„Man fühlt sich diskriminiert“

Kita-Öffnung: Warum die Mutter einer drei und einer elf Jahre alten Tochter frustriert ist

Stress bei Eltern
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(Sinn)bildlich steht dieses Foto für gestresste und gefrustete Mütter und Väter. Eine Hanauerin hat uns erzählt, wie es ihr aktuell geht und warum sie den geplanten „eingeschränkten Regelbetrieb“ in Hanauer Kitas für eine Lachnummer hält.

Am vergangenen Wochenende hatte Miriam Drubig noch große Hoffnungen. Da war klar, dass die Kindertagesstätten in Hessen am Dienstag nach Pfingsten wieder öffnen würden. Jetzt ist sie enttäuscht und „einfach nur frustriert“.

Die aktuelle Situation sieht wie folgt aus: Hanau hat, nachdem die Verordnung des Landes Hessen erst am Dienstag – und damit laut Oberbürgermeister Claus Kaminsky viel zu spät – vorlag, einen Zwei-Stufen-Plan für die Öffnung der städtischen Kitas entwickelt. Er sieht vor, dass ab dem 2. Juni zunächst die Vorschulkinder wieder betreut werden. Sie erhalten vier Stunden Betreuung am Tag und werden in einem eigenen Vorschulprojekt auf den Schulbesuch vorbereitet. Dieses Projekt ist befristet auf drei Wochen und endet am 19. Juni. 

Am 22. Juni beginnt die zweite Phase der Öffnung: Dann werden die Kindergartenkinder ab etwa zwei bis sechs Jahre montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr betreut. Sie erhalten, wenn sie einen Ganztagsplatz haben, ihr Mittagessen in der Kita. Zusätzlich zu diesen Betreuungsstufen kümmern sich die Kindertagesstätten noch um rund 600 Kinder in der Notbetreuung, also die Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen oder alleinerziehend sind. Noch mal drei Wochen warten.

Kein Homeoffice oder Kurzarbeit bei Drubigs Mann

 „Ich war mit den Nerven fertig, hab erst mal geheult“, gesteht Miriam Drubig. Ihre Töchter sind drei und elf Jahre alt. Die Steinheimerin arbeitet 30 Stunden pro Woche als Chemielaborantin in der Analytik. „Da kann ich die Geräte schlecht mit nach Hause nehmen, um Homeoffice zu machen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Drubigs Mann ist Service-Techniker und mit der Wartung und Reparatur von Geräten beschäftigt. Auch bei ihm gibt’s weder Homeoffice noch Kurzarbeit. In den ersten acht, neun Wochen haben sich die Drubigs streng an das Kontaktverbot gehalten, obwohl die Eltern der zweifachen Mutter nur einen Steinwurf entfernt wohnen. „Ich bin in dieser Zeit um 4 Uhr aufgestanden und habe von 5 bis 10 Uhr gearbeitet, danach ist mein Mann zur Arbeit gegangen“, erzählt sie. 

Mutter übt Kritik an dem Konzept

Seit drei Wochen sind die Großeltern wieder mit im Betreuungsboot, auch wenn sie sich noch um die Urgroßeltern kümmern müssen: Sie kommen an zwei, drei Tagen gegen 7 Uhr, da ist Drubig schon eineinhalb Stunden im Labor. Der Opa macht Schularbeiten mit der Fünftklässlerin, die Oma geht mit deren kleiner Schwester auf den Spielplatz oder in die Fasanerie. „Sie sind“, sagt Miriam Drubig, „eine große Unterstützung. Ich weiß gar nicht, wie ich ihnen danken soll.“ 

Der „eingeschränkte Regelbetrieb“, den die Stadt Hanau ab Montag, 22. Juni, umsetzen will, „ist eine Enttäuschung“, findet die zweifache Mutter, „eine Lachnummer“, schiebt sie hinterher. „Wir sind beide voll berufstätig. Da sind fünf Stunden Kitabetreuung ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Zumal die große Schwester auch weiter zu Hause ist und nur jeden dritten Tag Präsenzunterricht in der Schule hat. „Man fühlt sich diskriminiert, wenn man Kinder hat“, findet Miriam Drubig. Auf der Arbeit werde Flexibilität verlangt, aber es gebe nicht die entsprechende Kinderbetreuung dazu. Man könne doch nicht alles wieder hochfahren, aber die Eltern so im Stich lassen, sagt die junge Frau. „Wir hangeln uns seit drei Monaten von Woche zu Woche. Das zerrt an den Nerven.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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