Helfen mit Ansage

Jetzt gibt es auch am Forum einen Defibrillator – Bedienung ist kinderleicht

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Paul geht es nicht gut, er ist blass und atmet nicht. Rasche Hilfe tut Not.

Paul liegt leblos am Boden und rührt sich nicht. Bei Paul ist dieser Zustand normal. Er ist eine Puppe und dazu da, anderen das Erproben des Ernstfalls zu ermöglichen, in diesem Falle die Wiederbelebung und das Bedienen des Defibrillators.

Seit Mai 2008 ist Dr. Nikolaus Golecki als Chefarzt am St.-Vinzenz-Krankenhaus tätig.

Denn wenn ein Mensch zusammenbricht und plötzlich reglos und ohne Atemfunktion am Boden liegt, ist schnelles Handeln angesagt. Und der „Defi“, wie seit gut zwei Monaten jetzt auch einer im Außenbereich des Forums zu finden ist, leistet dabei wertvolle Hilfe. 

Um zu erfahren, wie gut ein solches Gerät für medizinische Laien zu bedienen ist, haben wir uns beim Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin am St.-Vinzenz-Krankenhaus, Dr. Nikolaus Golecki, angemeldet, der uns in die Geheimnisse der Technik einweist. Der Name „AED“, auf den am Forum (und übrigens auch im Rathaus und im CPH) ein grünes Schild hinweist, steht für „Autonomer externer Defibrillator“ und bedeutet, dass dieses Gerät demjenigen, der es bedient, Schritt für Schritt ansagt, was er oder sie zu tun hat. 

Immer zuerst den Notruf wählen

Hat man also die Schutzhülle abgenommen, ertönt eine Stimme und erklärt,

Die Box mit dem „Defi“ enthält zwei Elektroden, die an der verunglückten Person aufgeklebt werden müssen.

was als Allererstes zu tun ist: „Notruf absetzen“, also die 112 wählen und angeben, wo wer wie verunfallt ist. Danach gilt es, das Bewusstsein zu prüfen. Auch das sagt der akustische Helfer uns vor. Im Übungsraum des Vinzenz-Krankenhauses, wo wir eine solche Situation durchspielen, beuge ich mich über Paul und horche, ob er atmet. Fehlanzeige. 

Als Nächstes muss ich den Oberkörper Pauls von den Kleidungsstücken befreien, also Reißverschluss auf, Unterhemd nach oben ziehen. „Nicht so zaghaft“, ermuntert Dr. Golecki. Der am Boden Liegende ist ja nicht aus Zucker. Jetzt müssen die beiden Elektroden auf den Körper geklebt werden, die im Defi-Kästchen verstaut sind. Die Schutzfolie wird abgezogen, und die Elektroden werden links oberhalb der Brust und rechts an die Flanke unterhalb der Achsel angebracht. Das erklärt nicht nur die „Defi“-Stimme, auf den Elektroden sind auch noch Zeichnungen zu sehen, damit man die richtigen Körperstellen wählt. 

„Der einzige Fehler, den man machen kann, ist, nichts zu tun“

In unserem Fall wollen die Klebeteile erst nicht richtig haften. Der Chef arbeitet noch mal nach, dann klappt die Sache. Vermutlich bin ich zu zögerlich gewesen. Nun sagt die Stimme, man solle zurückgehen und den Körper des Verunglückten nicht berühren. Der „Defi“ prüft die Herzfunktion. Jetzt befiehlt die Stimme, ich solle auf den blinkenden gelben Knopf am Gerät drücken. Damit löse ich den Stromstoß aus, der quer durch den Körper des Kranken von links oben nach rechts unten durchs Herz geschickt wird, um den Herzmuskel wieder zum Schlagen zu bringen. Danach kommt das Kommando zur Herzmassage. Dazu lege ich den Ballen meiner Hand auf die Brustmitte und lege die andere Hand darüber. Ich verschränke die Finger, halte die Arme gerade und gehe mit den Schultern senkrecht über den Druckpunkt, damit ich viel Kraft ausüben kann. Genau so, wie es mir Dr. Golecki gesagt hat. 

Vinzenz-Chefarzt Dr. Nikolaus Golecki ist ein geduldiger Lehrer und Erklärer. Er unterrichtet Fachpersonal und ab und zu auch Schüler. Hier erklärt er unserer Redakteurin Jutta Degen-Peters wie man den Defibrillator richtig anlegt.

Das Brustbein, so ist es auch in dem Flyer „Ein Leben retten“ des Berufsverbandes der Anästhesisten nachzulesen, soll fünf bis sechs Zentimeter nach unten gedrückt werden. Und das 100- bis 120-mal pro Minute. Die Stimme gibt den Rhythmus vor. Das sollte so lange durchgehalten werden, bis Hilfe eintrifft. Wer geschult ist oder sich traut, kann das Opfer auch beatmen, und zwar so, wie es der akustische Lehrer vorgibt. „Falsch machen kann man bei der Reanimation mit dem Defibrillator nichts“, beruhigt Golecki. „Der einzige Fehler, den man machen kann, ist, nichts zu tun“, ergänzt der Mediziner noch. Denn ohne Hilfe könnte der Mensch, der gerade einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hat, sterben. Wenn er aber schnelle Hilfe erfährt, kann er sich wieder vollständig erholen.  

Mehr Infos gibt es hier.

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