Liegestütze als Flugtraining

„Vogelpäpplerin“ Elke Eger kümmert sich um sieben Mauersegler

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Als „Vogelpäpplerin“ hat sich Elke Eger mittlerweile einen Namen gemacht.

„Srii-Sriii-Sriiii“ – ihre Rufe gehören zum Sommer wie der blaue Himmel. Mauersegler umfliegen von Mai bis August laut rufend in kleinen Verbänden Häuser und Kirchtürme. Gegen Sommerende verschwinden die Zugvögel und fliegen auf die andere Seite der Erdhalbkugel. 

Klein-Auheim – Die Hitze Ende Juni setzte dem Mauersegler-Nachwuchs zu. Der Nachwuchs der Gebäudebrüter – viele Nestern liegen unter Dächern – wurde regelrecht gegrillt. Jungtiere stürzten sich aus den Nestern. Hatte der gefiederte Nachwuchs großes Glück, blieb unverletzt und wurde gefunden, kann er in der Mauersegler-Klinik in Frankfurt-Griesheim aufgepäppelt werden. Oder bei Elke Eger in Klein-Auheim. Sie zieht seit mehr als fünf Jahren Vögel auf, pflegt sie gesund und wildert sie wieder aus. Die „Vogelpäpplerin“ vom Reiterhof Eger kümmert sich derzeit um sieben junge Mauersegler.

„Nach den extrem heißen Tagen wurden der Mauersegler-Klinik innerhalb kürzester Zeit 120 Jungtiere gebracht. Sie war mit über 200 Vögeln voll belegt“, sagt Eger. Die von ihr betreuten sieben, noch flugunfähigen Mauersegler bekommen alle zwei bis drei Stunden Insektennahrung: Heimchen-Grillen, Wachsmottenlarven und Drohnenbrut bestellt Elke Eger im Internet. Die Hand, mit der sie den Jungvogel beim Füttern festhält, hat sie mit einem Gummihandschuh überzogen – damit das Gefieder nicht fettig wird, denn es muss später im Flug die Regentropfen abperlen lassen. Die jungen Mauersegler bekommen auch täglich einen Tropfen eines Mineralstoff-Spurenelemente-Vitaminpräparats, dazu wöchentlich Vitamin-B. Eger: „Weil wir ja nicht so füttern können wie es Vogelmütter tun.“

Mauersegler aufzupäppeln ist schwierig

Im Moment sollen die Jungvögel nur fressen, schlafen und an Gewicht zulegen. „Ein junger Mauersegler muss mindestens 50 Gramm wiegen, wenn er anfängt zu trainieren, denn dann frisst er nicht mehr“, weiß Eger. Trainieren heißt, „auf den Flügeln viele Liegestütze machen“, um die Flugmuskulatur aufzubauen. „Das machen sie instinktiv. Für das dauerhafte Fliegen müssen Mauersegler gut durchtrainiert sein.“ Verlässt ein Mauersegler ab dem 43. Lebenstag das Nest, verbringt er sein Leben fast ausschließlich in der Luft. Beim Vogelzug geht es bis nach Südafrika und im Frühjahr wieder zurück nach Europa. Mauersegler haben kurze Beinchen und können deshalb auch vom Boden aus nicht starten. Die landen erst wieder zum Brüten und zur Aufzucht der nächsten Mauersegler-Generation, weiß die „Vogelpäpplerin“. Die Dauerflieger, die übrigens nicht mit den Schwalben verwandt sind, schlafen im Flug, paaren sich dort und jagen mit lauten „Srii-Sriii-Sriiii“-Rufen Insekten hinterher. „Die Insekten verarbeiten sie zu Matschkugeln, die sie dann ihrem Nachwuchs füttern. Die Küken in den Bruthöhlen docken quasi am Schnabel ihrer Eltern an und bekommen so den nahrungsreichen Matschball“, erläutert Eger.

Alle paar Stunden müssen die kleinen Mauersegler von Hand mit Insekten gefüttert werden. Wenn sie zu Kräften gekommen sind, sollen sie wieder ausgewildert werden.

Stürzen die jungen Mauersegler, etwa wegen großer Hitze, aus den Nestern, werden sie am Boden von den Eltern nicht mehr versorgt. Der Vogelnachwuchs ist auf menschliche Hilfe angewiesen – oder verendet. Mauersegler aufzupäppeln ist im Vergleich zu anderen Vogelarten schwierig, denn sie sperren den Schnabel nicht auf, man muss nachhelfen.

Aufgezogen und zum Auswildern weitergegeben

„Ich hatte, bis ich die sieben Segler vorbeigebracht bekommen habe, vier junge Spatzen. Die habe ich nun an eine Freundin ausgelagert, die sich um die Aufzucht kümmert. Die Spatzen sind einfach zu händeln. Und ich hab ja jetzt mit den Mauerseglern genug zu tun“, berichtet Elke Eger, die sich schließlich auch noch um die Pferde und den Reitunterricht auf dem Fasanenhof kümmern muss.

Noch sind die Jungtiere flugunfähig, sie trainieren jedoch schon eifrig für ein Leben in der Luft.

In Frühjahr 2019 hat die Klein-Auheimerin bereits sechs Haus- und Feldsperlinge sowie ein Rotschwänzchen aufgezogen und zum Auswildern mitunter an die Wildtierhilfe Dreieich weitergegeben. Und kürzlich hat sie einen entflogenen Wellensittich eingefangen. Der flatterte auf dem Fasanenhof umher und wird nun ebenfalls von Elke Eger versorgt.

Holger Hackendahl

Infos im Internet

mauersegler.com

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