„Kaminsky“ nun im Taubenhaus

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Tierschützer und Linke fordern ein öffentliches Taubenhaus in Hanau. Ziel: Gesündere Tiere - aber deutlich weniger.

Hanau - (cs.) Die einen schmähen sie als „Ratten der Lüfte“, die angeblich Krankheiten verbreiten. Doch sie seien gar nicht so schlimm, sagten Tierschützer nun im Struktur- und Umweltaussschuss des Stadtparlaments unter Berufung auf wissenschaftliche Studien.

Die Krankheitsgefahr, die von den Tieren oder deren Kot ausgehe, sei „viel geringer als die Bürger meinen“. Es geht um Stadttauben. Einige hundert gibt es nach Schätzungen von Reinhard Berger vom Tierschutzverein in Hanau.

Eine ganze Reihe davon ist verletzt, an Beinen verstümmelt. Das rührt von langen Nägeln her, die Hausbesitzer an Fassaden angebracht haben, um die Tauben abzuhalten. Just das und angeblich Fälle von illegaler Taubenjagd, bringt Tierschützer auf die Palme: „Das ist grauenhaft“, sagt Tierschützerin Margitta Marcian.

Seit fast zwei Jahren wird in Hanau über so etwas wie „betreutes Wohnen“ für Tauben diskutiert. Ein Taubenhaus, in dem die Tiere gefüttert werden sollen, wo sie Schlaf- und Nistplätze finden. Im Gegenzug sollen ihnen die Eier weggenommen werden, um die Population zur reduzieren. In 40 deutschen Städten gibt es solche öffentlichen Taubenhäuser, etwa unter dem Rathausdach in Esslingen.

Die Stadt Hanau hat in der Innenstadt allerdings kein geeignetes Gebäude, sagte OB Claus Kaminsky im Parlamentsausschuss. Das denkmalgeschützte und repräsentative Neustädter Rathaus komme ebensowenig in Frage wie Schulen oder Kitas, andere städtische Häuser wie das Ordnungsamt seien wegen ihrer Flachdächer für einen Taubenschlag untauglich.

Bereits im Januar 2008 hatte der Parlamentsausschuss auf Initiative der Linken zum Stadttauben-Thema getagt - ohne Ergebnis. Das gab es auch nach der Sitzung am Mittwochabend nicht.

Ein Vorbildprojekt gibt es bereits auf dem Dunlop-Gelände

Tierschützer bekundeten einmal mehr ihre Bereitschaft, ein öffentliches Taubenhaus in der City zu betreuen. Ein Vorbild-Projekt gibt es auf dem Dunlop-Gelände. Dort lebt übrigens auch „Claus Kaminsky“, eine Stadttaube, die verletzt vor dem Rathaus gefunden wurde, spaßeshalber den Namen des Rathauschefs bekam und im Dunlop-Taubenhaus ein behütetes Domizil gefunden hat.

Ob es das auch in der Innenstadt geben wird, bleibt fraglich. Befürworter wie Ulrike Feistel von den Linken drängen, zumal sich die Tierschützer engagieren wollten. „Es wäre fatal, wenn wir das nicht zustande brächten“.

Nun setzt man auf Privat- oder Geschäftsleute, Kirchen oder andere Hausbesitzer, die einen Teil des Dachs für das Stadttauben-Projekt zur Verfügung stellen. Die Stadt will einen entsprechenden Aufruf starten.

Die Alternative: Ein hoher Taubenturm in einem Park. Solch ein Taubenhaus in luftiger Höhe gibt es unter anderem in Aschaffenburg. Laut Ulrike Hanstein (Linke) wurde das Projekt sogar mit einem Tierschutzpreis ausgezeichnet. „Wir werden uns das anschauen“, versprach OB Kaminsky. Allerdings sollen solche Taubentürme rund 30 000 Euro kosten.

Die Diskussion soll weitergehen. Bis ein Ergebnis vorliegt, fordern Tierschützer und Linke, dass die für die Tauben gefährlichen Nägel zumindest an öffentlichen Gebäuden entfernt werden, so Ulrike Hanstein.

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