Die Linie 6 und parkende Autos

Eskalation im Busstreit

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Auf etlichen HSB-Linien gibt es neuralgische Punkte wie hier an der Einmündung Alice- und Ludwigstraße in Steinheim, wo es für die Stadtbusse mitunter ziemlich eng wird.

Hanau - Mehr als 2,4 Millionen Kilometer sind die Stadtbusse der HSB jedes Jahr auf dem Liniennetz in Hanau unterwegs. Ein Netz, das vor allem in Wohngebieten etliche Engstellen aufweist. Da ist Steuerkunst gefragt. Nicht immer läuft alles reibungslos. In Klein-Auheim ist ein Streit in den letzten Wochen in beispielloser Weise eskaliert. Von Christian Spindler 

Zwölf Meter, erst recht achtzehn können lang sein. Zumal, wenn man vorne am Steuer sitzt und hinter einem ein ganzer Bus mit vielen Fahrgästen „dranhängt“. Für die 109 Busfahrer der städtischen Verkehrsbetriebe HSB ist das Kutschieren der zwölf Meter langen Solo- bzw. der 18 Meter langen Gelenkbusse Alltag. Auch wenn es mitunter eng wird. „Das ist beispielsweise im Bereich Harzweg/Spessartstraße der Fall“, sagt Michael Smet, Fahrdienstleiter der HSB. Die Linie 7 fährt durch Großauheim. Andere neuralgische Punkte sind die Ein- oder Ausfahrten in Alice- und Ludwigstraße oder Albrecht-Dürer- und Darmstädter Straße in Steinheim, wo die Busse den gesamten Straßenraum brauchen, damit sie um die Kurve zu kommen.

„Auf manchen Linien würden wir gerne 18-Meter-Busse einsetzen“, so HSB-Chef Thomas Schulte. Von der Fahrgastzahlen her sei das angebracht. Wegen der engen Streckenführung gehe das aber nicht. Klar, da wo es eng ist, gebe es hin und wieder Probleme, berichtet Smet, etwa weil aus einem Möbelwagen etwas ausgeladen oder Heizöl angeliefert wird. „Da geht es um ein paar Minuten Wartezeit.“ Im Großen und Ganzen laufe es aber gut im Hanauer Stadtbusnetz.

Auch in der Brüder-Bauer-Straße in Klein-Auheim, wo die Linie 6 fährt, lief es jahrzehntelang gut. Eng ist es auch dort. Probleme wurden nie laut. In den letzten Wochen entbrannte indes plötzlich ein heftiger Busstreit.

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In der Brüder-Bauer-Straße gibt es Stellen, an denen der Bus nur durchkommt, wenn die Pkw mit einer Hälfte auf dem Gehweg parken. Diese Parken wird in Hanau vielerorts praktiziert. Offiziell erlaubt ist es nicht. Die Stadtpolizei toleriert das aber, wenn niemand behindert wird und genügend Gehwegbreite frei bleibt (wir berichteten).

Im Fall der Brüder-Bauer-Straße soll es deswegen Streit zwischen einer Passantin und einem Gehwegparker gegeben haben. Die herbeizitierte Polizei verhängte Knöllchen gegen die Gehwegparker. Die stellten fortan ihre Autos auf die Fahrbahn. Mit der Folge, dass der Bus nicht mehr durchkam. Wieder Streit, noch mehr Ärger. So sehr, dass sogar ein Ortstermin mit Vertretern der HSB, des Ortsbeirats, der Stadtpolizei, des Ordnungsamtes und Anwohnern stattfand. Die Stadt spricht vom „rücksichtlosen Parkverhalten einiger weniger“, das zur Eskalation geführt habe. Anwohner G. wirft der Stadt vor, nach Gutdünken zu handeln. Man mag erahnen, dass der Ton rauer wurde. Anwohner B. behauptet, die Stadt habe zugesichert, dass sie das Gehwegparken weiter dulde, dann aber kurzerhand ein einseitiges Parkverbot erlassen, so dass 25 bis 30 Parkplätze weggefallen sind. Und: Die HSB habe das Parkverbot mit „fingierten Bildern“ durchgesetzt. Ein HSB-Sprecher nennt diesen Vorwurf „absurd“. Das Parkverbot sei erlassen worden, weil Anwohner partout weiter so geparkt hätten, dass der Bus nicht durchkommt.

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Nächste Eskalationsstufe: An einem Samstag, kurz nach 9 Uhr, kommen sich in Brüder-Bauer-Straße ein Bus und ein Lkw, mutmaßlich der eines Anwohners, entgegen. Erneuter Streit. Keine Einigung, wer wie fährt. Wieder muss die Polizei kommen. 30 Minuten sollen Fahrgäste festgesessen haben.

Wenn man Ortsvorsteher Sascha Feldes nach dem Busstreit fragt, seufzt er vernehmlich. Er spricht von Ignoranz bei Anwohnern. „Wenn jeder etwas Rücksicht nehmen würde, geht das!“ Wegen der sturen Straßenparker habe es aber nicht nur für Busse, sondern auch für die Feuerwehr kein Durchkommen gegeben. Auch HSB-Chef Thomas Schulte mahnt zur Rücksichtnahme.

Fest steht: An einen vergleichbaren Streit kann sich niemand erinnern. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

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