Jugendkurzfilm-Festival überzeugt mit großer Bandbreite

Weltherrschaft durch Pizza-Trick

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Nur in den ersten Reihen blieben beim Jugend-Kurzfilmfestival „Jung und Abgedreht“ im Kinopolis einige Plätze frei.

Hanau - Nur wenige der über 300 Plätze im großen Saal des Kinopolis blieben am Sonntag unbesetzt, als die vierte Auflage des Hanauer Jugendkurzfilmfestivals „Jung und Abgedreht“ über die Leinwand flimmerte. Von Dieter Kögel

Ein über dreistündiger Kurzfilmmarathon mit 26 gezeigten Beiträgen aus ganz Deutschland, bei dem sowohl die inhaltlichen Konzeptionen als auch die technischen Umsetzungen durchweg überzeugen konnten. Dass es in jeder der vier ausgeschriebenen Kategorien jeweils nur einen Sieger geben könne sei nun mal Tatsache. Aber „hier dabei zu sein ist schon eine ganze Menge,“ meinte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky in seiner Begrüßung. Und das stimmt. Denn aufgrund der vielen Einsendung musste die Jury eine Vorauswahl treffen und konnte nur die Hälfte aller eingeschickten Filme zeigen. So viele Beiträge wie nie zuvor seien für den Wettbewerb eingegangen, freuten sich Anna Jagust und Dr. Hans Katzer von der Hanauer Arbeiterwohlfahrt, die Trägerschaft, Finanzierung und Ausrichtung des Festivals übernommen hat, nachdem sich die Stadt vor zwei Jahren aus Spargründen weitestgehend aus dem Projekt zurückgezogen hatte.

Dominique Macri führte beim Jugend-Kurzfilmfestival durch das Programm.

Nach dem Aufschwung des Festivals in diesem Jahr wird die AWO auch weiterhin den Bestand des Hanauer Kurzfilmfestivals zusammen mit anderen Sponsoren sichern, versprachen Katzer und Jagust. Und das ist gut so. Denn im Vergleich zu den ersten Festivals hat besonders in technischer Hinsicht ein Quantensprung eingesetzt. In am Computer entstandenen Animationsfilmen wie in „Pizza Galactica“ von Thomas Brückner, in dem außerirdische kleine grüne Männchen die Erde mit Pizza überschwemmen, um die Menschheit durch Fettleibigkeit auszurotten, werden alle Möglichkeiten der technischen Kreativität genutzt. Realfilm und Trickfilm werden in anderen Beiträgen spannend ineinander verwoben, glänzende Dokumentationen und Reportagen gab es zu sehen, in höchstens fünf Minuten Dauer umgesetzte persönliche Gedankenwelten amüsierten, regten zum Nachdenken an oder sorgten für eine gruselige Gänsehaut.

Wie der Beitrag „Kingdom of Trees“ von Stefan Bürkner, dem die Jury in der Kategorie der „Young Professionals“ den ersten Preis zusprach. Platz eins in der Sparte „Musikvideos“ ging an Lenia Friedrichs Produktion „All Gods Children – Sister Says.“ Die Dokumentation „Netze“ von Margareta Kosmol punktete in der Kategorie der 14 bis 17-jährigen Filmemacher und überzeugte die Jury sowohl durch die filmische Gestaltung, als auch durch die inhaltliche Ausrichtung, die auf die Erhaltung des Lebens und der Welt abzielte.

Hochsensibel und anrührend der Siegerfilm bei den 18- bis 27-jährigen Filmemachern von Marion Nyffenegger. „Und morgen fahre ich dann zurück nach Lissabon“ heißt der Kurzfilm, in dem die Autorin der Demenzkrankheit nachspürt. Eine Marionette spielt die Hauptrolle, die Erinnerungen der grauhaarigen Oma sind animierte Trickfilmsequenzen, bei denen ein Bleistift Erinnerungen skizziert. Erinnerungen, die entstehen, verblassen, vergehen, bis nur noch ein leeres Blatt bleibt. Und dann hatte natürlich auch das Publikum noch das Wort. Und der Publikumspreis bleibt in Hanau. „Der Flugzettel“ von Michel Stelzner hatte die Sympathien mehrheitlich auf seiner Seite. Entstanden ist der Kurzfilm, bei dem ein von Hand zu Hand wandernder Zettel die Hanauer zu neuem Verhalten treibt, in der „Filmwerkstatt 2.0“ im vergangenen Jahr, wo junge Filmemacher im Alter von sieben bis 14 Jahren unter Anleitung in Drehbuch, Regie und Filmtechnik eingeweiht wurden.

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