Kleine Familie unterm Flügel

Im „Haus der StrassenEngel“ ist eine feste Gemeinschaft entstanden

Nur kleinere Wunden können Sara Eich (links) und Sabine Assmann im nun komplett eingerichteten Arztzimmer selbst versorgen. Dringend gesucht werden ein oder mehrere Ärzte, die hier gelegentlich Sprechstunden anbieten.
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Nur kleinere Wunden können Sara Eich (links) und Sabine Assmann im nun komplett eingerichteten Arztzimmer selbst versorgen. Dringend gesucht werden ein oder mehrere Ärzte, die hier gelegentlich Sprechstunden anbieten.

Hanau - Seit knapp fünf Monaten stehen die Türen im „Haus der StrassenEngel“ am Nordbahnhof offen. Der Verein „StrassenEngel“ hat eine Anlaufstelle für Obdachlose und von Altersarmut Betroffene geschaffen. Inzwischen hat sich hier eine kleine Großfamilie zusammengefunden. Von Laura Hombach

Dringend gesucht wird aber noch ehrenamtliche ärztliche Unterstützung. An drei Wochentagen - montags, mittwochs und freitags jeweils von 10 bis 17 Uhr - sind Obdachlose und bedürftige Senioren in das ehemalige Bahnhofsgebäude zum Beisammensein eingeladen. Auch für eine warme Mahlzeit ist gesorgt. Durchschnittlich 15 Personen sind es, die sich an den Öffnungstagen in dem gemütlich eingerichteten Aufenthaltsraum zusammenfinden, um in geschütztem Raum ihre Zeit miteinander zu verbringen.

Bisher sind es hauptsächlich Obdachlose, die das Angebot der Anlaufstelle nutzen, erklärt Sabine Assmann, Vorsitzende, Herz und treibende Kraft der „StrassenEngel“. Die bedürftigen Senioren zum Besuch zu bewegen sei dagegen eher schwierig. Ihnen ist ihre Armut peinlich, so die Erfahrung der Engel-Vorsitzenden, die sich bereits seit über 15 Jahren für Obdachlose und arme Menschen engagiert.

Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch die älteren Bedürftigen dankbar sind für das Angebot, das die „Strassen-Engel“ machen, denn das umfasst auch die Weitergabe (bzw. das Vorbeibringen) von Sachspenden wie Bekleidung, Schlafsäcken, Hygieneartikeln und Tierbedarf an Obdachlose und bedürftige Senioren. Aber auch über diejenigen Bedürftigen, die bei Behördengängen oder dem Stellen von Anträgen Hilfe benötigen, breiten die „StrassenEngel“ helfend ihre Flügel.

Für die Obdachlosen stehen im „Haus der StrassenEngel“ zudem Duschen, Waschmaschinen, Spinde zum Einschließen ihrer Habseligkeiten und im Herbst und Winter sechs Notschlafplätze zur Verfügung. Auch können die Obdachlosen das Haus in der Friedberger Straße 2 als ihre Adresse angeben, an die dann auch ihre Post zugestellt werden kann. Ein wichtiges Sprungbrett, damit sie sich etwa auf die Suche nach einer Wohnung machen oder Anträge bei Behörden stellen können, weiß Assmann.

Einer der regelmäßigen Gäste im „Haus der StrassenEngel“ ist Cliff, der im Steinheimer Männerwohnheim lebt. Nicht nur das Angebot findet er ganz toll, sondern auch wie nett all die Menschen sind, die sich hier um die Gäste kümmern. Das sind neben Assmann, die hauptberuflich Kosmetikerin mit eigenem Studio in Steinheim ist, und der im Rahmen eines 1-Euro-Jobs für den Verein arbeitenden Sara Eich viele ehrenamtlich engagierte Helfer. „Es ist schon ein bisschen so geworden, wie ich mir das gewünscht habe und eine kleine Familie entstanden“, freut sich Assmann, dass auch alle Besucher bereit sind, etwas für die Gemeinschaft zu tun und sich an die Spielregeln zu halten - auch in Sachen Alkoholkonsum.

Alles nach Wunsch also. Doch für die Zukunft hat Assmann noch viele Pläne, die sich nur realisieren lassen, wenn sich weitere Unterstützung findet. So soll das Angebot zum Aufenthalt im Warmen während der kalten Jahreszeit täglich gemacht werden, wofür weitere Ehrenamtliche - vorzugsweise Männer - gesucht werden. Und für die Betreuung des Notschlafplatzangebots im Herbst und Winter werden ebenfalls bevorzugt männliche Helfer benötigt. Wer die „StrassenEngel“ lieber finanziell unterstützen möchte, würde Assmann mit einer Mitgliedschaft im Verein einen Riesen-Gefallen tun. Zwar gibt es immer wieder Spenden von Privatleuten und Firmen, aber im „Haus der StrassenEngel“ gilt es auch Fixkosten von zirka 1 500 Euro im Monat zu stemmen. „Wenn die über Mitgliedsbeiträge gedeckt wären, dann könnte ich nachts wieder ruhiger schlafen“, sagt die rührige Vereinsvorsitzende. Der Mitgliedsbeitrag liegt zwischen 2,50 und 10 Euro pro Monat. Rund hundert „StrassenEngel“ sind es derzeit.

Und kaum ist das Projekt „Haus der StrassenEngel“ auf den Weg gebracht, arbeitet Assmann auch schon am nächsten: Sie sammelt Spenden (rund die Hälfte hat sie schon beisammen) für ein Sozialfahrzeug, das im Winter auch als Kältebus zur Versorgung von Obdachlosen genutzt werden soll.

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