Uniper will Staudinger-Block 5 stilllegen

Kalte Dusche in Hanau durch Kohle-Aus?

+
Kraftwerk Staudinger bei Großkrotzenburg

Hanau - Kraftwerksbetreiber Uniper will seinen mit Steinkohle befeuerten Block 5 des Großkrotzenburger Kraftwerks Staudinger stilllegen. Daran hängt aber auch die Versorgung von tausenden Haushalten in Hanau und Großkrotzenburg mit Fernwärme. Stehen die bald ohne Warmwasser da? Von Dirk Iding

Das in der ARD-Sendung „Plusminus“ am Mittwochabend aufgezeigte Szenario über mögliche Folgen der Abschaltung von Kohlekraftwerken, die auch Fernwärme produzieren, dürfte viele verunsichert haben. Ab diesem Sommer könnten tausende Hanauer Haushalte ohne Warmwasser und Heizung dastehen. Grund: Der Fernwärmeversorgung in der Brüder-Grimm-Stadt drohe der Kollaps, weil Betreiber Uniper den mit Steinkohle befeuerten Block 5 seines Kraftwerks Staudinger stilllegt. Dessen Betrieb ist in Zeiten der Energiewende besonders im Sommer inzwischen vollkommen unwirtschaftlich geworden, hieß es.

Tatsächlich hat Uniper bereits im Oktober vergangenen Jahres gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet und der Bundesnetzagentur die vorläufige Stilllegung des Steinkohlekraftwerks Staudinger 5 für die Sommermonate Juni bis August der kommenden drei Jahre angezeigt. Das heißt, Staudinger würde bereits ab Juni dieses Jahres keine Fernwärme mehr liefern, mit der zurzeit 19 000 Haushalte in Hanau und Großkrotzenburg versorgt werden. Stehen diese Haushalte nun tatsächlich bald ohne warmes Wasser da?

Alles zum Kraftwerk Staudinger

Steffen Maiwald, Geschäftsführer der Stadtwerke Hanau, beruhigt: „Wir sind technisch in der Lage, einen Ausfall der Fernwärmelieferung von Staudinger über einen längeren Zeitraum zu kompensieren.“ Das habe man 2014 bewiesen, als Staudinger-Block 5 nach einer Explosion etwa neun Monate lang stillstand.

Zwei mit Gas betriebene Heizwerke der Stadtwerke stellten die Versorgung mit Fernwärme sicher, allerdings zu höheren Kosten und weniger umweltverträglich. Gleichwohl stehen die Stadtwerke Hanau als größter Abnehmer von Staudinger-Fernwärme unter Druck, sollte Block 5 tatsächlich in den nächsten Jahren jeweils über die Sommermonate stillstehen. Zwar reichen die eigenerzeugten Fernwärmekapazitäten zurzeit aus, „aber eine Dauerlösung ist das nicht“, betont Maiwald. Denn sollte eins der Heizwerke wegen technischer Probleme ausfallen, wäre die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet. Maiwald will deshalb das Gespräch mit Uniper suchen und gleichzeitig den Ausstieg aus der Fernwärme vorantreiben.

Tag der offenen Tür im Staudinger-Kraftwerk

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare