Stadt ringt mit Dunlop um Einigung

Geruch behindert Pläne für Kaserne

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Im fächerförmigen Bereich der Pioneer-Kaserne sollen neue Wohnhäuser entstehen. Für die zehn Blocks (schwarze Dächer) ist eine Gewerbe-, im hinteren Teil auch auch eine Wohnnutzung vorgesehen.

Hanau - Rund 800 Wohneinheiten und ein Gewerbegebiet sollen, wie berichtet, auf dem Gelände der Pioneer-Kaserne in Wolfgang sowie der Sportsfield Housing entstehen. Wenn alles glatt läuft, könnten 2017 die ersten Wohnungen auf den Markt kommen. Doch es tun sich Hürden auf. Von Christian Spindler

Goodyear-Dunlop meldete offenbar Bedenken gegen die Planungen an. Zuletzt hatte es geheißen, der von der Stadt über ihre Bauprojekte-GmbH angestrebte Kauf des 62 Hektar großen Geländes von der Bundesanstalt für Immobilienangelegeheiten (BImA) stehe kurz bevor. Beim Konversionsforum im Bürgerhaus Wolfgang, an dem am Dienstagabend neben Vertretern der parlamentarischen Ausschüsse und Ortsbeiräte mit rund 150 Besuchern auch überraschend viele Bürger teilnahmen, wurde offenbar, dass sich größere Konflikte auftun als erwartet. „Wir dachten, wir seien schon ein Stück weiter“, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Aber: Mitte Januar hatte das benachbarte Industrieunternehmen Goodyear-Dunlop erhebliche Bedenken angemeldet. „Das war auch für uns überraschend“, sagt ein an den städtischen Planungen Beteiligter.

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Bei einer Fülle von Untersuchungen für das Pioneer-Gelände zu Klima-, Lärm- oder Artenschutz bzw. Altlasten kam heraus, dass in einigen Bereichen des künftigen Wohngebiets die Geruchsimmissions-Richtlinien nicht eingehalten werden. Die Stadt sieht darin kein unüberwindbares Hindernis, zumal von der zeitweiligen Geruchsbelästigung „keine Gesundheitsgefährdung“ (Kaminsky) ausgehe. Zudem könne das ehemalige Kasernenareal baurechtlich nicht als Planung auf der grünen Wiese angesehen werden, wo strengere Vorgaben gelten. Schließlich habe es ja bereits eine Nutzung gegeben. Und: Das Riesen-Areal könne „nicht so bleiben wie es ist“, so der von der Stadt beauftragte Anwalt Dr. Olaf Otting. „Auf die Wohnbebauung zu verzichten, ist kein gangbarer Weg“. Gleichwohl sei der Konflikt mit Dunlop etwas, „das wir sehr ernst nehmen müssen“.

Dunlop fürchtet offenbar, dass künftige Bewohner wegen einer zeitweisen Geruchsbelästigung juristisch gegen das Unternehmen vorgehen könnten - auch wenn die Stadt vor hat, das beim Verkauf der Wohnungen soweit wie möglich vertraglich auszuschließen, wie Stadtentwickler Martin Bieberle erläuterte. Dunlop könnte die Planungen für die Pioneer-Kaserne juristisch mit einem Normenkontrollantrag prüfen lassen, so Dr. Otting, auch wenn der Jurist dem wenig Erfolgsaussichten einräumt. In weiteren Gesprächen will die Stadt offenbar erreichen, dass das Unternehmen diesen auch für sich nicht risikofreien Weg nicht einschlägt und es zu einer Einigung kommt. Man sei „im intensiven Dialog“, bekräftigten Rathaus-chef Kaminsky und Stadtentwickler Bieberle. Bei einem Telefonat mit der Dunlop-Standortleitung soll der Rathauschef am Dienstag nochmals unterstrichen haben, dass die Stadt „nicht auf die Entwicklung eines Gebiets so groß wie die Innenstadt verzichten kann.“ Es gehe darum, im Konflikt zwischen Industrienutzung und Wohnen in einem Ballungsraum eine Lösung herbeizuführen.

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Die Konversion der Pioneer-Kaserne galt von jeher nicht nur als größtes, sondern auch als schwierigstes Projekt in Hanau bei der Überführung in eine zivile Nutzung. „Wir sind noch nicht über den Berg, um das rechtssicher hinzubekommen“, sagt Stadtentwickler Bieberle. Ziel sei, dass nach erfolgreichen Gesprächsrunden mit Dunlop und dem Regierungspräsidium der bereits mit der BImA als derzeitigem Kasernen-Eigentümer ausgehandelte Kaufvertrag unterschrieben werden kann. Über den Kauf entschiedet das Stadtparlament. Offiziell will die Stadt den Kaufpreis noch nicht nennen. Der Hanauer FDP-Vorsitzende Dr. Ralf-Rainer Piesold hatte dieser Tage von sieben Millionen Euro gesprochen. Im zweiten Schritt soll die städtische Bauprojekte-GmbH einen privaten Partner ins Boot holen, der das Kapital mitbringt, um das Areal zu entwickeln. Den eigentlichen Bau der Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser sollen dann mehrere weitere Investoren angehen. Die Stadt wolle vorher aussteigen, so Bieberle, aber bis zur Entscheidung beteiligt sein, wer die Endinvestoren sind.

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