Mit dem Klein-Auheimer Radwerk ist ein ganz besonderer Ort entstanden

Viel mehr als „nur“ ein weiteres Heimatmuseum

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Auch im Fahrradrennsport setzten die Bauer-Räder einst Maßstäbe. Einige historische „Rennmaschinen“ sind ab Sonntag im Radwerk zu bewundern.

Buchstäblich bis zuletzt wird noch gewerkelt im „Radwerk“, dem neuen Klein-Auheimer Kulturtreff am Main. Am Sonntag, 23. Juni, ist große Eröffnung.

Klein-Auheim – Dann kann sich jede und jeder bei freiem Eintritt davon überzeugen, dass in der ehemaligen Druckerei Ingra an der Gutenbergstraße unweit des Mainradweges tatsächlich etwas ganz Besonders entstanden ist.

Für Oberbürgermeister Claus Kaminsky ist das Radwerk „ein kommunikativer Ort, der die Identität und den Zusammenhalt in Klein-Auheim stärken wird.“ Bei einer Vorabbesichtigung, während der Handwerker und viele freiwillige Helfer noch Hand anlegten, zeigte sich Kaminsky „beeindruckt von dem, was hier in den letzten gut zwölf Monaten aus der Bürgergesellschaft heraus und mit viel ehrenamtlichen Engagement entstanden ist.“

Tatsächlich ist das Radwerk weit mehr als „nur“ ein weiteres Heimatmuseum, in dem der Heimat- und Geschichtsverein Klein-Auheim ein attraktives Umfeld zur Präsentation seiner Sammlung gefunden hat. Mit der weltgrößten Sammlung von historischen Fahr- und Motorrädern, die einst in den Klein-Auheimer Bauerwerken gefertigt wurden, bietet das Radwerk zudem einen ganz besonderen Schatz, der Liebhaber weit über Klein-Auheim hinaus ansprechen dürfte.

Für 40000 Euro hatte die Stadt Hanau die private Sammlung von Jörg Schulisch angekauft und präsentiert sie nun im „Radwerk“ auf beeindruckende und informative Weise – garniert mit Hinweisen zur Geschichte der Bauer-Werke, die einst ihre Produkte fast weltweit exportierten, und persönlichen Geschichten.

Die Bauerwerke gehören neben der Druckerei Illert und Gummi-Peter zu den großen drei Unternehmen, die insbesondere die Nachkriegsgeschichte Klein-Auheims prägten. Sie stehen für die „Boomtown“ Klein-Auheim, einer Blütezeit, in der aus dem bis dahin weitgehend von der Landwirtschaft geprägten Ort eine wohlhabende Gemeinde wird. Alle drei Unternehmen sind aber inzwischen selbst Geschichte.

Neben Bauer-Sammlung und Heimat- und Geschichtsverein haben auch die Klein-Auheimer Schlepperfreunde mit ihren historischen Landmaschinen und die Eisenbahnfreunde Hanau mit ihren Modelleisenbahnen im Radwerk ihr neues Domizil gefunden. Auch sie werden sich am Sonntag beim großen Sommerfest zur Eröffnung der neuen Kulturstätte präsentieren. Dann wird auch erstmals die neue 5-Zoll-Eisenbahn der Eisenbahnfreunde, auf der Kinder und Erwachsene für einen Euro mitfahren können, ihre Runden auf dem Vorplatz im Freien drehen.

Zum Radwerk gehört auch ein Café-Bistro, das donnerstags bis sonntags von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet hat, sowie das Fahrradfachgeschäft Günthers Radladen mit normalen Geschäftszeiten.

Kaminskys besonderer Dank ging an Unternehmer Uwe Hoppesack, Geschäftsführer der Hoppesack GmbH. Er hatte die ehemalige Druckerei Ingra gekauft, renoviert und vermietet sie nun in Teilen fürs Radwerk. Unterm Strich bezuschusse die Stadt Hanau den Betrieb der Einrichtung künftig mit überschaubaren 50 000 Euro jährlich, so Kaminsky. Der Umbau des Alten Klein-Auheimer Rathauses zum Heimatmuseum, der auch erwogen worden war, hätte laut OB allein an Investitionen mehr als zwei Millionen Euro gekostet. Kassen- und Aufsichtsdienst an den Wochenenden – das Radwerk hat ebenso wie die Stadtteilmuseen in Steinheim und Großauheim samstags und sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet – übernehmen Ehrenamtliche.

VON DIRK IDING

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