Hanau Hafen

Tauch-Spezialisten aus Hanau übernehmen schwierige Jobs in aller Welt

Mit der schweren Ausrüstung mit bis zu 60 Kilogramm arbeiten die Taucher auch im Hanauer Hafen. Insgesamt elf Personen beschäftigt Geschäftsführer Kerlen in Hanau, sieben davon sind ausgebildete Taucher.
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Mit der schweren Ausrüstung mit bis zu 60 Kilogramm arbeiten die Taucher auch im Hanauer Hafen. Insgesamt elf Personen beschäftigt Geschäftsführer Kerlen in Hanau, sieben davon sind ausgebildete Taucher.

Ob Spanien, Frankreich, Jordanien oder Malaysia – Karl Kerlen von der Firma Kerlen Taucher aus Hanau taucht auf der ganzen Welt. Doch mit entspannten Sporttauchen in tropischen Riffen mit blauem, klarem Wasser hat seine Arbeit wenig zu tun.

Hanau – „Häufig arbeiten wir wie blind, keine Sicht, das ist schon eine Herausforderung“, sagt der 49-Jährige. Der Grund: Kerlens Tauchgebiete sind überwiegend Kläranlagen, Kanäle, Binnengewässer.

Ausrüstung der Taucher aus Hanau wiegt bis zu 60 Kilogramm

Zur schlechten Sicht kommt noch die Ausrüstung hinzu. Zwischen 40 und 60 Kilogramm wiegt die gesamte Ausrüstung eines Tauchers. Neben Anzug, Bleiweste - damit der Taucher auch unter Wasser bleibt - wiegt allein der Helm zwölf Kilogramm. „Abends merkt man im Nacken, was man den ganzen Tag gemacht hat“, sagt Kerlen. Dazu kommen noch die schweren Werkzeuge, die, wie beispielsweise der Stemmhammer, bis zu 18 Kilogramm wiegen können.

Er und seine Taucher arbeiten dort, wo Spezialisten gefragt sind. Deswegen ist Geschäftsführer, Tauchermeister und Gewässerunterhalter Karl Kerlen mit seinen über 25 Jahren Erfahrung im Tauchbetrieb auf der ganzen Welt gefragt. „In Jordanien haben wir beispielsweise schon Reparaturaufträge in Häfen erledigt oder haben für Firmen in Malaysia gearbeitet“, erzählt der Geschäftsführer.

Taucher aus Hanau reinigen, bauen und bergen

Die Aufgaben sind vielfältig: Vom Reinigen über Betonfundamente gießen bis hin zu Bergungsarbeiten. Zu den schwierigen Arbeitsumständen kommen bei internationalen Aufträgen noch weitere Probleme hinzu. „In Deutschland ist alles genormt, aber wenn man im arabischen Raum eine bestimmte Schraube braucht, dann kann es schon mal sein, dass das Gewinde die falsche Größe hat.“

Gerade die gute Ausbildung sorge dafür, dass deutsche Taucher auf der ganzen Welt gefragt seien. Je nach Land sei international teilweise nur eine dreimonatige Ausbildung vorgesehen, in Deutschland dauert die Ausbildung zwei Jahre mit abschließender Prüfung bei der Industrie und Handelskammer, berichtet Kerlen. Zusätzlich ist noch eine normale handwerkliche Ausbildung gefordert, eine, die zu den Arbeiten der Taucher passt. „Mit einer Bäcker-Ausbildung wird das eher schwierig“, scherzt Kerlen.

Hanau Hafen ist ideale Lage für Tauchfirma

Karl Kerlen, der ursprünglich aus Hamburg stammt, hat selbst zunächst eine Ausbildung zum Anlagentechniker gemacht. „Ich stamme aus einer Schifffahrtsfamilie, deshalb lag mir das Wasser schon immer nahe.“ Nach seiner Tauchausbildung folgte dann bald auch die Firmengründung, zunächst noch in Hamburg. „Wir hatten aber auch viele Aufträge hier in der Region, in Frankfurt und Hanau“, so Kerlen, „außerdem ist die Dichte an Tauchfirmen in Hamburg natürlich relativ hoch. Hier in Hanau sind wir zudem in der Mitte Europas, die Lage im Hafen ist optimal.“

Über 25 Jahre Erfahrung hat Karl Kerlen im Tauchen. Sein Know-how ist auf der ganzen Welt gefragt.

Seit 2007 ist die Firma Kerlen in Hanau ansässig. Und nicht nur international sind die insgesamt sieben Taucher gefragt, sondern auch von ihren Nachbarn. Die Hanau Hafen GmbH, auf der gegenüberliegenden Straßenseite ansässig, ist regelmäßiger Kunde. Das geschieht zum Beispiel bei Instandhaltungsarbeiten im Hafenbecken.

Taucher aus Hanau bei havariertem Frachter im Einsatz

Aber auch bei der Havarie des holländischen Frachters Dependant, der im Main im Jahr 2016 auf Grund gelaufen war, war Karl Kerlen vor Ort im Einsatz und hat dafür gesorgt, dass das Leck in dem mit 1000 Tonnen Gips beladenen Schiff geschlossen wird.

Auch in Hanaus Klärwerken sind die Kerlen-Taucher regelmäßig im Einsatz. Durch die Corona-Pandemie bekommt die Firma mehr Kunden im kommunalen Bereich. Weil viele Menschen im Homeoffice arbeiten, sind die Klärwerke in kleineren Ortschaften oft überlastet, „gerade wenn nicht nur Klopapier in der Toilette landet“, sagt Karl Kerlen.

Tauch-Unternehmen aus Hanau spürt Auswirkungen der Corona-Krise

Doch insgesamt hat die Krise zu einer spürbaren Abnahme der Aufträge geführt. Gerade die Industrie schiebe, so der Geschäftsführer, viele Aufträge aktuell erst mal auf. „Auch das Klärwerk am Frankfurter Flughafen, das zu unseren regelmäßigen Kunden gehört, ist weggefallen, da es am Flughafen durch ausbleibende Touristen weniger Abwasser gibt.“

Und es gibt auch Aufträge, die ein Karl Kerlen nicht erfüllen kann. Gerade wenn seine Gesundheit oder die seiner Mitarbeiter gefährdet sei, schlage er auch Aufträge aus. Auch von Einsätzen, bei denen eine nukleare Kontamination zu befürchten sei, lässt Kerlen lieber die Finger. „Man muss ja mit fast 50 nicht mehr alles riskieren.“

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