Bangen um Elchbaby

Elchkuh hält ihr Junges weitgehend versteckt -  Gänse mit Menschen-Eltern 

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Nur noch 190 Leinegänse gibt es weltweit. Zwei Küken dieser Art werden zurzeit von drei FÖJlern in der Alten Fasanerie aufgezogen.

Vor nahezu jedem neugierigen Blick geschützt, versteckt Elchkuh Jule das kleine Kalb im Dickicht. Nicht einmal die Tierpfleger dürfen momentan in ihre Nähe.

Klein-Auheim – Nur mit viel Glück und Geduld gelingt der erste Schnappschuss des knapp einen Monat alten Nachwuchses, der im Wildpark Alte Fasanerie lebt.

Zur Freude der Tierpfleger sind Mama und Baby wohl auf. „Das Kälbchen sieht gut aus“, sagt Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel. „Wir denken, es ist ein weibliches Jungtier, und hoffen, dass es durchkommt.“ Bereits im Vorjahr – ebenfalls am 17. Mai – hatte Jule ein Elchkalb zur Welt gebracht. Das Kälbchen verstarb allerdings wenige Tage nach der Geburt. Zuvor hatte sich Jule mit ihrem Nachwuchs völlig gegen Blicke neugieriger Wildpark-Besucher abgeschottet.

„Das Kalb sieht gesund aus“, betont Ebel. „Es scheint, als wäre alles okay, und die Mutter-Kind-Bindung stimmt auch. Das Kalb trinkt regelmäßig – so weit wir das beobachten können.“ Mutter Jule zieht sich dann doch lieber je nach Gusto in ein Birken- oder Kieferwäldchen zurück, um sich vor allzu neugierigen Blicken zu verstecken. „Ein einziges Mal habe ich beide etwas näher zu Gesicht am Zaun bekommen. Da war ich selbst erstaunt“, sagt Biologin Ebel. Für Wildpark-Besucher ist es nahezu unmöglich Mutter und Kälbchen zu Gesicht zu bekommen.

Gänseküken werden im Wildpark umsorgt 

Deutlich zutraulicher sind da die am 9. Mai geborenen Gössel. Die Gänseküken werden von Svenja Jäkel, Leah Rasche und Dorian Stache – alle drei absolvieren ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Wildpark – umsorgt. „Nachdem im vergangenen Jahr unser altes Steinbacher Kampfgänseweibchen starb, hat sich der Steinbacher Kampfganter mit Leinegans Kuki verpaart“, berichtet die Wildpark-Biologin. Aus dieser Beziehung gingen fünf befruchtete Gänseeier hervor. 

Das erste Foto vom Elchkalb und seiner Mutter gelang unserem Fotografen. Noch bangen die Tierpfleger des Wildparks, ob das Jungtier überlebt. Fotos: Hackendahl

Die Küken-unerfahrene Gänsemama erdrückte drei der geschlüpften Jungen. „Wir haben ihr vorsichtshalber die zwei verbliebenen Gössel abgenommen“, erläutert Ebel. Nun sind die Küken fast ein Monat alt. „Die zwei werden seitdem von unseren FÖJlern versorgt.“

Die zwei wachsen schnell, entwickeln sich gut und folgen ihren drei „menschlichen Eltern“ quasi auf Schritt und Tritt. Bei den täglichen Arbeiten wie Haustiergehege säubern laufen sie mit. Die possierlichen Junggänse fressen am Wegesrand wachsendes Gras und Brennnesseln. „Isaak und Martina fressen aber auch kleine geraspelte Karotten und Salat“, erläutern die drei FÖJler. „Wahrscheinlich wird das Gefieder – wenn die Gänse erwachsen sind – weiß sein und grau-bläulich schimmern“, sagt Biologin Ebel und tippt auf ein Gewicht von um die fünf Kilogramm. 

Nachwuchs beim Rot-, Dam- und Sikawild

Angst, dass die Gänse als Weihnachtsbraten enden, müssen sie übrigens nicht haben. In den letzten Tagen gab es zudem Nachwuchs beim Rot-, Dam- und Sikawild. Auch beim Jagdfasan sind Küken geschlüpft und ein Storchenpaar baut im Rotwildgehege in 15 Metern Höhe einen Horst.

VON HOLGER HACKENDAHL

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