Oberbürgermeister im Krisenmodus

Kommentar zur Kommunikation der Stadt in der Corna-Krise: Politik als One-Man-Show

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Yvonne Backhaus-Arnold mit einem Kommentar zur Kommunikation der Stadt Hanau in der Corona-Krise.

Yvonne Backhaus-Arnold, stellvertretende HA-Chefredakteurin, über die Kommunikation der Stadt Hanau in der Corona-Krise.

Hanau hat am 19. Februar einen der schwärzesten Tage seiner Geschichte erlebt. Dass sich Hanaus Oberbürgermeister unmittelbar nach dem Attentat externe Berater an die Seite geholt hat, war die richtige Entscheidung. Hessen, Deutschland, die ganze Welt hat nach dem 19. Februar auf Hanau geschaut. Trauer, Druck, Emotionen, Anfeindungen: Claus Kaminsky hat all das ausgehalten und seine Stadt – auch dank der Hilfe externer PRler – hervorragend präsentiert und selbst perfekt kommuniziert – in die Stadtgesellschaft genauso wie vor den Fernsehkameras.

Nach Anschlag von Hanau: OB bleibt im Krisenmodus

Der OB und sein Team mussten aufgrund der Corona-Pandemie im Krisenmodus bleiben. Was hier allerdings seit acht Wochen an Kommunikation geschieht, ist vor allem Eigen-PR. Eine Äußerung hier, ein Video da, jede Mitteilung gespickt mit OB-Zitaten, die Imitation von Journalismus – alles Maßnahmen, die weit über die mit Steuergeldern finanzierte Informationspflicht einer Kommune hinausgehen.

Statt ein Konzept für die Öffnung der Hanauer Schwimmbäder zu erdenken, proklamierte er kurzerhand: Bleiben dicht! Statt die Programmierung eines benutzerfreundlichen und digital beschreibbaren Dokuments für die Anmeldung der Kita-Notbetreuung zu veranlassen, wurde eine Kulturplattform via Social Media initiiert, auf der Künstler mehrmals pro Woche gegen Gage auftreten dürfen. Gehört das in Krisenzeiten tatsächlich zu den wichtigen Aufgabe einer Kommune?

Kaminsky betreibt bereits Wahlkampf

Es ist OB-Wahl 2021 und Claus Kaminsky betreibt – bewusst oder unbewusst – Wahlkampf. Er weiß, dass ihm die Regierungsparteien nicht in den Weg treten und auch die CDU als einzige Oppositionspartei nur verhalten Kritik übt. Immerhin könnten sich die Mehrheitsverhältnisse ja ändern und da will man sich's offenbar nicht ganz verscherzen mit der Stadtspitze.

Politik in Hanau ist – wie die Corona-Krisenkommunikation zeigt – in allererster Linie eine One-Man-Show. Dabei kann es Claus Kaminsky nicht gleichgültig sein, dass er hinter vorgehaltener Hand als „Sonnenkönig“ tituliert wird. Wer sich selbst zu wichtig nimmt und von PR derart inszeniert aufs Schild heben lässt, verliert den kritischen Blick, der gerade jetzt – Corona und angestrebte Kreisfreiheit lassen grüßen – so wichtig wäre.

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