19. Februar

Kaminsky findet deutliche Worte zur Diskussion um Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge

Claus Kaminsky im Gespräch mit dem Hanauer Anzeiger
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Claus Kaminsky hat den Main-Kinzig-Kreis kritisiert.

„Die Vorstellung, die Stadt Hanau könnte eine Art Machtwort sprechen und Fotos, Blumen und Kerzen vom Brüder-Grimm-Denkmal abräumen, ist eine grauselige. Das wird es mit mir nicht geben“, erklärte gestern Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Er positionierte sich damit deutlich in der vom CDU-Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert angestoßenen Diskussion um die fortdauernden Trauerbekundungen für die Opfer des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020 am Nationaldenkmal auf dem Hanauer Marktplatz.

Hanau – Für Kaminsky steht fest: Solange es keinen anderen Ort des Gedenkens gibt, ist das Brüder-Grimm-Denkmal der „richtige und würdige Ort, um an die Opfer des Anschlags zu erinnern.“ Das passe sowohl zu den Brüdern Grimm, die als liberale Vordenker stets für eine weltoffene Gesellschaft eingetreten seien, als auch zur Geschichte des Nationaldenkmals, das den Bombenangriff des 19. März 1945 mitten im Herzen des fast vollständig zerstörten Hanaus nahezu unbeschädigt überstanden hatte. „Ein Stück weit ist dieses Denkmal auch ein Symbol dafür, dass wir Hanauer uns nicht unterkriegen lassen.“

Das gelte auch mit Blick auf die rassistische Bluttat vom 19. Februar 2020, der neun junge Hanauerinnen und Hanauer mit ausländischen Wurzeln zum Opfer gefallen sind. „Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass viele Bürgerinnen und Bürger ihrer Trauer und ihrem Gedenken an die Opfer mit Blumen, Bildern und Kerzen rund um das Grimm-Denkmal öffentlich gemacht haben,“ erklärte Kaminsky gestern. Bis zur Fertigstellung eines zentralen Mahnmals für die Opfer des Anschlags bleibe das Denkmal „ein guter Platz, um innezuhalten“, denn es stelle ein wichtiges Symbol städtischer Erinnerung und Identität dar.

Hanau: Claus Kaminsky befindet sich im Austausch mit Opferangehörigen wegen des Gedenkens der Opfer

Wie und wo künftig der Opfer des Attentats, das nach Kaminskys Auffassung eine Zäsur nicht nur für Hanau, sondern für Hessen und ganz Deutschland darstelle, gedacht werde, darüber befinde man sich im intensiven Austausch mit den Opferangehörigen. Klar ist, dass es Namenstafeln an den beiden Anschlagsorten am Heumarkt sowie am Kurt-Schumacher-Platz geben soll.

Am Mittwoch, genau sechs Monte nach dem Anschlag, wird das Banner am Neustädter Rathaus mit dem Schriftzug „Die Opfer waren keine Fremden“ durch ein neues ersetzt. Auf dem wird dann stehen: „Kein Platz für Rassismus und Gewalt. Hanau steht zusammen. Für Respekt, Toleranz und Zivilcourage.“ Kaminsky stellte gestern auch klar, dass es bei dem einstimmig gefassten Beschluss des Magistrats bleibe, die Opfer des Anschlags posthum mit der Goldenen Ehrenplakette der Stadt Hanau zu würdigen. Auch das hatte unter anderem der CDU-Landtagsabgeordnete Kasseckert mit Verweis auf die Ehrenordnung der Stadt kritisiert. Danach könne die Ehrenplakette nur an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich um Hanau oder das Gemeinwesen in besonderer Weise verdient gemacht hätten. „Wer die geplante Verleihung nur rein formal betrachtet, hat mit seiner Kritik nicht ganz Unrecht“, räumt Kaminsky ein. Aber bei der posthumen Verleihung der Ehrenplakette an die Opfer des fürchterlichen Anschlags gehe es vor allem um das Zeichen, dass die Toten nicht vergessen werden und dass „sie zu uns gehörten.“ Statt von Ehrenplakette könne man in diesem besonderen Fall, für den es in der Ehrenordnung der Stadt Hanau überhaupt keine Würdigung gibt, auch von einer „Ihr-gehört-zu-uns-Plakette“ sprechen.

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