Pläne für Riesen-Gewächshäuser

Abwärme vom Kraftwerk für Tomaten

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Auf einer Fläche der ehemaligen Großauheim-Kaserne (Pfeil) könnten große Gewächshäuser entstehen. Die Rede ist von rund zehn Hektar, das ist in etwa so groß wie zehn Fußballfelder.

Grossauheim/Grosskrotzenburg - Vor wenigen Jahren war noch von einem Milliarden-Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger die Rede. Davon spricht keiner mehr. Das Steinkohlekraftwerk orientiert sich um. Von Christian Spindler 

Ein spektakuläres Projekt: Gewaltige Gewächshäuser, in denen massenhaft Tomaten angebaut werden. Ob das realisiert wird, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden. Ganz so ausführlich, so hat’s den Anschein, möchte Matthias Hube, Leiter des Kraftwerks Staudinger, das von der Uniper Kraftwerke GmbH betrieben wird, öffentlich noch nicht über das Vorhaben reden. Denn entschieden sei schließlich noch nichts. Gleichwohl laufen seit geraumer Zeit Gespräche mit dem zur Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gehörenden Bundesforstbetrieb Schwarzenborn und vor allem mit potenziellen Investoren. Zudem hatte die FDP unlängst nach einem Kraftwerks-Besuch von dem Projekt berichtet, durch das Hanau zum Standort für Gemüseanbau im großen Stil werden könnte.

Demnach könnten Riesen-Gewächshäuser in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk Staudinger entstehen: auf Flächen der früheren Großauheim-Kaserne, die wie alle ehemaligen US-Kasernen in die Verwaltung der Bundesanstalt übergegangen sind. Von zehn Hektar Fläche ist die Rede. Das wären Gewächshäuser so groß wie zehn Fußballfelder. Gemüse könnte dort angebaut werden, zum Beispiel „Tomaten aus der Region für die Region“, frohlockten die FDP-Politiker Uwe Hahn, Dr. Ralf-Rainer Piesold und Alexander Noll nach ihrem Staudinger-Besuch.

Alles zum Kohlekraftwerk Staudinger

Der Vorteil: Das nur noch wenig genutzte Kraftwerk könnte Wärme und Strom für den Gewächshaus-Park in unmittelbarer Nähe liefern, sagt Matthias Hube. Tomaten-Gewächshäuser brauchen in der Regel tagsüber Temperaturen von 19 bis 22 Grad, nachts immerhin noch von 15 Grad. Ein durchaus energie-intensiver Betrieb. Das Gewächshaus-Projekt auf dem Kasernen-Areal könnte auch nach Ansicht der FDP „eine gute Synergie“ bringen: Staudinger hätte einen Wärme- bzw. Stromabnehmer, und für einen Teil der leer stehenden Großauheim-Kaserne gebe es eine Nutzung. Das Gewächshaus-Projekt könnte „eine Standort-Facette“ (Hube) fürs Kraftwerk Staudinger und dessen Zukunftssicherung werden.

Nachdem es Signale gegeben habe, dass es einen Bedarf an einem solchen Groß-Gewächshaus in der Region gibt, so Hube, prüfe man das Vorhaben, das für Firmen im Rhein-Main-Gebiet interessant sein könnte. Dabei ist man offenbar schon ziemlich weit. In den nächsten Wochen soll die Entscheidung fallen, ob das ungewöhnliche Projekt realisiert wird, wenn entsprechende Investoren einsteigen.

Tag der offenen Tür im Staudinger-Kraftwerk

Die möglichen Großauheimer Gewächshäuser, in denen laut Hube „Tomaten oder Beeren“ angebaut werden könnten, darf man sich nicht wie klassische Garten-Gewächshäuser vorstellen. Solche Anlagen sind nicht nur gewaltig groß, der Betrieb wird auch durch jede Menge Technik gewährleistet - von elektronisch gesteuerten Gebläsen über Schlauchsysteme für die CO2-Düngung bis zu hydraulischen Wagen. Ähnliche Großanlagen gibt es unter anderem in Nordrhein-Westfalen, wo zum Beispiel Abwärme des Kraftwerks Niederaußem Tomaten gedeihen lässt, oder in Neurath, wo ebenfalls ein Kraftwerk einen Gewächshauspark wärmt. Aber auch im bayerischen Dinkelsbühl findet man einen sieben Hektar großen Betrieb, dessen Gewächshaus mit Abwärme eines Biomasse-Kraftwerks gespeist wird. Das Kraftwerk hatte zuvor kaum Heizenergie verkauft.

Dass Staudinger das Groß-auheimer Gewächshaus-Projekt vorantreibt, sieht man bei dem für die potenziellen Flächen zuständigen Bundesforstbetrieb durchaus positiv. Man stehe „dem Vorhaben aufgeschlossen“ gegenüber, so Matthias Pollmeier vom Bundesforstbetrieb. Und für die Großauheimer Gewächshäuser gibt es auch „ein grundsätzliches Interesse von Investoren“, bestätigt der Kraftwerksleiter. Das Gewächshaus-Projekt sei aber nur eine der Ideen, wie man „den Standortvorteil nutzen kann“, meint Hube. Es gebe weitere potenzielle Projekte für „energieintensive Anwendungen“ in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks. Darüber möchte Matthias Hube im Moment aber noch gar nicht reden.

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