Karstadt stirbt etagenweise

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Karstadt schließt sein Haus am Freiheitsplatz etagenweise.

Hanau ‐ Karstadt schließt sein Haus am Freiheitsplatz etagenweise. Im dritten Obergeschoss ist voraussichtlich in eineinhalb Wochen Schluss, sagt Filialleiter Jürgen Wollermann. Bis Ende März, der genaue Tag steht noch nicht fest, soll der letzte Hosenknopf verkauft sein. Nicht betroffen von der Schließung ist Karstadt-Sport im City-Center am Kurt-Blaum-Platz. Dort laufen die Geschäfte weiter. Von Erwin Diel

Seit Anfang des Jahres werde das Haus am Freiheitsplatz nicht mehr regulär beliefert, sagt der Filialleiter. Deshalb gibt es auch keine extra Ware für den Winterschlussverkauf. Zum Räumungsverkauf seien Preise in einzelnen Warengruppen reduziert worden, es gebe Nachlässe in der Spitze bis 70 Prozent. Aktuell gebe es Rabatte auf Spielwaren, Sportartikel und Kinderkonfektion im dritten Obergeschoss, aber auch reduzierte Preise für Gardinen, Stoffe und Bettwaren. Teils seien die Regale schon recht leer.

Abgeschlossen seien die den 85 Mitarbeitern angeboten Bewerber-Trainings. Das Unternehmen habe Kontakt zu anderen Handelsfirmen aufgenommen, um die großteils langjährig bei Karstadt Beschäftigen bei der Suche nach einem neuen Job zu unterstützen. Es habe zwar noch keine Vermittlungen gegeben, es stünden aber erste Vorstellungsgespräche an, Karstadt-Mitarbeiter seien von anderen Handelsfirmen eingeladen worden.

Stadt hofft auf rasch eine Folgenutzung

Gesichert werde, dass die beiden Auszubildenden, die sich im Sommer der Prüfung stellen, ihre Lehrzeit abschließen könnten. Eine junge Frau aus dem Heimtextilbereich werde von einem Hanauer Nähzentrum übernommen. Für den Auszubildenden aus der Elektro-Abteilung würden noch Gespräche geführt. Es werde auf jeden Fall eine Lösung gefunden, wenn nicht bei einer Firma in Hanau, dann in einem anderem Karstadthaus, sagt der Filialleiter.

Wie es Ende März mit der geräumte Immobilie weiter geht, hängt vom Ergebnis des wettbewerblichen Dialogs zur Entwicklung der Innenstadt ab. Die Stadt stehe im Kontakt mit dem Eigentümer des Karstadthauses, der Firma ECE, sagte der für Stadtentwicklung im Rathaus zuständige Fachbereichsleiter Martin Bieberle. Das auf die Entwicklung und den Betrieb von Einkaufszentren spezialisierte Unternehmen war beim wettbewerblichen Dialog nicht zum Zuge gekommen. Bei den verbleibenden Investoren spielt die Karstadt-Immobilien zunächst keine Rolle, deren Baupläne konzentrieren sich in diesem Bereich auf Teile des Freiheitsplatzes. Die Stadt hofft, dass für Karstadt rasch eine Folgenutzung gefunden wird.

Wenige Meter weiter in der Hammerstraße sind diese Fragen bereits geklärt. Das Druck- und Verlagshaus Hanauer Anzeiger wird abgerissen, die Redaktion siedelt ins Gewerbegebiet Nord um. Nach Angaben von Stadtrat Dr. Ralf-Rainer Piesold ist am 15. Januar ein Abrissantrag für das Büro- und Produktionsgebäude gestellt worden. Ein dreigeschossiger Neubau sei zuvor bereits genehmigt worden. Bekanntlich will der Textilhändler C&A von der Rosen- an die Hammerstraße umziehen.

Für das dann leere C&A-Gebäude gebe es Anfragen von Handelsunternehmen, sagte Bieberle. In die geschlossene Quelle Technikfiliale in bester Lage am Hanauer Marktplatz zieht die Drogeriekette „dm“ ein, wie Werbetafeln zeigen.

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