Kabarettist begeistert das Publikum im Fronhof

Django Asül: „Ich bin ein Hanau-Fan“

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Bayerisches Plappertalent: Bei Django Asüls Auftritt bekommen alle ihr Fett weg. Auch die Brüder Grimm, die sich posthum als Erfinder der Fake-News betiteln lassen müssen.

Hanau - Mit seinem aktuellen Soloprogramm „Letzte Patrone“ gastierte der Kabarettist Django Asül am Mittwochabend beim Kultoursommer im Fronhof. Von Dieter Kögel 

Und diese letzte Patrone war ihm offensichtlich zu schade, um sie nach Kabarettisten-Manier zu verschwenden für Breitseiten auf Trump, Putin, Seehofer, Merkel oder Erdogan.

Dem sympathischen bayerischen Plappertalent mit türkischen Wurzeln langt sein äußerst überschaubarer Heimatort Hengersberg, in dem er alles im Blick hat, um sich einen Reim auf die Welt zu machen. „In Hengersberg ist selbst die Peripherie sehr zentral.“ Das bedeutet natürlich auch geballte Volksweisheit am täglichen „Cappuccinostammtisch“ - für Django Asyl eine Art „Heimat in der Heimat“ -, an dem auch Freund Hans über aktuellen Themen brütet und sich die Welt mit Kängurus erklärt. Das abstrahiert den Sachverhalt und erlaubt drastische Formulierungen, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, ein fremdenfeindlicher Bayer zu sein. Und auch ohne Namen zu nennen, macht Django Asül zweifelsfrei klar, wem sein Biss in die Wade gilt. Das macht er elegant und kreativ, er klagt an, zeigt auf, aber mit einem gehörigen Schuss Selbstironie und ohne moralischen Zeigefinger, dafür mit Witz und Humor, mit guten Ratschlägen zum Reichwerden ohne schlechtes Gewissen.

Da lässt sich dann auch viel bewirken. Beispielsweise die Anschaffung eines 600 PS Autos. Das fährt so schnell, dass die Umweltbelastung auch schneller vorbei ist. Dennoch: „Das Wettrüsten auf der Straße“ ist Django Asül ein Dorn im Auge. Wie so vieles, was den menschlichen Alltag ausmacht, der wiederum das Sein bestimmt, das nicht immer so ist, wie es bitteschön sein sollte. Ob in Bayern, der Republik, in Europa und der Welt. Und die ist dem Kabarettisten eher zu groß. Am liebsten ist er zu Hause oder macht Urlaub am Krotzenburger See, von dem aus er mal kurz zum Auftritt nach Hanau saust. Und Hanau mag er. „Hanau ist für Frankfurt wie Kitzbühel für München,“ urteilt er und bekennt: „Ich bin ein Hanau-Fan. Durch und durch.“

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Und die Geschichte der Brüder-Grimm-Stadt ist dem Niederbayern auch nicht fremd. Im Galopp geht es durch die historischen Stationen, in der die Brüder Grimm als „die Erfinder der Fake News“ herhalten müssen und die Wallonen ganz patente Kerle gewesen seien. Ungefähr so wie ein Niederbayer, nur ohne bayerisches Abitur. Und, so will Django Asül erfahren haben, Hanau habe sich Hoffnung gemacht, Kulturhauptstadt Europas zu werden – und deshalb das Einkaufszentrum am Freiheitsplatz errichtet. Sprachs, und nippte am bereitstehenden Weizenbier. Eines für jede Hälfte des rund zweistündigen Programms auf der Fronhofbühne, wo die Zuschauer im voll besetzten Hof den Kabarettisten mit begeistertem Applaus für seine spezielle Sicht der Dinge dankten.

Mit der „Hanauer Musikernacht“ verlässt der 32. Hanauer Kultoursommer heute den Fronhof als Veranstaltungsort und zieht nach Wilhelmsbad um. Dort sind ab 19 Uhr die „Local Heroes“ der Hanauer Musikszene zu hören. Es spielen bei freiem Eintritt die Gruppen „Who´s Mary,“ „BBC Rock,“ und der Hanauer Singer-Songwriter Reverend Schulzz, der von einem Orchester begleitet wird.

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