Sehnsucht nach dem Wasser

Jubiläumsfest verschoben: Coronavirus kreuzt große Pläne des Hanauer Boots-Clubs

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Auch das Anfahren, womit der Boots-Club jedes Jahr in die Saison auf dem Main startet, musste abgesagt werden.

Die Corona-Pandemie trifft auch den Hanauer Boots-Club hart. „Wir wollten mit unserem Vereinsjubiläum ein Zeichen setzen für den Wassersport, ein schönes Fest feiern und Freunde des Bootsfahrens, Vereine und Verbände einladen“, sagt Edgar Rinke am Telefon.

„Ein halbes Jahr lang haben wir bereits geplant und organisiert“, so der Clubchef. Inzwischen hat der Vorstand einvernehmlich die Vereinsfeier zum 50-jährigen Bestehen um ein Jahr verschoben – auf den 22. Mai, das Pfingstwochenende 2021. Nicht verschoben, sondern abgesagt sind dagegen alle weiteren Veranstaltungen, sportlichen Wettbewerbe und Meisterschaften. Angefangen von der Deutschen Meisterschaft (Jugend) über die Hessen- und Stadtmeisterschaft finden keine Wettbewerbe statt. „Damit macht auch die Vereinsmeisterschaft keinen Sinn mehr“, meint Rinke. Der – mittlerweile gelockerte – Shutdown trifft vor allem den Nachwuchs, weil ein „normales Vereinsleben“ einfach nicht stattfinden kann. Die Absage der offiziellen Meisterschaften, vor allem aber das Versammlungsverbot, treffen in ihren Konsequenzen die Jugendarbeit des Vereins besonders hart. In regelmäßigen Trainingseinheiten werden Kinder und Jugendliche in Praxis und Theorie an motorisierten Schlauchbooten ausgebildet. 

„Wir betreiben eine sehr aktive Jugendarbeit und -förderung. Nicht nur das Bootfahren, auch Sicherheit und Umweltschutz spielen bei uns in der Ausbildung eine große Rolle.“ Auf dem etwa 6000 Quadratmeter großen Vereinsgelände am Main, etwa vis-à-vis von Schloss Philippsruhe, hat der Boots-Club vor etwa fünf Jahren ein neues Clubhaus mit sanitären Anlagen und neuen Stegen errichtet. „Wir haben sehr viel Eigenleistung in die jetzt hochwassersicheren Anlagen gesteckt. Mindestens 3000 Arbeitsstunden in die Steganlagen und bestimmt 4000 Stunden in die Gebäude“, schätzt der Vorstand. Die Bootseigner hegen und pflegen nicht nur ihre Boote, sondern ebenso die Gemeinschaftsanlagen und das Clubgelände. 

Rinke: „Wir haben ein sehr starkes Vereinsleben“

Doch seit dem „Abfahren“ im Herbst vergangenen Jahres, als die Boote im Winterlager eingemottet und die Steganlagen abgebaut worden sind, hat sich auf dem Gelände nichts mehr bewegt. „Wir sind in ständigem Austausch mit unseren Verbänden und wir hoffen sehr, dass in der nächsten Gesprächsrunde der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Merkel die Regeln für Sportvereine im Freien gelockert werden“, so Rinke. Das Gelände sei groß genug, man könne sich aus dem Weg gehen. Wenn die Familien auf den Booten seien, wäre der Abstand sowieso gewahrt. Auch der gemeinsame Aufbau der Stege ließe sich mit Familienmitgliedern, die zusammenarbeiten, gut organisieren. Das Clubhaus und sanitäre Anlagen blieben bis auf Weiteres geschlossen. Auch die Trainingseinheiten für Kinder und Jugendliche würden nur sehr eingeschränkt stattfinden können. Von einem normalen Betrieb sei man noch weit entfernt. 

„Wir haben ein sehr starkes Vereinsleben, die gemeinsame Arbeit und die Verantwortung für die Gesamtanlage verbinden uns.“ Deshalb hofft der Vorstand auch, dass die Bootseigner und Clubmitglieder verantwortungsbewusst mit den Auflagen umgehen werden. „Rücksichtnahme ist notwendig. Wenn ein Clubmitglied positiv auf eine Corona-Infektion getestet würde, müssten alle Kontaktpersonen zwei Wochen lang in Quarantäne. Das sollte niemand riskieren, für selbständige Handwerker und Unternehmer hätte das erhebliche wirtschaftliche Folgen.“ 

Touristen bringen Einnahmen

Trotz der Herausforderungen, die noch vor ihm liegen, ist bei Edgar Rinke eine Vorfreude zu spüren. „Die Geselligkeit fehlt, aber die Perspektive ist da. Und die Sehnsucht nach dem Wasser.“ Er freue sich, wieder mit dem Boot auf dem Main unterwegs sein zu können. Rinke hofft auf einen guten Sommer. Drei Gästestege habe man im Club für Bootsfahrer reserviert. 

„Aus Skandinavien fahren viele den Rhein und dann auch den Main hinauf. Wir hatten auch schon Gäste aus Finnland, die über den Rhein-Main-Donaukanal bis zum Schwarzen Meer gefahren sind.“ Die meisten Bootsfahrer blieben ein oder zwei Tage, Hanau habe einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Die Touristen bringen nicht nur internationales Flair in den kleinen Bootshafen, sondern auch Einnahmen. Geld, das der Club für Ausflüge mit den Jugendlichen spart – perspektivisch für das Jahr 2021.

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