Helfende Hand statt Zeigefinger

Klein-Auheimer Ärztin berichtet von ehrenamtlichem Kenia-Aufenthalt

Ursula Korff-Fox (Mitte) hat eng mit den Einheimischen zusammengearbeitet.
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Ursula Korff-Fox (Mitte) hat eng mit den Einheimischen zusammengearbeitet.

Sechs Wochen Afrika liegen hinter Ursula Korff-Fox. Für die Organisation German Doctors hat sie in Kenia medizinische Hilfe geleistet. Über den Aufenthalt der 67-jährigen Allgemeinmedizinerin hatte unsere Zeitung im Vorfeld bereits berichtet. Seit 20. Juni ist die Klein-Auheimerin nun zurück und hat zahlreiche Eindrücke und eine Handydatei voller Fotos mitgebracht.

Hanau – „Wir versuchten, ohne erhobenen Zeigefinger als Besserwisser da zu sein, zuzuhören, um zu verstehen, dann Hand in Hand mit dem einheimischen Team Hilfe zu geben, Selbsthilfe zu ermöglichen oder zu erleichtern“, erzählt sie. „Wenn ich zum Beispiel in der Sprechstunde ausgehungerte kleine Kindern sah, schickte ich sie zu einheimisch Helfenden in einen geschützten Raum, wo die Helfer den betroffenen Müttern Vorher-nachher-Fotos zeigten. Das erleichtert den verunsicherten und beschämten Frauen, die Kinder behandeln zu lassen. Es ist eine Art der Hilfe, die auch tatsächlich angenommen wird.“

Über einen längeren Zeitraum bekommen die betroffenen Kinder dann kalorien- und eiweißreiche Nahrung mit nach Hause, sind Teil des sogenannten Feeding-Programms der German Doctors und kommen auch weiterhin ein- bis zweimal die Woche ins Feedingcenter zur Kontrolle und Bestärkung.

Doch die Mangel- oder Unterernährung ist nicht das einzige Problem, mit dem die ärmere Bevölkerung in Kenia, und hier vor allem die Kinder, zu kämpfen hat. Korff-Fox erzählt von Missbrauch, seelisch wie körperlich. Eine große Herausforderung ist deshalb auch die Bekämpfung von sexuell übertragbaren Krankheiten, äußerst schwer in der gegebenen großen Abhängigkeit und Benachteiligung der Frauen in der kenianischen Gesellschaft.

„Vor allem Kinder werden in ihren Bedürfnissen und Rechten nicht wahrgenommen. Selbst in der Schule werden sie geschlagen. Dabei brauchen Kinder so dringend Nähe und Gespräche. Ein großer finanzieller Reichtum ist gar nicht wichtig. Sie brauchen vielmehr ein warmes Nest, dürfen nicht auf sich gestellt sein. Es ist wichtig, eine Sensibilität dafür zu schaffen, nur dadurch können wir die Kinder schützen.“

Während ihres Aufenthalts hat die Medizinerin im Ruhestand eng mit den einheimischen Angestellten des Health Centers, die oft selbst einst Slumbewohner waren, zusammengearbeitet. Stets war ihr zudem eine Dolmetscherin zur Seite gestellt, ein Fahrer brachte sie von ihrer Unterkunft zur Arbeitsstätte. „Er war es auch, dem ich einige Rücken- und Fitnessübungen beigebracht habe“, erzählt Korff-Fox. Rückenprobleme plagen ungefähr jeden zweiten Patienten der Ambulanz. Die vorgemachten Übungen hat letztlich das ganze Team mitgemacht. Zweimal die Woche lud Korff-Fox zu ihrem Rücken-Workshop ein. Und am Ende wurde der Fahrer durch die Ärztin so gut instruiert, dass er nun in der Lage ist, das Team selber anzuleiten. Und dies auch mit Patienten fortführen möchte – angereichert durch afrikanische Tanzelemente.

Fast nicht wiedererkannt hätte der Ehemann von Korff-Fox seine Frau bei der regelmäßigen Videotelefonie. Der Grund: Kurzerhand hatte sich die Auheimerin Rastazöpfe einflechten lassen. Die Frau des Fahrers und jetzigen Fitnesstrainers hatte ihre Flechtkunst spielen lassen und Korff-Fox innerhalb von 3,5 Stunden eine ordentliche Mähne gezaubert. „Die Menschen dort sind total unverkrampft, offen für Neues. Das steckt an“, so die Ärztin, die mit ihrem Team auch einen Kanon angestimmt hat: „Es tönen die Lieder“, hallte durch das Health Center und alle hatten sehr viel Spaß – auch wenn die Afrikaner nicht genau wussten, was die da sangen.

Eine basismedizinische Versorgung für alle, für die Kinder eine warme Mahlzeit am Tag, das wünscht sich Korff-Fox für die Menschen in Kenia. „Soziale Sicherheit und Geborgenheit macht vor allem für die Kinder einen enormen Unterschied. Deshalb müssen wir Hilfe bei der Entwicklung von Handlungsfähigkeit für die gesellschaftliche Entwicklung geben. Dabei sollte eine selbstbestimmte Entscheidungsfindung ermöglicht werden. Kurz gesagt: Die Menschen sollen selber tun, wir helfen nur.“

Allerdings: Die afrikanische Gesellschaft sei eine Beziehungsgesellschaft, die westliche eher eine leistungsorientierte. „Das ist schwer zusammenzubringen“, weiß Korff-Fox. Fasziniert habe die Medizinerin die Wachheit, Lernbereitschaft, Lebenstüchtigkeit und das Vermögen, im Moment leben zu können, den Moment zu genießen. „Die absolut gegenseitig wertschätzende Haltung im kreativen Team von 16 Kenianern und zwei German Doctors, dieses Teambuilding hat mich beeindruckt“, sagt die Ärztin.

Dass der Aufenthalt mit den German Doctors in Nairobi nicht die letzte ehrenamtliche Auslandshilfe sein wird, die Korff-Fox leisten will, da ist sich die Ärztin ziemlich sicher.

Weitere Infos

Wer die German Doctors finanziell unterstützen möchte, kann Spenden auf folgendes Konto einzahlen.

Bank für Sozialwirtschaft,

IBAN: DE26 5502 0500 4000 8000 20; Stichwort: Hilfe weltweit.

» german-doctors.de

Von Kerstin Biehl

Rückenfitness in Afrika – Korff-Fox (links, mit Rasta-Zöpfen) gibt Hilfe zur Selbsthilfe.
Straßenszene in der Nähe von Nairobi – auch die Kinder müssen mit anpacken.
Medizinische Hilfe zur Selbsthilfe – Sprechstunde im Health Center.

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