken- und Pflegeversicherungen übernommen, fünf Prozent müssten durch Spenden aufgebracht werden.

Finanzielles Loch durch Corona-Krise

Fünf Prozent klingt wenig, aber diese fünf Prozent belaufen sich laut der Leiterin auf in diesem Jahr mittlerweile 60 000 bis 70 000 Euro. „Das ist dieses Jahr eine große Herausforderung, fast größer als die Arbeit unter Corona-Bedingungen“, so Marquardt.

Es sei absehbar, dass am Ende des Jahres eine große finanzielle Lücke zu füllen sei. Wie, wisse man noch nicht. Zu normalen Zeiten werde viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Das sei derzeit kaum möglich. „Wir haben viele gute Ideen und hoffen, diese bald in die Tat umsetzen zu können“, sagt Marquardt.

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