Sogar die Handys funktionieren

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Geschafft: Nach mehrjährigem Umbau überreichte Minister Jörg-Uwe Hahn den symbolischen Schlüssel des neuen Hanauer Justizzentrums an Landgerichtspräsidentin Susanne Franke, die Leitende Oberstaatsanwältin Elisabeth Opitz und Amtsgerichtspräsident Meinrad Wösthof (v. rechts).

Hanau - Als gelungene Verbindung zwischen Sanierung und Modernisierung alter, schützenswerter Bausubstanz in Ergänzung mit architektonisch interessanten Neubauten wurde gestern in Hanau im Beisein des hessischen Justizministers Jörg-Uwe Hahn (FDP) das unlängst fertiggestellte Hanauer Justizzentrum offiziell eingeweiht. Von Dieter Kögel

Durch den Neubau entstanden insgesamt 161 neue Büros, sechs Sitzungssäle, Nebenräume und Technikräume mit einer Gesamtfläche von mehr als 6000 Quadratmetern. Rund 20,5 Millionen Euro wurden in Hanau investiert. Laut Minister Hahn ein Indiz dafür, „wie wichtig der hessischen Justiz der Gerichtsstandort Hanau ist“.

Auch wenn die Technik noch nicht voll im Griff ist -manche Türen gehen je nach Witterungsverhältnissen nicht auf, andere schließen sich nicht - wie die Leitende Oberstsaatsanwältin Elisabeth Opitz mit einem lachenden Auge kritisierte, verfüge die Hanauer Justiz jetzt endlich über einen „funktionalen, zweckmäßigen und architektonisch gelungenen Bau.“ Selbst das mobile Telefonieren sei der Hanauer Staatsanwaltschaft jetzt wieder möglich. Das war am Anfang nicht der Fall. Denn der verbaute Stahlbeton und die spezielle Beschichtung der Fenster hatten dies unmöglich gemacht.

„Wir lernen eben auch noch“

„Wir lernen eben auch noch,“ entschuldigte sich Bernd Zahn, Direktor des Hessischen Immbobilienmanagments, der aber ansonsten die Bauzeit als „Paradebeispiel für gute Teamarbeit“ mit allen Beteiligten empfunden hat. Auch Meinrad Wösthoff, Direktor des Hanauer Amtsgerichts, sieht mit dem neuen Hanauer Justizzentrum die Grundlagen für ein zukünftig vernünftiges Arbeiten gegeben. Ein Umbau, der laut Thomas Platte, Direktor des Hessischen Baumanagments Rhein-Main, mit dem nötigen Respekt vor der Historie angegangen worden sei. Und auch mit der gebotenen Pietät. Denn der Baugrund gehörte schließlich einmal zum deutschen Friedhof.

„Hanau ist stolz auf seinen neuen Gerichtsstandort,“ betonte auch Stadtrat Dr. Ralf Rainer Pielsold (FDP) vor den geladenen Gästen. „Denn ein Oberzentrum wie Hanau braucht so ein Gericht.“ Jetzt gelte es, „an der Peripherie“ weiterzuarbeiten. Insbesondere das seit langem geforderte Parkhaus in unmittelbarer Nähe des neuen Justizzentrums müsse jetzt in Angriff genommen werden, forderte Piesold.

Vor 100 Jahren aus rotem Sandstein errichtet

Landgerichtspräsidentin Susanne Franke widmete sich hingegen der Historie des alten Gerichtsgebäudes, das vor 100 Jahren aus rotem Sandstein aus der Miltenberger Gegend errichtet worden ist. Mit seinen sandsteinernen Portalen, Säulen und Türumrahmungen stelle das Gebäude eine „handwerkliche Meisterleistung“ dar, so Franke.

Der Bombennacht im März 1945 habe das Gebäude dennoch nicht standhalten können, und nach dem Wiederaufbau sei der Betrieb nur in sehr eingeschränktem Umfang möglich gewesen. Wegen statischer Probleme hätten in manchen Sälen nicht mehr als zehn Personen zugelassen werden können. Platzmangel sei ständiger Begleiter der Arbeit der Hanauer Justiz gewesen. Alles Vergangenheit, denn die jetzt vollendete Lösung biete „einen angemessenen Rahmen für unsere Tätigkeit.“ Und den Schlüssel für das neue Justizzentrum hielten die Leitende Oberstaatsanwältin Opitz, Landgerichtspräsidentin Franke und Amtsgerichtsdirektor Wösthoff am Ende der Jubiläums- und Einweihungsfeier auch in Händen. Nachdem Thomas Platte den Schlüssel an den Minister überreicht hatte, gab dieser ihn an die Hausherren in Hanau weiter.

„Jetzt ist Schluss mit den Umbauarbeiten in Hanau“

„Jetzt ist Schluss mit den Umbauarbeiten in Hanau,“ versprach Hahn. Dafür wird sich aber strukturell auch bei der Hanauer Justiz noch einiges ändern. Schwerpunkt sei die Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs an den hessischen Gerichten.

Bis zum Jahr 2020 soll es möglich sein, per Mausklick Akteneinsicht zu nehmen. Die rechtlichen Grundlagen dafür seien geschaffen, jetzt gelte es, die Methode in der Praxis zu überprüfen. Der Justizminister erwartet vom elektronischen Rechtsverkehr eine Steigerung der Effektivität. Ziel sei es, auch den Post- und Zahlungsverkehr auf diese Methode umzustellen. „Das ist kein Selbstzweck, sondern dient auch und in erster Linie unseren Kunden.“

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