Klinikum setzt im Kreißsaal auf Natur

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Mehr Frauen als im Landesdurchschnitt finden Mutterglück am Klinikum Hanau auf natürlichem Weg als durch Operation per Kaiserschnitt.

Hanau (ed) ‐ Das Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums Hanau stemmt sich mit einigem Erfolg gegen einen modischen Trend, die Geburt per Kaiserschnitt. Die Zahl der Termingeburten mit dem Skalpell nimmt zwar auch am Klinikum zu, die Rate insgesamt liege aber deutlich unter dem hessischen Durchschnitt.

75 Prozent der Kinder zwichen der 37. und der 41. Schwangerschaftswoche erblicken in Hanau auf natürlichem Weg das Licht der Welt. Hessenweit sind es nur 67,3 Prozent, zitiert das Klinikum Auswertungen der Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen (GQH). Die Zahlen stammen aus den Jahren 2008 und 2009.

Das Klinikum führt die unterdurchschnittliche Quote auf die im Mutter-Kind-Zentrum den Schwangeren gebotene „Sicherheit und die Qualität der umfassenden medizinischen Versorgung zurück“. Die Quote sei umso bemerkenswerter, weil das Klinikum als Perinatalzentrum auf Risikoschwangerschaften und komplexe Geburten eingestellt sei. Dass trotzdem der Großteil der Frauen normal entbinden könne, sei erfreulich, sagt der Chefarzt, Privatdozent Dr. Thomas Müller.

Geringer als im Durchschnitt ist am Klinikum auch die Zahl der geplanten Kaiserschnitte bei reifen Kindern. Sie beträgt in Hanau 19,8 Prozent, im hessischen Durchschnitt 26,2 Prozent.

Geburten per Kaiserschnitt um zehn Prozent zugenommen

An hessischen Kliniken schwanken nach Angaben von Dr. Björn Misselwitz, dem Geschäftsführer der GQH in Eschborn, die Kaiserschnittraten zwischen 10 und 40 Prozent. Ob ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt komme, hänge stark vom Wohnort ab. Eine niedrige Rate allein sage noch nichts über die Qualität der betreffenden Klinik aus, dafür könne es auch andere Gründe geben, sagte Misselwitz. Sie sei aber ein Indiz dafür, dass eine Klinik gut organisiert sei.

In den vergangenen zehn Jahren hat in Deutschland die Zahl der Geburten per Kaiserschnitt um zehn Prozent zugenommen. Häufiger Grund für Frauen, nach dem Skalpell zu rufen, sei die Angst vor Schmerzen oder der unkalkulierbaren Dauer der Geburt, sagt Dr. Luzie Massey-Skatulla, die Leiterin der Mutter-Kind-Zentrums am Klinikum Hanau. In Gesprächen stellten die Ärzte häufig fest, dass hinter dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt im Grunde die Angst vor einer natürlichen Geburt stecke. Deshalb nähmen sich Hebammen und Ärzte am Klinikum viel Zeit für Gespräche, Information und Aufklärung. Heute sei aufgrund der engen Kooperation von Geburtshelfern und Anästhesisten eine schmerzarme Geburt möglich. Der Kaiserschnitt berge für Mutter und Kind nach wie vor mehr Risiken als ein vaginale Geburt, sagte GQH-Geschäftsführer Misselwitz.

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