Klinik- und Pflegebranche

„Klatschen alleine reicht nicht“: Rund 150 Beschäftigte beteiligen sich am Warnstreik in Hanau

Rund 150 Streikende zogen gestern vom Klinikum zum Hanauer Marktplatz.
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Rund 150 Streikende zogen gestern vom Klinikum zum Hanauer Marktplatz.

Hanau – Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hatte die Beschäftigten von sieben hessischen Kliniken und einer Altenpflegeeinrichtung im Rahmen der Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes zu einem Warnstreik aufgerufen. Dem Aufruf waren rund 150 Beschäftigte des Klinikums Hanau sowie der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises gefolgt.

Um 10 Uhr begann am Mittwoch (30.9.2020) eine Kundgebung auf der Leimenstraße, dort wurden zunächst Reden gehalten, ehe der Demonstrationszug weiter zum Marktplatz zog und sich dort auflöste. Dabei wurde auch auf den allgemein geltenden Hygieneabstand geachtet.

Mit dem Auftakt zeigt sich die Vertreterin von Verdi, Hilke Sauthof-Schäfer, im Gespräch mit unserer Zeitung zufrieden. Sie schätzt, dass die Teilnehmerzahl noch höher hätte sein können. Allerdings hätten einige Auszubildende Prüfungen gehabt und deshalb nicht am Warnstreik teilnehmen können.

Der Kritik, gerade in diesen Krisenzeiten – mit der Corona-Pandemie und chronisch unterbesetzten Kliniken – die Arbeit niederzulegen, entgegnet die Gewerkschafterin, dass es von Arbeitnehmerseite ein Angebot für einen Tarifvertrag mit kürzerer Laufzeit gegeben habe. „Das wurde abgelehnt“, verdeutlicht Sauthof-Schäfer.

Verdi-Bezirkssekretärin Hilke Sauthof-Schäfer (links) sprach am Mittwoch zu den Streikenden.

Die Probleme im Gesundheitswesen wie Arbeitsüberlastung und teils schlechte Bezahlung seien bekannt. „Die Kollegen sind sauer. Klatschen für die Corona-Helden alleine reicht nicht.“

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die 2,3 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent, mindestens 150 Euro und die Anhebung der Azubi-Vergütung um 100 Euro. Außerdem erwarten die Beschäftigten Entlastung durch zusätzliche freie Tage und die Angleichung der Arbeitszeiten im Osten an das westdeutsche Niveau.

Für den heutigen Donnerstag, 1. Oktober, hat Verdi auch zu einem mehrstündigen Warnstreik an kommunalen Kinderbetreuungseinrichtungen aufgerufen. Gestreikt werden soll in der Zeit von 7 bis 11.01 Uhr. Dieser Aufruf betreffe auch die Kindertageseinrichtungen der Stadt Hanau, wie eine Sprecherin gestern bestätigte. Aushänge an den Kitas informierten die Eltern über den geplanten Warnstreik. Zudem seien alle Eltern diesbezüglich informiert, so die Sprecherin.

Da die Einrichtungen aufgrund unterschiedlicher Personalressourcen verschiedene Regelungen haben, sollen die Eltern sich direkt mit der Leitung der Kita ihres Kindes in Verbindung setzten, lautet die Empfehlung. Die Betreuung bei den Familientagespersonen finde ohne zeitliche Einschränkungen statt. Alle städtischen Kindertagesstätten seien ab 11.02 Uhr bis 17 Uhr wieder geöffnet.

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