Kunst an der Hauswand

Kein Denkmalschutz: Peukert-Sgraffiti fallen Fassadensanierung zum Opfer - Geschichtsverein wehrt sich

Im Vordergrund ist der Giebel des Hauses in der Marienstraße 15 zu sehen, die Wand von Haus 11-13 ist bereits eingerüstet (links hinten).
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Im Vordergrund ist der Giebel des Hauses in der Marienstraße 15 zu sehen, die Wand von Haus 11-13 ist bereits eingerüstet (links hinten).

Großauheim – Im Interessenkonflikt um die Erhaltung zweier Fassadenkunstwerke des Großauheimer Künstlers August Peukert zeichnet sich nun eine Lösung ab.

Da die Fassaden der Häuser Marienstraße 11 bis 13 und 15 aufgrund von Renovierungs- und Dämmarbeiten einer neuen Außenfassade weichen sollen, hat der Heimat- und Geschichtsverein Alarm geschlagen.

Der Verein hatte erst kurzfristig von den Plänen der Baugenossenschaft Steinheim erfahren und sich für den Erhalt der Kunstwerke stark gemacht. Daher hatten die beiden Parteien ein Treffen verabredet. Dort hatte die Baugenossenschaft einen Kompromissvorschlag unterbreitet, mit dem der Geschichtsverein jedoch nicht zufrieden ist.

Hanau-Steinheim: Gebäude mit Peukert-Sgraffiti stehen nicht unter Denkmalschutz

Wie die Baugenossenschaft Steinheim mitteilte, traf sich der Vorstand des Unternehmens zu einem Gespräch mit Heinrich Hartel vom Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins, Rudolf Peukert, dem Sohn des Künstlers, sowie mit Martin Hoppe, dem Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hanau.

Dabei sei deutlich geworden, dass die Gebäude nicht unter Denkmalschutz stünden, es für die Außendämmung des Gebäudes keine fachliche Alternative gebe und auch der Fördermittelbescheid der KfW-Bank für die Gesamtmaßnahme vorliege. Somit seien die Kunstwerke an beiden Häuserfassaden nicht zu retten.

„Eine Bewahrung an der Stelle ist leider nicht möglich“, so Marc Gross vom Vorstand der Baugenossenschaft, „wir haben uns aber schon Gedanken über Alternativen gemacht.“

Trotz Kunst an den Wänden: Baumaßnahmen werden wie geplant umgesetzt

Die beiden Sgraffiti von August Peukert, die um 1955 entstanden sind und das bäuerliche Leben und die Industriegeschichte Großauheims illustrieren, seien bereits dokumentiert worden. Ziel sei es daher, die Baumaßnahmen wie geplant durchzuführen und mit einer neuen Fassadengestaltung auf die in Kürze weichenden Kunstwerke hinzuweisen.

„Die Wände werden nach den gültigen Richtlinien gedämmt und neu verputzt“, teilt die Baugenossenschaft weiter mit. „Auf den freien Putzflächen sollen dann Peukert’sche Motive mit zeitgemäßen Mitteln zitiert werden.“ Hierzu seien bereits Gespräche mit professionellen Künstlern vereinbart worden, die Gestaltungsalternativen aufzeigen sollen.

Vorschläge werden nach der Sommerpause besprochen

„Die Vorschläge werden nach der Sommerpause mit dem Geschichtsverein, Familie Peukert und der Stadtverwaltung besprochen und dann entschieden, was konkret an den Wänden präsentiert werden soll. Zudem soll mit Informationstafeln auf den Ursprungszustand der Gebäude hingewiesen werden.

„Dieser Weg fand die einhellige Zustimmung aller Anwesenden“, heißt es in der Mitteilung der Baugenossenschaft. Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der sich in den Vorgang eingeschaltet hatte, dankte den Beteiligten für den Kompromiss: „So wird Tradition und Moderne verbunden, das Werk von August Peukert in Erinnerung gehalten und in die Zukunft geführt“, wird Kaminsky in der Pressemitteilung zitiert.

Großauheimer Geschichtsverein mit Lösung nicht zufrieden

Da das Kompromiss-Angebot zwar auf eine Fassadengestaltung abzielt, die an die Werke Peukerts erinnert, das eigentliche Kunstwerk jedoch nicht gerettet werden kann, zeigt sich der Großauheimer Geschichtsverein noch nicht zufrieden. „Wir hoffen noch auf eine bessere Lösung“, sagt die Vereinsvorsitzende Sabine Laber-Szillat auf Anfrage unserer Zeitung.

Sie hatte im Vorfeld des Gesprächs mit der Baugenossenschaft Großauheim darauf hingewiesen, dass vor einigen Jahren die Kita Marienstraße ebenfalls saniert wurde und die Schmuckfassade mit einer Madonna erhalten werden konnte. Die Peukert-Kunstwerke seien nach Ansicht des Großauheimer Heimat- und Geschichtsvereins „wichtige Zeitdokumente der Ortsgeschichte“.

Denn die Sgraffiti erinnern an die Arbeit in der Metallverarbeitung der BBC mit ihrer Kühlschrankproduktion sowie an die Gießerei in der Marienhütte. Nach Angaben des Geschichtsvereins habe sich nun die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Hanau eingeschaltet. jj

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