Ärztlicher Bereitschaftsdienst bleibt im Hans-Böckler-Haus / Kanzleigebäude für Beratungen

Jugend muss für längere Zeit umziehen

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst wird bis auf Weiteres im Hans-Böckler-Haus bleiben. Das hat OB Claus Kaminsky entschieden. Die Jugendarbeit soll künftig im Kanzleigebäude stattfinden.
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Der Ärztliche Bereitschaftsdienst wird bis auf Weiteres im Hans-Böckler-Haus bleiben. Das hat OB Claus Kaminsky entschieden. Die Jugendarbeit soll künftig im Kanzleigebäude stattfinden.

Hanau – Nach offenbar längerem internen Ringen steht nun fest, dass der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) in Hanau coronabedingt weiterhin das städtische Jugendbildungs- und Kulturzentrum (Jubikuz) Hans Böckler nutzen darf. Das habe Oberbürgermeister Claus Kaminsky entschieden, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung gestern aus dem Rathaus. Die Stadt hatte die Räumlichkeiten am Sandeldamm dem Klinikum Anfang April zur Verfügung gestellt, als der ÄBD wegen der Corona-Pandemie seinen angestammten Platz auf dem Gelände des Krankenhauses räumen musste. Ziel war die Minimierung des Patientenaufkommens im Schleusenzelt.

„Wegen der nach wie vor hohen Covid-19-Infektionsgefahr und der weiter nötigen strengen Hygienevorschriften sowie der eingeschränkten Besuchsregelung ist die Zahl der Menschen auf dem Klinikgelände so gering wie möglich zu halten“, hat sich dies laut Kaminsky bis heute nicht geändert. Daher sei die Integration des ÄBD in die unmittelbare Nähe der Zentralen-Notaufnahme derzeit nicht möglich.

Kaminsky kündigt an, dass die städtische Jugendarbeit, die sonst im Hans-Böckler-Haus stattfindet, „bis auf Weiteres“ im leer stehenden, der Stadt gehörenden Kanzleigebäude am Schlossplatz stattfinden könne. „Uns ist bewusst, dass Corona verstärkte Nachfrage nach Beratung für Familien und Jugendliche bedingt“, sagt Kaminsky weiter. Das könne vorübergehend auch im Kanzleigebäude stattfinden. Zudem sei die „aufsuchende Sozialarbeit gerade wichtiger denn je, denn nicht alle Bevölkerungsschichten überschreiten die Schwelle zu einem städtischen Beratungsangebot“, meint Kaminsky. Der Fachbereich Bildung, Soziale Dienste und Integration hat nach den Worten von Bürgermeister Axel Weiss-Thiel die allermeisten Angebote der Familien- und Jugendarbeit übergangsweise in anderen Häusern unterbringen können.

Noch vor zwei Monaten jedoch hatte die Stadt Hanau nach HA-Informationen beim Klinikum auf einen Rückzug des ÄBD aus dem Böckler-Haus gedrängt. Das zumindest lässt ein Schriftverkehr zwischen Rathaus und Klinikum erkennen, der unserer Zeitung vor Kurzem aus gut informierten Kreisen zur Verfügung gestellt wurde. Vonseiten des Informanten wird in dem Zusammenhang kritisiert, dass das Jugendzentrum ersatzlos geschlossen worden sei.

In einem Schreiben an Klinikums-Prokurist Thorsten Wies betonte Stadtrat Axel Weiss-Thiel am 20. Juli, dass man das Klinikum Hanau während der Lockdown-Zeit gerne mit der Unterbringung im Böckler-Haus unterstützt habe. Ihm sei in einem Gespräch mit Wies auch deutlich geworden, dass das Klinikum eine mittel- bis langfristige Unterbringungsmöglichkeit benötige. „Dies ist im Böckler-Haus definitiv ausgeschlossen!“, machte Weiss-Thiel in Richtung Wies deutlich. Er betonte, in den Räumlichkeiten finde die „gesamte offene Jugendarbeit für die Kernstadt statt“, außerdem seien sie als Angebotsort durch die Streetworker-Arbeit, das Jugendbildungswerk und die Jugendberufshilfe unverzichtbar.

Eine alternative Räumlichkeit habe die Stadt für den ÄBD nicht in petto. „Ich muss Sie somit bitten und auffordern, zeitnah selbst eine alternative Unterbringungsmöglichkeit für den ÄBD zu finden und die genutzten Räume im Hans-Böckler-Haus wieder freizugeben“, so Weiss-Thiel abschließend.

Der Prokurist des Klinikums Hanau, Thorsten Wies, erläuterte in seinem Antwortschreiben, das dem HA ebenfalls vorliegt, die Schwierigkeiten, die die Corona-Pandemie für den Klinikbetrieb mit sich bringe. Da man wieder mit steigenden Zahlen rechne, halte man einen Umzug des ÄBD in die angestammten Räumlichkeiten „für falsch“, da bei sich verschärfender Corona-Lage ein erneuter Umzug nötig werden könnte.

Wies befürchtete laut Schreiben vom 23. Juli, dass dies der Kassenärztlichen Vereinigung sauer aufstoßen könne und diese sich daher möglicherweise einen anderen Standort suchen könne, „was für das Klinikum einer Katastrophe gleichkommen würde“, so Wies. Daher bitte man darum, bleiben zu dürfen, hieß es damals.

Die Bitte wurde städtischerseits nun erhört. Zwischenzeitlich hat OB Kaminsky offenbar ein Machtwort gesprochen und entschieden, wie es in Sachen Böckler-Haus, Bereitschaftsdienst und Jugendarbeit weitergeht. Das geht aus der Antwort der Stadt auf unsere Fragen hervor. Ans Klinikum Hanau gerichtete Fragen zu dem Vorgang – beispielsweise jene, wie die Suche nach alternativen Räumlichkeiten verlaufen sei – blieben hingegen unbeantwortet.

Kaminsky erklärt, das Böckler-Haus habe sich als Alternative für den ÄBD „eingespielt und bewährt“, das sehe auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen so, die den ÄBD organisiert. Der Vorteil des Standorts am Sandeldamm sei die Nähe zum Klinikum Hanau. Vergleichbares sei andernorts in der Innenstadt „nicht umsetzbar“.

Eine Rückkehr des ÄBD ins Klinikum soll es laut Kaminsky erst geben, wenn sich die Corona-Lage normalisiere. Derzeit sei aber „stark damit zu rechnen, dass die Infektionszahlen wieder steigen“. Damit einher gehe, dass mit verschärften Regelungen für die Kliniken zu rechnen sei. Das Schleusenzelt dürfe nicht weiter belastet werden, Entzerrung sei „unbedingt notwendig“, so der OB.

Miete zahlt das Klinikum Hanau für das Hans-Böckler-Haus nicht, allerdings Umlagen in nicht unerheblicher Höhe.

Von Christian Dauber

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