Rückzug des Spitzenkandidaten überrascht CDU-Spitze

Jürgen Scheuermanns Paukenschlag

Hanau - Überraschender Paukenschlag für die Hanauer CDU: Ihr Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl, Jürgen Scheuermann, wird sein Mandat im Stadtparlament nicht annehmen und künftig nicht mehr für Ämter innerhalb der CDU zur Verfügung stehen. Von Christian Spindler 

Wird nicht ins neue Hanauer Stadtparlament einziehen: CDU-Spitzenkandidat Jürgen Scheuermann.

Gestern kurz nach 15.30 Uhr. Anruf beim amtierenden Fraktionschef der Hanauer CDU, Dieter Hog. Die Pressemitteilung, in der CDU-Spitzenkandidat Jürgen Scheuermann erklärt, sein Stadtverordnetenmandat nicht anzunehmen und auch für andere Parteiämter nicht mehr zur Verfügung zu stehen, ist gerade mal 30 Minuten alt. Hog ist völlig überrascht: „Das ist ein Hammer. Davon habe ich überhaupt nichts gewusst. “ Die Entscheidung von Scheuermann, der erklärte, er habe sich „nach reiflicher Überlegung und Absprache mit meiner Familie und auch politischen Freunden“ zu diesem Schritt entschlossen, war zumindest mit Hog nicht abgesprochen. Und auch für viele andere in der Partei ist sie ein unerwarteter Paukenschlag.

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Am vergangenen Mittwoch saß die CDU-Spitze noch zur Analyse des Wahlergebnissen vom 6. März zusammen. Dabei sei von einem Mandatsverzicht und Rückzug Scheuermann aus der Hanauer Politik keine Rede gewesen, sagt ein Teilnehmer. Der Einsatz des Wahlkampfteams sei sogar gelobt und das schlechte Abschneiden der CDU in Hanau vor allem mit bundespolitischen Einflüssen begründet worden. Wie berichtet, hatte die CDU mit gerade einmal 22,8 Prozent der Stimmen und 12 Sitzen in der neuen, 53-köpfigen Stadtverordnetenversammlung ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl in Hanau seit 1956 eingefahren. Das von Scheuermann ausgegebene Ziel, stärkste Kraft im Parlament zu werden, wurde weit verfehlt.

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Für das miese Abschneiden übernahm Spitzenkandidat Scheuermann gestern „die volle Verantwortung“. Er wird sein Mandat im Stadtparlament nicht annehmen und auch nicht mehr als Beisitzer dem CDU-Vorstand angehören. Eine Entscheidung, die offenbar übers Wochenende gereift ist und auch CDU-Parteichef Joachim Stamm „ein Stück weit überrascht“ hat, wie er gestern am späten Nachmittag einräumte. Auch er hatte erst wenige Stunden zuvor von Scheuermanns Rückzug erfahren. Er bedauere den Schritt, so Stamm, zolle Scheuermann aber zugleich „höchsten Respekt“. Der 60 Jahre alte Leiter der Karl-Rehbein-Schule sei „eine konsequente Persönlichkeit“.

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Die CDU steht in der Fraktion nun vor einem personellen Umbruch. Fraktionschef Hog, der in den CDU-Wahlkampf, der von Ex-OB Margret Härtel geleitet wurde, offenbar nicht eingebunden war, sagte gegenüber unserer Zeitung, er stehe für das Amt des Fraktionsvorsitzenden in der neuen Legislaturperiode „nicht mehr zur Verfügung“. Am 4. April tritt die neue CDU-Fraktion erstmals zusammen. Für den Posten der Fraktionschefin wird nun die 26-jährige Isabelle Hemsley gehandelt.

Rubriklistenbild: © dpa

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