Schulleitervakanz: Weiss-Thiel fordert vom Land zeitnahe Neubesetzung

Jetzt schaltet sich die Stadt ein

Hanau – Die Problematik um die vakanten Schulleiterstellen in der Brüder-Grimm-Stadt zieht immer weitere Kreise. Nachdem der HA in der vergangenen Woche den Fokus auf das Thema gelegt hatte, hatten sich bereits SPD-Fraktion, Landtagsabgeordneter Christoph Degen (SPD), Hanauer FDP und Landtagsabgeordneter Dr. Jörg-Uwe Hahn (FDP) zu der Problematik geäußert, teils mit direkten Fragen an das Kultusministerium und den Landtag.

Der Elternbeirat und Förderverein, sowie der Schulsprecher der Hohen Landesschule (Hola) hatten die Thematik befeuert, als bekannt wurde, dass der derzeit stellvertretende Schulleiter der Hola, Helge Messner, ins Kultusministerium wechselt und so eine erneute Vakanz in der Schulleitung entsteht. Nun schaltet sich auch Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) ein. In einem Brief an Kultusminister Dr. Alexander Lorz teilt der Hanauer Schuldezernent seine Sorge um eine verlässliche Leitungsbesetzung der Hola mit. Darüber hinaus spricht Weiss-Thiel die „vielfältigen Führungswechsel“ an der Hola an und bekräftigt seine Sorge aufgrund „zahlreicher Erfahrungen der letzten Jahre schulübergreifend“.

So sei es selbst bei absehbaren Neubesetzungen aufgrund von Pensionierungen in jüngerer Vergangenheit zu langfristigen Übergangssituationen gekommen. Als Beispiel nennt der Bürgermeister die Staatliche Zeichenakademie, an der im Jahr 2018 Schulleiterin Gabriele Jahns-Duttenhöfer in den Ruhestand verabschiedet wurde. Eine Nachfolge für die Schule, die sich in unmittelbarer Trägerschaft des Landes befindet, gibt es bis heute nicht.

Als weiteres Negativbeispiel führt Weiss-Thiel die Eugen-Kaiser-Schule an. Hier dauerte es eineinviertel Jahre, bis für die ausgeschiedene Schulleiterin Claudia Borowski eine Nachfolgerin gefunden wurde.

Und auch beim Staatlichen Schulamt in Hanau sieht es nicht viel besser aus: Seitdem Schulamtsleiterin Sylvia Ruppel Anfang 2018 in den Ruhestand verabschiedet wurde, wechseln sich stellvertretende und kommisarische Leitungen in der Führung des Hauses ab, stellt der Schuldezernent fest.

„Dies sind nur drei sehr gravierende Fälle. Sie alle haben ihren Ausgangspunkt weit vor Ausbruch der aktuellen Pandemie-Situation“, schreibt Weiss-Thiel in dem Brief an Lorz. „Selbst bei langfristig absehbaren Ruhestandsversetzungen ist deshalb die Unsicherheit und Unruhe an Hanauer Schulen mittlerweile groß.“

Das angesichts dieser Entwicklung das Vertrauen in eine verlässliche Partnerschaft und Gesprächsbeziehung schwinde, sollte nicht wundern, so Weiss-Thiel an Lorz. Er verweist auch auf anstehenden Neubesetzungen (siehe Kasten).

Der Bürgermeister erinnert daran, dass sich kommunale Schulträger und das Land Hessen die Verantwortung für eine „gedeihliche zukunftsorientierte Schulentwicklung“ teilen, wobei das Land die ausschließliche Zuständigkeit für Curricula, Lehrerversorgung und Besetzung von Funktionsstellen besitze. Großthemen wie inklusive Bildung, Integration von Zuwanderern und Digitalisierung erforderten die langfristige und strategisch angelegte Zusammenarbeit des kommunalen Schulträgers mit den Schulleitungen und dem örtlichen Staatlichen Schulamt. „Derzeit ist für mich, wie für die städtischen Gremien nicht erkennbar, dass das Hessische Kultusministerium in der Bildungsregion Hanau seinem Teil der Verantwortung in Form einer langfristig angelegten sach- und fachgerechten Personalpolitik nachkommt“, so Weiss-Thiel. „Nicht nur in Sachen Stellenbesetzung scheint mir Langsamkeit zum Markenzeichen Hessens in Sachen Bildung zu werden.“ So habe Hessen als eines der letzten Bundesländer seine Förderrichtlinien zur Umsetzung des „Digitalpakts Schule“ veröffentlicht. Die Stadt Hanau als kommunaler Schulträger sei nun von Schulgemeinde und Öffentlichkeit angesichts der Pandemie gefordert, diese Langsamkeit auszugleichen.

Weiss-Thiel kritisiert auch, dass bereits im Frühjahr 2018 die Stadt Hanau und der Main-Kinzig-Kreis einen gemeinsamen Schulentwicklungsplan für die beruflichen Schulen beschlossen hatten, eine erste inhaltliche Rückmeldung aus dem Kultusministerium (noch nicht die Genehmigung) man erst Mitte 2020 erhalten habe. Ein weiterer Kritikpunkt, den der Dezernent vorbringt, ist die fehlende Zustimmung für die Wirksamkeit des Haushalts des Zweckverbands beruflicher Schulen Hanau/Main-Kinzig. Das Nichtvorliegen habe erhebliche Auswirkungen auf Beschaffung und Investitionen sowie deren Finanzierung. Weiss-Thiel fordert von Kultusminister Lorz, sich der „operativen Handlungsfähigkeit der staatlichen Schulverwaltung“ anzunehmen und in Zukunft für eine zeitnahe Besetzung der Funktions- und Leitungsstellen an den Hanauer Schulen und beim Staatlichen Schulamt in Hanau und insgesamt für zeitnahe Entscheidungsprozesse zu sorgen.

Von Kerstin Biehl

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